Zollikon

Zukunft von Zolliker Asylzentrum bleibt offen

Für die meisten gekündigten Mitarbeitenden der Asylunterkunft in Zollikon gibt es innerhalb der Asyolorganisation Zürich (AOZ) Arbeit. Für die anderen wird ein Sozialplan ausgearbeitet.

Das MNA-Zentrum in Zollikon war seit August 2016 in Betrieb. Nun wurde es bereits wieder geschlossen.

Das MNA-Zentrum in Zollikon war seit August 2016 in Betrieb. Nun wurde es bereits wieder geschlossen. Bild: Archiv Patrick Gutenberg

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Leer und verlassen steht das ehemalige Zolliker Asylheim da. Vor wenigen Tagen sind die letzten Bewohner aus dem Gebäude an der Seestrasse ausgezogen. Die Schliessung der Unterkunft für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge (Mineurs Non Accompagnés, MNA) sorgte im Juni in verschiedenen Kreisen für Unmut. Nicht zuletzt weil unklar war, wie die Zukunft der 70 Flüchtlinge und 60 Mitarbeiter aussehen sollte.

Auch die Zolliker Kantonsrätin Esther Meier (SP) äusserte Kritik am Vorgehen der Asylorganisation Zürich (AOZ). Diese hat das Heim im Auftrag des Kantons betrieben. Noch im Juni reichte Meier zusammen mit Isabel Bartal (SP, Zürich) und Tobias Mani (EVP, Wädenswil) beim Regierungsrat eine dringliche Anfrage zu den genauen Hintergründen der Schliessung ein. Nun liegt die Antwort vor.

Zwischennutzung unklar

Die Schliessung begründet die Regierung mit der stark gesunkenen Zahl der MNA. Waren 2015 noch sieben Prozent aller Asylsuchenden unbegleitete Minderjährige, belief sich ihr Anteil 2017 nur noch auf vier Prozent. «Die Schliessung wurde abgestimmt auf den Schuljahresbeginn», schreibt der Regierungsrat. Zudem habe die AOZ auf diesen Zeitpunkt hin eine MNA-Aussenstelle mit weniger Plätzen als in Zollikon in Betrieb nehmen können.

Für die Betroffenen kam der Entscheid überraschend. Das MNA-Zentrum war zwar von Anfang an als befristete Übergangslösung angedacht, der Mietvertrag mit dem Kanton läuft aber bis Ende Mai 2019. Inwieweit der Rückgang der Zahlen berechenbar war, ist strittig. Dass eine grosse Zahl der Jugendlichen die Volljährigkeit erreichen würde und somit das Zentrum verlassen müsse, sei vorhersehbar gewesen, schreiben die drei Kantonsräte in ihrer Anfrage.

Meier gibt sich mit der Erklärung der Regierung nicht zufrieden: «Der Regierungsrat liefert keine Antwort darauf, warum diese ganze Aktion so plötzlich durchgezogen werden musste.» Sie zeigt sich auch skeptisch, was die angestrebte Kostenoptimierung der AOZ angeht: «Ob und was für die öffentliche Hand gespart werden kann, ist völlig offen.»

Die Frage, wie die Liegenschaft in der Zwischenzeit genutzt werden soll und wie hoch die Mietkosten für die restliche Vertragszeit ausfallen, bleibt von Seiten der Regierung unbeantwortet. «Es ist im Interesse des Kantons, dass gemeinsam mit der Gemeinde Zollikon eine für alle Beteiligten gute Lösung gefunden werden kann», schreibt der Regierungsrat. Der Zolliker Gemeindepräsident Sascha Ullmann (GLP) bestätigt auf Anfrage, dass die Gemeinde derzeit Gespräche mit dem Kanton führt. Über den genauen Verhandlungsstand ist indessen noch nichts bekannt.

Umzug mit Bezugspersonen

Bereits im Juni wurde bekannt, dass die sieben Asylsuchenden, die im letzten Schuljahr die reguläre Oberstufe der gemeinsamen Sekundarschule Zumikon-Zollikon besuchten, weiterhin an der Schule bleiben können. Wie die Regierung nun mitteilt, können auch die Schüler, die bereits von der Tempus-Schule in Küsnacht aufgenommen wurden, wie geplant das 10. Schuljahr beginnen.

Wo die Jugendlichen untergebracht sind, geht aus der Antwort des Regierungsrates nicht hervor. «Was mich am meisten stört, ist dass keinerlei Einsicht vorhanden ist, was es für die einzelnen traumatisierten Jugendlichen bedeuten kann, aus einer Wohngemeinschaft herausgerissen zu werden», sagt Meier.

Auf Anfrage gibt die AOZ bekannt, dass 21 Jugendliche im MNA-Zentrum in Affoltern am Albis untergebracht sind und dort eine Aufnahmeklasse besuchen. Weitere Flüchtlinge, die bis vor Kurzem noch in Zollikon gewohnt haben, wurden in den MNA-Aussenstellen in Zürich-Schwamendingen und Zürich-Leimbach einquartiert. «Viele ehemalige Mitarbeiter des Zentrums Zollikon arbeiten unterdessen in Zürich-Schwamendingen», sagt AOZ-Mediensprecher Thomas Schmutz. «Ein Teil der Jugendlichen konnte also zusammen mit ihren Bezugspersonen umziehen.»

Die AOZ habe 40 der 62 entlassenen Mitarbeitern intern eine weitere Anstellung angeboten. Sieben fanden bisher ausserhalb der AOZ einen Job. 15 ehemalige Mitarbeiter sind noch auf Stellensuche. (zsz.ch)

Erstellt: 30.08.2018, 17:05 Uhr

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