Meilen

Gericht erklärt Kündigung der Kantorin für nichtig

Vor bald zwei Jahren kündigte die reformierte Kirchenpflege Meilen ihrer damaligen Kantorin. Diese legte dagegen Beschwerde ein. Nun liegt das zweitinstanzliche Urteil vor. Die Kirchenpflege kommt darin schlecht weg.

Die gekündigte Kantorin der reformierten Kirchgemeinde Meilen hat Recht bekommen: Das Verwaltungsgericht heisst ihre Beschwerde gut. Mit dem Entscheid ist  die Musikerin faktisch immer noch angestellt.

Die gekündigte Kantorin der reformierten Kirchgemeinde Meilen hat Recht bekommen: Das Verwaltungsgericht heisst ihre Beschwerde gut. Mit dem Entscheid ist die Musikerin faktisch immer noch angestellt. Bild: André Springer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Oktober 2016 sprach die reformierte Kirchenpflege Meilen eine folgenreiche Kündigung aus. Die Betroffene, die langjährige Kantorin Aurelia Weinmann-Pollak, akzeptierte diese nicht. Sie gelangte zuerst an die Bezirkskirchenpflege, dann an das Zürcher Verwaltungsgericht.

Das Gericht heisst nun in seinem Urteil vom 13. Juni die Beschwerde von Weinmann-Pollak gut. Es hebt den Beschluss der Vorinstanz auf und stuft die Kündigung als nichtig ein. Mit diesem Urteil ist Weinmann-Pollack faktisch immer noch angestellt. Meilen hat damit zwei Kantoren: Seit September letzten Jahres ist die Stelle mit Ernst Buscagne besetzt.

Seit zwei Jahren bekannt

Ganz am Anfang ging es um eine verübergehende Reduzierung des Pensums. Ende Oktober 2015 stellte die Kantorin, die ein 50-Prozent-Pensum innehatte, bei der reformierten Kirchenpflege ein Gesuch. Sie wollte aus familiären Gründen während zwei Jahren die Leitung des Gospelchors abgeben. Doch dazu kam es nie. Stattdessen verstrickten sich die Kirchenpflege und die Kantorin in einen Konflikt, bei dem es um den Grad und die Deklaration der Nebentätigkeiten Weinmann-Pollaks ging.

Öffentlich bekannt ist der Konflikt seit zwei Jahren, als er anlässlich einer Kirchgemeindeversammlung publik wurde. Über 80 Chormitglieder machten sich mit einer Petition stark für den Verbleib der beliebten Musikerin – ohne Erfolg. Als auch ein Vermittlungsversuch der Bezirkskirchenpflege scheiterte, kündigte die Kirchenpflege Weinmann-Pollak im Oktober 2016. Während mehr als dreizehn Jahren war sie Leiterin der Kantorei, der Chöre und des Musikkreises der Kirchgemeinde gewesen.

Harsche Kritik am Vorgehen

Die Kirchenpflege kommt im Urteil des Verwaltungsgerichts schlecht weg. Ihr Vorgehen erweise sich in «krasser Weise als missbräuchlich und widersprüchlich», heisst es dort. Es sei «schlicht willkürlich, der Beschwerdeführerin ein zerstörtes Vertrauensverhältnis vorzuhalten und ihr zugleich ein Angebot für eine Neuanstellung unter verschlechterten Anstellungsbedingungen zu unterbreiten».

Schon die Vorinstanz war zum Schluss gekommen, dass ein sachlicher Grund zur Kündigung gefehlt habe. Als missbräuchlich stufte sie die Bezirkskirchenpflege hingegen nicht ein. Sie sprach der Kantorin eine Entschädigung von 21 000 Franken zu. Dies ging Weinmann-Pollak zu wenig weit. Die Bezirkskirchenpflege habe zwar verschiedene gravierende Fehler im Zusammenhang mit dem Entscheid der Kirchenpflege beanstandet, habe aber nur teilweise die Konsequenzen daraus gezogen. Die Kantorin war der Ansicht, dass die Kündigung nichtig sei. Aus diesen Gründen zog sie die Beschwerde vor einem Jahr weiter.

Auch die reformierte Kirchenpflege hätte den erstinstanzlichen Entscheid anfechten können. Darauf verzichtete sie – nach eingehender Analyse, wie der damalige Kirchenpflegepräsident Ruedi Schwarzenbach im letzten September sagte.

Zehntausende von Franken

Die Kündigung der Kantorin hat für die reformierte Kirche hohe Kosten zur Folge. Im Juni vorigen Jahres wurden die Ausgaben für das Verfahren auf knapp 30 000 Franken beziffert. Die Anwaltskosten sind durch den Weiterzug weiter gestiegen. Angesichts der nichtigen Kündigung beläuft sich der ausstehende Lohn bis heute auf mehr als 90 000 Franken.

Das Verwaltungsgericht macht zu den finanziellen Folgen seines Urteils keine Angaben. Es sei Sache der Kirchenpflege, diese zu beurteilen. Das Gericht auferlegt der Behörde aber, der Kantorin für das Rekurs- und Beschwerdeverfahren eine Parteienentschädigung zu entrichten. Ausserdem verpflichtet es die Kirchenpflege die Gerichtskosten zu übernehmen – zusammen mit der Entschädigung sind dies gut 9000 Franken.

Der Ball liegt nun bei der Kirchenpflege. Sie muss entscheiden, ob sie das Urteil akzeptiert oder es an die nächste Instanz, an das Bundesgericht, weiterzieht. Seit dem 1. Juli heisst der Präsident der Reformierten Kirchenpflege Andrea Picenoni. Er will sich für den Entscheid Zeit lassen.

Erstellt: 18.07.2018, 18:24 Uhr

Artikel zum Thema

Nun entscheidet ein Gericht über die Kündigung der Meilemer Kantorin

Meilen Der Personalstreit zwischen der Reformierten Kirchenpflege Meilen und der gekündigten Leiterin der Kirchenchöre geht in die nächste Runde. Mehr...

Misstöne in der Kantorei sind nicht verklungen

Meilen Die reformierte Kirchenpflege hat der Kantorin Aurelia Weinmann-Pollak gekündigt. Ihr Abschiedskonzert findet am Sonntag statt. Die Dirigentin hat ihre Kündigung angefochten. Mehr...

Dirigentin der Meilemer Kirchenchöre droht Kündigung

Meilen In der Reformierten Kirchgemeinde Meilen schwelt ein Personalkonflikt. Über 80 Chormitglieder machen sich in einer Petition dafür stark, dass ihre Dirigentin im Amt verbleiben kann. Nun wird das Thema an der Kirchgemeindeversammlung publik. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles