Herrliberg

Gemeinderat schlägt wegen «Enteignung» Skepsis entgegen

An der Gemeindeversammlung zeigte sich heftige Opposition gegen die Revision der Ortsplanung. Angenommen wurde die Vorlage dennoch.

Die Fläche auf der linken Strassenseite wäre neu der Zentrumszone zugeordnet. Rechts von der Forchstrasse schliesst die Kernzone Dorf an.

Die Fläche auf der linken Strassenseite wäre neu der Zentrumszone zugeordnet. Rechts von der Forchstrasse schliesst die Kernzone Dorf an. Bild: Archiv Manuela Matt

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Enteignung, dieses Wort fiel am Mittwochabend oft. Auf der Traktandenliste der Gemeindeversammlung stand die Nutzungsplanung. Insbesondere bei der Diskussion um die Kernzonen sorgte die Frage nach den Eigentumsrechten für Stirnrunzeln.

«Eine Kernzone ist ein bestimmter Perimeter im Siedlungsgebiet, der schützenswerte Ortsbilder oder Bauten enthält», führte Hansjürg Zollinger (Gemeindeverein) aus. Später fügte er an, dass der Gemeinderat die traditionellen Elemente in der Umgebung übernehmen und prägende Freiräume im Ortsbild erhalten wolle. Neben den fünf Kernzonen Dorf ging es auch um verschiedene Weilerkernzonen. Doch diese Weiler blieben bei der Versammlung aussen vor, denn hier gibt es rigide Vorgaben des Bundes.

Besonders gutes Projekt nötig

Umso heftiger entbrannte die Diskussion um die Kernzone Dorf: Fünf solche Areale sind in der teilrevidierten Bau- und Zonenordnung vorgesehen. Hier sorgten die sogenannten Freiräume für Kritik, insbesondere diejenigen bei der Scheuer Haab im Oberdorf und im Unterdorf an der Alten Dorfstrasse. «Grosse Flächen auf unseren Grundstücken würden de facto enteignet werden», zeigte sich ein Anwohner skeptisch. «Dass würde zu deutlichen Werteinbussen führen.» Er blieb nicht allein mit seiner Kritik. «Ihr legt ein De-facto-Bauverbot fest», doppelte eine weiterer Bürger nach. Die Ideen seien nicht durchdacht.

Änderungsanträge angenommen

Ausdrücke wie Bauverbot und Enteignung wollten Gemeindepräsident Gaudenz Schwitter (FDP) und Ortsplaner Michael Camenzind von der Suter von Känel Wild AG nicht auf sich sitzen lassen. Diese Grünräume sollten aus Respekt zu Schutzobjekten nicht überbaut werden, führte Camenzind aus. «Man darf auch auf Grünflächen bauen: Entscheidend ist, dass es gestalterisch ein sehr gutes Projekt ist, das denkmalschützerisch begleitet wird», sagte Schwitter. Diese Argumente verfingen bei den 136 Stimmberechtigten nicht.

Drei Anträge dazu wurden angenommen. So stimmten 67 Stimmberechtigte der generellen Streichung dieser Freiräume zu, während 58 dagegen stimmten. Eine Stimmberechtigte versuchte die Freiräume in den Kernzonen durch eine Überweisung des Geschäfts an die Urne zu retten. Doch als sie erfuhr, dass der Souverän dann über die ganze Teilrevision der Nutzungsplanung und nicht nur über die Freiräume abstimmen würde, verzichtete sie auf den Weiterzug.

Kritik an Eingangsregelung

Der nächste Punkt war die neue Zentrumszone entlang der Forchstrasse und des Rennwegs. Als wichtige Punkte nannte Zollinger das Schaffen eines Begegnungsraums, das Erleichtern von Gewerbe, aber auch das Vermeiden von Häuserschluchten. Auf Ungnade stiess ein Passus, welcher die Ausrichtung der Haupteingänge zur Forchstrasse vorsah. Dies solle dafür sorgen, dass die Forschtrasse offener werde und die beiden Ortsteile näher zusammenwachsen könnten, sagte Zollinger. Es brauche viel Fantasie, sich die Forchstrasse als Flaniermeile und Begegnungszone vorzustellen, konterte ein Bürger. Sein Antrag, die Orientierung der Haupteingänge zur Forchstrasse sowie einen weiteren Passus zur Koordination von privatem und öffentlichem Raum zu streichen, kam durch.

Trotz der heftigen Kritik fand die Teilrevision der Nutzungsplanung bei der Schlussabstimmung eine Mehrheit. Freilich in einer angepassten Version. Eine weitere Berichterstattung folgt.

Erstellt: 23.01.2020, 00:58 Uhr

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