Erlenbach

Gemeinderat will Erlibacherhof noch einmal sanieren

Soll der Erlibacherhof ein weiteres Mal saniert oder abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt werden? Der Gemeinderat bevorzugt eine Sanierung, weil sonst für längere Zeit kein Dorfsaal zur Verfügung stehen würde.

Der Restaurantbetrieb im Erlibacherhof wird ab nächstem Monat eingestellt und das Hotel geschlossen. Den Saal betreibt die Gemeinde in Eigenregie weiter.

Der Restaurantbetrieb im Erlibacherhof wird ab nächstem Monat eingestellt und das Hotel geschlossen. Den Saal betreibt die Gemeinde in Eigenregie weiter. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie es mit dem Erlibacherhof weitergehen soll, beschäftigt die Behörden schon länger. So bezeichnete der Gemeinderat die 1959 gebaute Liegenschaft mit Restaurant, Hotel und Saal bereits im Juni 2017 als «dringend sanierungsbedürftig».

Das ist nach wie vor der Fall, wie der Gemeinderat in einer Mitteilung bekräftigt. Das Gebäude befinde sich in einem derart schlechten baulichen Zustand, dass er für allfällige Investoren nur ein Abbruchobjekt wäre, hält er fest. Neue Abklärungen hätte ergeben, dass alles sogar schlimmer sei als befürchtet. «Die Bausubstanz ist praktisch am Ende ihrer Lebensdauer», sagt Liegenschaftenvorstand und Gemeinderat Peter Keller (CVP). Grund sei auch der Fakt, dass sich die Gemeinde bei den Unterhaltsarbeiten aus Kostengründen aufs Allernötigste beschränkt habe.

Suche nach Pächter erfolglos

Seit dem Frühling ist auch klar, dass das bisherige Pächterpaar Suzan und Slavi Tomic den Erlibacherhof per Ende September abgibt und sich auf die Führung des Rössli in der Vogtei Herrliberg konzentriert. Die Gemeinde hat sich jedoch bis jetzt vergeblich um eine Nachfolgelösung bemüht. «Das Objekt wurde ausgeschrieben, trotz des Beizugs eines Gastroberaters und grossen Anstrengungen jedoch ohne Erfolg», erklärt Keller.

Der Gemeinderat hat aufgrund dieser Ausgangslage nun folgende Beschlüsse gefällt: Das Restaurant bleibt ab Oktober bis auf weiteres geschlossen, der Wirtebetrieb endet bereits ab 24. September. Bis wann das Restaurant geschlossen bleibt, ist offen.

Sicher ist: Der Hotelbetrieb wird endgültig eingestellt. Angesichts des baulichen Zustands sind die Voraussetzungen für ein rentables Hotel laut Gemeinderat nicht mehr gegeben. Auch eine Zwischennutzung sei keine Option, bestätigt Keller. Die Hälfte der Zimmer verfüge weder über eine eigene Dusche noch eine Toilette, und Investitionen seien hier kein Thema.

Anders sieht es mit Blick auf den Saal im Erlibacherhof aus, der für das Dorfleben eine grosse Bedeutung hat. So haben alle Vereine sowie die Ortsparteien derzeit das Recht, jährlich eine unentgeltliche Veranstaltung durchzuführen. Regelmässig gebucht wird der Saal im gemeindeeigenen Gebäude zudem vom Theaterverein, Behörden und auch Privaten.

Nutzung des Saals sichern

Damit der Saal weiterhin genutzt werden kann, hat der Gemeinderat beschlossen, diesen in Eigenregie zu betreiben. Für Reservationen, für die bisher der Pächter zuständig war, ist laut Keller neu das Liegenschaftensekretariat zuständig. Wer eine Bewirtung wünsche, könne auf Catering-Anbieter zurückgreifen. Diese Regelung gelte so lange, bis ein endgültiger Entscheid zur Zukunft der Liegenschaft gefallen sei. Die laufenden Kosten für die Gemeinde seien im übrigen «überschaubar» und beliefen sich künftig auf rund 200'000 Franken pro Jahr.

Ausstehend ist der Entscheid, ob der bereits in den Jahren 2006 und 2008 instandgestellte Erlibacherhof nochmals saniert oder so rasch wie möglich abgebrochen werden soll. Der Gemeinderat bezeichnet beide Möglichkeiten als vernünftige Varianten, bevorzugt selber aber eine neuerliche Sanierung, wie er in seiner Mitteilung betont. Konkret will er das Gebäude so instandsetzen, dass Saal und Restaurant nochmals mindestens zehn Jahre lang genutzt werden können.

Die Kosten beziffert er auf zwei bis drei Millionen Franken. Die radikalere Lösung wäre der baldige Abbruch, mit der Möglichkeit, einen Neubau zu erstellen. Eine konkrete Vorlage zu diesen Varianten will der Gemeinderat noch dieses Jahr, also 26. November der Gemeindeversammlung vorlegen.

Der Hauptgrund, weshalb der Gemeinderat eine nochmalige Sanierung bevorzugt, ist der Saal. Denn bei einem Abbruch würde für längere Zeit kein solcher Versammlungs- und Tagungsort mehr zur Verfügung stehen ­– mit negativen Konsequenzen für «ein lebendiges Dorf und das Vereinsleben», wie der Gemeinderat schreibt. Entscheide man sich aber für die Sanierung, werde der Saal nur für ein halbes Jahr nicht zur Verfügung stehen.

Neubau in weiter Ferne

Ein weiterer Grund, weshalb der Gemeinderat eine Instandsetzung für mindestens zehn Jahre für sinnvoll hält, ist der aktuelle Stand bei der mittelfristigen Planung. Konkret geht es hier um die bauliche Entwicklung des ganzen Areals zwischen Seestrasse und Schulhausstrasse, zu dem neben dem Erlibacherhof noch vier weitere Liegenschaften der Gemeinde, darunter das Erlengut und das Ankerhaus, sowie zwei Gebäude der Kirchgemeinden gehören.

Der Gemeinderat hat dazu bereits im Juni 2017, also vor mehr als einem Jahr, die Ausarbeitung eines Gestaltungsplans angekündigt. Er basiert auf Vorschlägen eines Architekturbüros für eine umfassende Umgestaltung des Areals «Erlenbach Süd» mit mehreren Neubauten. Dieser Planungsprozess wird laut Keller noch «bis weit ins kommende Jahr» andauern, womit der Start für konkrete Bauprojekte noch in weiter Ferne ist.

Das bedeutet auch, dass es noch länger dauern wird, bis anstelle des Erlibacherhofs ein Neubau mit einem neuen Gemeindesaal entstehen kann. Ein solcher Neubau sei ein «integraler Bestandteil» des künftigen Gestaltungsplans, wie Keller bestätigt.

Stellt sich noch die Frage, warum sich der ganze Planungsprozess aus der Sicht des Beobachters doch ziemlich lange hinzieht. Dazu teilt Keller mit: «Ein solcher Prozess braucht Zeit und kann nicht übers Knie gebrochen werden, es bestehen hier auch Abhängigkeiten, zum Beispiel mit den Kirchgemeinden.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 12.09.2018, 15:24 Uhr

Artikel zum Thema

Erlenbacher Wirtepaar mit irischem Flair verabschiedet

Erlenbach Ehre, wem Ehre gebührt. Fast ganz Erlenbach war auf den Beinen, um sich bei Suzan und Slavi Tomic, den scheidenden Pächtern des Restaurants und Hotels Erlibacherhof, für deren Gastfreundschaft zu bedanken. Mehr...

Gemeinde stellt Pläne für neue Bauten beim Erlibacherhof vor

Erlenbach Der gemeindeeigene Erlibacherhof ist dringend sanierungsbedürftig. Weil der Gemeinderat dessen Neubau nicht losgelöst von der Umgebung realisieren möchte, hat er eine Testplanung in Auftrag gegeben. Nun liegen erste Erkenntnisse vor, wie sich das Gebiet weiterentwickeln könnte. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben