Küsnacht/Erlenbach

Gemeinsam bekämpfen sie Aids in Tansania

Schon seit fast 20 Jahren besuchen und unterstützen Mitglieder der Katholischen Kirchgemeinde Küsnacht-Erlenbach ein Krankenhaus in Tansania. Nun weilen drei Ordensschwestern aus Uwemba am Zürichsee.

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«Es heisst, die Schweiz ist das Paradies Europas», sagt Schwester Ruth. Die Priorin ist eine von drei tansanischen Ordensschwestern, die am Montagmorgen in Zürich gelandet sind. Schwester Gloria, Schwester Agape und eben Schwester Ruth sind auf Einladung der Katholischen Kirchgemeinde St. Georg Küsnacht-Erlenbach und der Laiengemeinschaft Sant’Egidio in der Schweiz. Nun treffen sie die Journalistin zum Gespräch in der Pfarrei St. Georg: Im Hintergrund ist eine Ausstellung über das Zusammenwirken zwischen dem Zürichsee und Ostafrika aufgebaut.

Was die Benediktinerinnen in ihrer Heimat täglich erleben, ist von paradiesischen Zuständen weit entfernt. Schwester Gloria leitet das Programm Dream in Uwemba. Das Gesundheitsprojekt richtet sich an Menschen, die HIV-positiv sind oder bei denen Aids schon ausgebrochen ist. Sieben Ärzte und Ärztinnen, von denen zwei zu den sechs Ordensschwestern gehören, die ebenfalls für Dream arbeiten, sind für das Programm tätig. Es ist Teil eines grösseren Ambulatoriums mit etwa 60 Angestellten.

Der Kontakt zwischen dem Krankenhaus und der katholischen Kirchengemeinde in der Schweiz entstand mit der Unterstützung für Waisenkinder durch die Strickgruppe. Seit 2000 besuchen Gemeindemitglieder aus Küsnacht und Erlenbach das Projekt vor Ort, und seit zwei Jahren wird Dream finanziell unterstützt.

Fokus auf Müttern

Die Region im Westen Tansanias weist die höchste HIV-Rate des Landes auf. Über 20 Prozent der Menschen sind mit dem Virus infiziert. Die Gegend sei ein Gebiet, in dem Tee angebaut werde. Menschen aus ganz Tansania kämen deswegen in die Region um Uwemba, erklärt Schwester Gloria einen Grund für die hohe Infektionsrate. Die Vergewaltigungsrate ist hoch. Aber auch althergebrachte Traditionen, etwa dass wegen Aids verwitwete Frauen ihren Schwager heiraten, fördern die Ausbreitung der Krankheit. Laut Claudia Antonini von der Laiengemeinschaft Sant’Egidio, dem Träger und Begründer von Dream, ist die Gefährdung der Frauen besonders fatal. «Bei Frauen ist wegen der Anatomie das Ansteckungsrisiko höher», erklärt sie.

Ein Fokus von Dream liegt denn auch darauf, zu verhindern, dass das Virus während der Schwangerschaft von HIV-positiven Müttern auf ihre Kinder übertragen wird. «Wenn sie zu uns kommen, können wir eine Übertragung eigentlich immer verhindern», erklärt Schwester Gloria, die als Ärztin für Dream arbeitet. Aber auch die medizinische Behandlung Jugendlicher ist essenziell. Mit dem Verabreichen von Medikamenten kann die Viruslast im Blut von HIV-Positiven stark gesenkt werden. «Heute können unsere Patienten so einen Universitätsabschluss machen, heiraten und eine Familie gründen», sagt Schwester Gloria.

Wandel in der Gesellschaft

Aber nicht nur die medizinische Behandlung ist wichtig, auch der gesellschaftliche Kontext spielt eine bedeutsame Rolle. So gibt es in Uwemba eine Gruppe infizierter Jugendlicher und Kinder zwischen fünf und 17 Jahren, die sich wöchentlich zum gegenseitigen Austausch treffen. Die meisten von ihnen wurden noch im Mutterleib angesteckt. «Wir stärken ihr Bewusstsein für die Krankheit», erzählt Gloria. «Es ist hart für sie, wenn sie realisieren, dass sie ein Leben lang Medikamente nehmen müssen.»

Die Angestellten von Dream nehmen ebenfalls die Aufklärung breiterer Bevölkerungsschichten über HIV/Aids wahr. Dass gerade Ordensschwestern dabei auch über Safer Sex sprechen, sorgt manchmal für kuriose Szenen. «Jemand sagte mir, dass es ihm peinlich sei, mit mir über das Biologische zu reden», erinnert sich Priorin Ruth schmunzelnd an Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern. Sie beobachtet indes einen Wandel in Uwemba im Umgang mit Aids. Die Menschen seien offener geworden und liessen sich öfter auf das Virus testen.

Doch wie lässt sich beispielsweise der Rat, Kondome zu verwenden, mit der Zugehörigkeit der Benediktinerinnen zur katholischen Kirche verbinden? «Hier geht es um einen ganzheitlichen Ansatz, darum, das vorhandene Leben zu schützen», sagt Karl Wolf, Pfarrer der Katholischen Kirchgemeinde Küsnacht-Erlenbach. Das Leben sei auch in der katholischen Kirche der höchste Wert. «Manchmal sagen Leute, man kann nicht helfen», fügt er an. Doch genau bei diesem Projekt könne man eben etwas bewegen.

Wolf muss es wissen, er war selbst kürzlich in Uwemba. Und er ist nicht der Einzige: Zwei- bis dreimal jährlich fahren hiesige Gemeindemitglieder nach Tansania. Die Ordensschwestern wiederum werden nicht nur die «paradiesische» Schweiz anschauen, sondern am Mittwochabend in Küsnacht auch von ihrer Arbeit in Tansania erzählen.

«Gemeinsam gegen die Angst»: ein Anlass mit den drei Ordensschwestern, Andreas Lehner, dem Direktor der Schweizer Aids-Hilfe,und der Küsnachter Gynäkologin Elisabeth Lebeda am Mittwoch, 26. Juni, um 18 Uhr in der Pfarrei St. Georg, Heinrich-Wettstein-Strasse 14, Küsnacht. Anschliessend Apéro und Imbiss.

Erstellt: 26.06.2019, 07:25 Uhr

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