Männedorf

Gesundheitspolitiker fordert neue Strategie für Spital Männedorf

In einem Brief appelliert CVP-Kantonsrat Lorenz Schmid eindringlich an die Gemeindepräsidenten im Bezirk Meilen. Die Gemeinden als Aktionärinnen des Spitals seien gefordert – es brauche eine neue Ausrichtung. Das sehen nicht alle so.

Das Spital Männedorf stellt einen grossen Teil der Gesundheitsversorgung in der Region sicher.

Das Spital Männedorf stellt einen grossen Teil der Gesundheitsversorgung in der Region sicher. Bild: Archiv Reto Schneider

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Einen radikalen Strategiewechsel für das Spital Männedorf fordert Gesundheitspolitiker Lorenz Schmid. Der CVP-Kantonsrat aus Männedorf, der am 24. März wieder ins Zürcher Parlament gewählt werden möchte und somit mitten im Wahlkampf steckt, fordert die Aktionäre zum Handeln auf. Die Aktionäre – das sind nicht etwa private Investoren: Das Spital Männedorf wird getragen von acht Gemeinden im Bezirk Meilen, von Männedorf, Stäfa, Hombrechtikon, Uetikon, Meilen, Herrliberg, Erlenbach und Küsnacht.

Als Adressaten für sein Anliegen hat Schmid deshalb die Gemeindepräsidenten gewählt. Der Apotheker hat ihnen einen Brief geschickt, indem er sie eindringlich vor einem düsteren Szenario warnt: «Ich fürchte Schlimmes für unser Spital Männedorf sowie für die Gemeinden als Aktionäre», schreibt er im Brief. «Es ist an der Zeit, die zukünftige Ausrichtung des Spitals zu überprüfen.»

Ambulant statt stationär

Wie kommt Schmid zu dieser dramatischen Einsicht? Das Problem sieht der Politiker, der Mitglied der kantonsrätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit ist, im verschärften Wettbewerb unter den Spitälern. Der Kampf um Patienten werde zunehmen, ebenfalls jener um Fachkräfte. «Diese Entwicklung wird kleinere Spitäler hart in Bedrängnis bringen, so auch das Spital Männedorf.» Weil gleichzeitig die Zahl der Hausärzte abnehme, sei die Grundversorgung in absehbarer Zeit bedroht.

«Es ist an der Zeit, die zukünftige Ausrichtung des Spitals zu überprüfen.», sagt Lorenz Schmid. Bild: Dominique Meienberg

Schmid ist der Ansicht, dass das Regionalspital deshalb die ambulante Grundversorgung ausbauen und sich stärker mit den Hausärzten und den kommunalen Spitex-Organisationen vernetzen muss. Im stationären Bereich hingegen soll sich das Spital Männedorf seiner Meinung nach auf wenige Fachgebiete fokussieren, etwa auf Gerontologie, internistische Medizin für alte nicht ambulant zu betreuende Personen und Palliativmedizin. Diese Angebotspalette leitet der Politiker aus der Bevölkerungstruktur ab, da am Zürichsee überdurchschnittlich viele ältere Personen leben.

Weitere stationäre Leistungen sollen nur noch mit Zentrumsspitälern oder anderen Regionalspitälern erbracht werden. «Das Spital kann sich so vom mörderischen Konkurrenzkampf verabschieden», glaubt Schmid. Zugleich konzentriere es sich dadurch auf die eigentlichen Bedürfnisse im Bezirk Meilen und finde so einen regionalen Markt. «Die ambulante Grundversorgung wird immer regional bleiben», sagt er.

«Spital ist kein Patient»

Wie kommen solche Forderungen bei den Trägergemeinden des Spitals an? «Anlass, Schlimmes zu fürchten, wie es Lorenz Schmid offenbar tut, besteht nicht», sagte Meilens Gemeindepräsident Christoph Hiller (FDP). Natürlich müsse die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen allen zu denken geben, das gelte für das Spital Männedorf ebenso wie für andere Spitäler. «Das Spital Männedorf ist aber gewiss kein Patient, sondern gut aufgestellt.»

In einem Punkt stimmt Hiller aber mit Schmid überein: «Um Synergien zu gewinnen und damit die Kosten im Griff zu behalten, ist die Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsinstitutionen – grössere Spitäler, Hausärzte, Spitex, Pflegeheime – notwendig.» Nur: Das Spital Männedorf sei in dieser Beziehung bereits aktiv. «Da rennt Lorenz Schmid offene Türen ein.»

Nicht nachvollziehbar ist für Christoph Hiller zudem die Forderung, dass sich das Spital auf die Altersgruppe 65+ fokussieren soll. Zum einen habe das Spital bereits heute einen Schwerpunkt in diesem Bereich. «Mit einer Konzentration der stationären Leistungen ausschliesslich auf diese Leistungsgruppe liesse sich eine Grundversorgung zudem gar nicht finanzieren. Und vor allem: Wer eine stationäre Behandlung braucht, soll diese im Regionalspital bekommen – unabhängig vom Alter.»

Verweis an Verwaltungsrat

Der Meilemer Gemeindepräsident weist überdies darauf hin, dass der Verwaltungsrat und die Spitalleitung «hervorragende Arbeit» leisten würden. Sie würden letztlich die Verantwortung für den Betrieb tragen und die Trägergemeinden auch in ihren strategischen Entscheidungen einbeziehen.

Ähnlich argumentiert Christian Haltner (FDP), Gemeindepräsident von Stäfa. Mit einem Anteil von 20,5 Prozent ist die Gemeinde die grösste Aktionärin des Spitals, gefolgt von Meilen (19,4 Prozent) und Männedorf (14,7 Prozent). Auch Haltner sagt: «Wir brauchen in unserer Region ein gut funktionierendes Spital und wir müssen uns für unsere Bevölkerung mit Herzblut dafür einsetzen – es ist das einzige zwischen Zürich und Uznach.» Gleichzeitig betont er: «Wie es wirtschaftlich betrieben werden kann, ist Aufgabe des Verwaltungsrats.»

In diesem ist mit dem Stäfner Gemeinderat Simon Hämmerli (FDP) auch ein Vertreter einer Gemeinde präsent. Präsidiert wird der Verwaltungsrat zudem von einer weiteren Politikerin aus der Region, der Meilemer Kantonsrätin Beatrix Frey-Eigenmann (FDP). Im Interview äussert sie sich kritisch zu den Vorschlägen ihres Ratskollegen Lorenz Schmid.

Diskussion im Gemeinderat

Die Standortgemeinde Männedorf wiederum will sich inhaltlich noch nicht zu den Forderungen des CVP-Politikers äussern. Anfang März wird der Gemeinderat aber «wesentliche Beteiligungen der Gemeinde» diskutieren, wie Gemeindepräsident André Thouvenin (FDP) sagt. «Dazu gehört selbstverständlich auch das Spital Männedorf.» Ein wichtiges Thema der Gemeinderatsitzung werde sein, bei welchen Beteiligungen eine Eignerstrategie erarbeitet werden soll. Für die künftige Ausrichtung des kommunalen Alters- und Pflegeheim Allmendhof beispielsweise hat dies der Gemeinderat bereits getan.

Über eine allfällige Eignerstrategie für das Regionalspital entscheidet die Gemeinde Männedorf aber natürlich nicht allein. Thouvenin sagt jedoch: «Wenn sich die Gemeinden als Aktionärinnen des Spitals gezielt damit auseinandersetzen, welche Erwartungen sie an ihr Spital haben und diese konkret formulieren, wäre dies meiner Ansicht nach eine gute Ausgangslage für ein Gespräch mit dem Verwaltungsrat des Spitals.»

Podium zum Spital Männedorf: Am Montag, 4. Februar, um 20 Uhr, diskutieren im Gasthof zum Löwen in Meilen die Kantonsräte Beatrix Frey-Eigenmann (FDP Meilen), Hanspeter Göldi, (SP Meilen), Lorenz Schmid (CVP Männedorf) und Thomas Wirth, (GLP Hombrechtikon).

Erstellt: 29.01.2019, 16:15 Uhr

Nachgefragt

«So könnte das Spital Männedorf nicht überleben»

Frau Frey-Eigenmann, Kantonsrat Lorenz Schmid sorgt sich um das Spital Männedorf und fordert einen Strategiewechsel. Steht es wirklich so schlimm um das Spital?
Nein, es besteht überhaupt kein Grund zur Panik. Das Spital Männedorf steht gut da. Auch wenn die endgültigen Resultate für 2018 noch nicht vorliegen, gehen wir aufgrund des Halbjahresergebnisses von einem erfolgreichen Geschäftsjahr aus. Ausserdem können wir sagen, dass wir die Fallkosten erneut senken konnten. Das Spital Männedorf liegt im Vergleich der Fallkosten im günstigeren oberen Mittelfeld. Das zeigt: Die Strategie, die wir in den vergangenen Jahren eingeschlagen haben, beginnt zu greifen.

Ist die Diagnose also komplett falsch?
Grundsätzlich finden wir es erfreulich, wenn sich Lorenz Schmid mit dem Spital Männedorf beschäftigt. Es ist auch durchaus so, dass die Spitallandschaft im Wandel ist und dass man die Strategie immer wieder anpassen muss. Wir fühlen uns aber derzeit darin bestärkt, den Weg weiterzugehen, den wir eingeschlagen haben.

Ihr Ratskollege fordert einen radikalen Richtungswechsel. Braucht es also einen solchen nicht?
Nein, vieles, was er als Neuausrichtung fordert, machen wir schon heute. Die Altersgruppe über 65 ist für uns bereits ein Schwerpunkt. Beispielsweise haben wir Fachbereiche für Akutgeriatrie und Palliativmedizin aufgebaut. Auch die Konzentration hin zu mehr ambulanten Behandlungen ist bereits im Gang.

Lorenz Schmid schlägt vor, dass es stationäre Behandlungen nur noch in bestimmten Fachbereichen geben soll und andere Leistungen in Zusammenarbeit mit den Zentrumsspitälern erfolgen sollen.
Die Zusammenarbeit mit Zentrumsspitälern ist wichtig. Mit einer Beschränkung der stationären Angebote auf über 65-Jährige - wie sie Schmid fordert - könnte das Spital Männedorf nicht überleben. Die die Zahl der Notfälle schwankt stark. Um eine Grundversorgung finanzieren zu können, muss das Spital auch planbare Eingriffe durchführen können. Es muss sich deshalb auch im stationären Bereich in bestimmten Fachgebieten spezialisieren können. Und schliesslich wollen wir für die ganze Bevölkerung da sein und nicht nur für eine Altersgruppe.

Ein weiterer Punkt ist der Ruf nach mehr Vernetzung - was sagen Sie dazu?
Auch hier sind wir schon lange dran. Wir arbeiten eng mit den Hausärzten zusammen, sie sind wichtig für uns. Übrigens stimmt es nicht, dass es in unserer Region zu wenig Hausärzte gibt. Die Zusammenarbeit mit ihnen bauen wir weiter aus - aber nicht gegen ihren Willen, sondern gemeinsam mit ihnen. Auch haben wir die Zusammenarbeit mit verschiedenen Dienstleistern vertieft, zum Beispiel mit der Spitex Zürichsee, der Onko Plus und den Pflegeheimen. Die Spitex Zürichsee und Onko Plus haben auch Räumlichkeiten des Spitals Männedorf bezogen, so dass wir eine gute und lückenlose Zusammenarbeit gewährleisten können. Zusammengefasst sehen wir uns nicht so sehr als Gesundheitszentrum, wie dies Lorenz Schmid vorschwebt, sondern als Gesundheitsplattform mit hohem Vernetzungsgrad.

Der Brief richtet sich nicht an das Spital selber, sondern an die Gemeindepräsidenten. Sind diese aus Ihrer Sicht als VR-Präsidentin der richtige Adressat?
Das Vorgehen von Lorenz Schmid finde ich tatsächlich etwas speziell. Er hat mit dem Spital, das direkt betroffen ist, gar nie den Kontakt gesucht. Und er unterstellt im Grunde genommen dem Spital und den Gemeinden, dass sie zu wenig machen.

Braucht es aus Ihrer Sicht eine solche Diskussion im Moment überhaupt – oder ist das alles nur Wahlkampfgeplänkel?
Sicher befinden wir uns im Wahlkampf, aber so funktioniert eben die Politik. Und für uns als Spital bietet sich nun die Gelegenheit zu erklären, was wir machen. Das hat Vorteile. So gesehen: Eine Diskussion zu führen, ist nie falsch. (miw)

Kritisiert die Vorschläge ihres Ratskollegen Lorenz Schmid: Beatrix Frey-Eigenmann (FDP). (Bild: Reto Oeschger)

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