Stäfa

Gemeindewerke legen Waschmaschinen lahm

Die Elektroinstallateure in Stäfa stehen seit Montag im Dauereinsatz. Grund: Die Gemeindewerke haben einen Steuerbefehl für den Stromverbrauch von Haushaltsgeräten geändert.

Horrorszenario: Die Maschine bleibt mitten im Waschvorgang stehen, und nichts geht mehr.

Horrorszenario: Die Maschine bleibt mitten im Waschvorgang stehen, und nichts geht mehr. Bild: Keystone

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Montag ist Waschtag – zumindest für das Üriker Ehepaar Frei. Diese Woche wurde die wöchentliche Routine jedoch jäh gestört. Mitten im Waschprozess, erzählt Peter Frei konsterniert, sei plötzlich der Strom weg gewesen. Die Folge: Die Waschmaschine konnte weder gestartet noch geöffnet werden. Erst der notfallmässig aufgebotene Elektroinstallateur konnte das Problem beheben.

Beim Ehepaar Frei handelt es sich um keinen Einzelfall: In Hunderten Stäfner Liegenschaften blieben am Montagvormittag Waschmaschine, Tumbler oder Geschirrspüler unvermittelt stehen. Der Grund ist bei den Gemeindewerken (GWS) zu finden: Diese stellten am Montag den sogenannten Rundsteuerbefehl für grössere Haushaltsgeräte ein. Dabei handelt es sich um eine Fernsteuerung des Stromversorgungsnetzes.

Sperrschütze deaktivieren

Bis vor zehn Jahren wurden Waschmaschinen, Tumbler, Geschirrspüler und andere Stromfresser montags von 10 bis 12 Uhr gesperrt. «Dies war damals erforderlich, um einerseits den Spitzenverbrauch über den Mittag zu reduzieren und anderseits die Stromkosten tiefer zu halten», erklärt René Holzer, Betriebsleiter der Gemeindewerke Stäfa. Hierfür wurden in den Liegenschaften sogenannte Sperrschütze eingebaut. Diese elektrisch betätigten Schalter, ähnlich einem Relais, verhinderten den Gebrauch der Haushaltsgeräte zu den Sperrzeiten.

In den letzten Jahren sei die Netzbelastung am Mittag jedoch nicht mehr so gross gewesen. Aus der Mittagsspitze sei eine Vorabendspitze geworden, sagt Holzer. Deshalb habe man vor zehn Jahren beschlossen, die Sperrzeiten am Mittag aufzuheben. Fortan stand es den Liegenschaftsbesitzern frei, die Sperrschütze auf eigene Kosten durch einen Fachmann demontieren zu lassen. Gleichzeitig erhielten die GWS auf dem Stromversorgungsnetz ein Steuerungskommando aufrecht, welches die noch vorhandenen Sperrschütze in den Haushalten deaktivierte.

150 Anrufe seit Montag

Weshalb stellen die Gemeindewerke den Steuerungsbefehl gerade jetzt ein? «Im Hinblick auf die Energiestrategie 2050 benötigen wir das Kommando für einen anderen Zweck», sagt René Holzer. Die heutigen Haushaltsgeräte seien nicht mehr so netzrelevant wie noch vor zwanzig Jahren. «Heute sind Fotovoltaikanlagen, Wärmepumpen und Elektroladestationen die relevanten Anlagen für die Netzstabilität.» Für sie wollen die Gemeindewerke den frei gewordenen Rundsteuerbefehl künftig nutzen. «Vorgesehen ist, künftig den Stromverbrauch nachts zum Beispiel für Elektroladestationen einzuschränken.»

Zwar haben die Gemeindewerke bereits vor einem Jahr und seither mehrmals über die geplante Umstellung informiert, dennoch wussten viele Stäfnerinnen und Stäfner scheinbar nicht, wie ihnen geschieht, wie eine Nachfrage bei den lokalen Elektrofirmen offenbart. «Unser Telefon steht kaum noch still», erzählt Sandra Peer von der Firma Peer Elektro-Service GmbH. 150 Anrufe von betroffenen Haushalten hätten sie seit Montagmorgen erreicht. «Wir kommen mit den Aufträgen gar nicht mehr nach. Mittlerweile müssen unsere Kunden mit einer Wartezeit von bis zu einer Woche rechnen.» Von anderen Betrieben in der Umgebung höre sie die gleiche Nachricht. «Offenbar wurden sehr viele von der Umstellung kalt erwischt.»

Kritik ernst genommen

Auch Peter Frei will nichts von der Umnutzung gewusst haben. «Mir wurde gesagt, dass mit der letzten Rechnung über den genauen Termin der Abschaltung informiert wurde, aber wenn Hunderte Haushalte davon nichts wussten, dann ist das schlicht ungenügend.»

René Holzer kann den Unmut der Betroffenen verstehen, hält aber fest: «Wir haben mittels Faltblättern und einem Artikel in unserem Informationsmagazin genügend früh über die Umstellung informiert.» Natürlich könne man immer mehr machen. «Wir wussten aber schlicht nicht, wie viele Haushalte überhaupt noch vom Wechsel betroffen sein würden.» Denn für zeitgemässe Elektroinstallationen seien die Hauseigentümer nun mal selber verantwortlich, sagt Holzer. «Ich kann nicht alle unsere Mitarbeiter in jeden Haushalt der Gemeinde schicken, um dies zu überprüfen.»

Dennoch nimmt man die Kritik ei den Gemeindewerken ernst: So hätten sich viele darüber beschwert, dass die Umstellung ausgerechnet auf den ersten Tag nach den Sommerferien gefallen sei, erzählt Holzer. «Es hätte wohl tatsächlich nichts dagegen gesprochen, die Umstellung zwei Wochen später zu vollziehen. Doch wann wäre schon ein guter Tag für so was?»

Erstellt: 21.08.2019, 17:50 Uhr

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