Steuern

Gemeinden machen Bogen um Bitcoin

Vermögen in Kryptowährungen sind steuerpflichtig. Doch die Gemeinden machen lieber noch einen Bogen um Bitcoin und virtuelle Währungen, wenn diese in Steuererklärungen aufscheinen.

Kryptowährungen wie Bitcoin sind zwar nur virtuelle Werte, müssen aber als reales Vermögen in der Steuererklärung deklariert sein.

Kryptowährungen wie Bitcoin sind zwar nur virtuelle Werte, müssen aber als reales Vermögen in der Steuererklärung deklariert sein. Bild: Keystone

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Spätestens seit dem Hype um Bitcoins, die gegen Jahresende das Zwangzigfache ihres Ausgangswerts erreicht hatten, sind digitale Währungen Teil des Finanzalltags. Also gehören diese auch in Steuererklärungen deklariert. Denn die Kantone schreiben vor, dass Guthaben in Kryptowährungen der Vermögenssteuer unterliegen und im Wertschrifte- und Guthabenverzeichnis zu deklarieren sind.

So einfach ist die Behandlung solcher Steuererklärungen aber nicht, wie eine Umfrage an einige Gemeinden zeigt. Die meisten verweisen die Redaktion an die kantonalen Steuerämter. Auch machen die kommunalen Steuerverwaltungen lieber noch einen Bogen um Steuererklärungen, in denen Bitcoins, Ethereum, Dash & Co. angegeben sind.

Uznach bisher ohne Bitcoins

So bittet der Stadtschreiber von Rapperswil-Jona, Hansjörg Goldener, «direkt mit dem kantonalen Steueramt Kontakt aufzunehmen». Der Schmerkner Gemeindeschreiber Claudio De Cambio hat die Fragen der Redaktion gleich ans kantonale Steueramt weitergeleitet.

In Uznach sind letztes Jahr noch keine Kryptowährungen veranlagt. Darum vermutet Gemeindeschreiber Mario Fedi für dieses Jahr: «Wenn Kryptowährugen angemeldet werden, dann nur vereinzelte». Für die übrigen Fragen bittet er, sich an das St. Galler Steueramt zu wenden.

Ähnlich sieht es laut Gemeindeschreiberin Priska Altherr in Oberrieden aus. «Mit dieser sind wir bis jetzt noch nicht konfrontiert worden.» Falls doch, «würden wir Steuererklärungen in denen solche Währungen deklariert wären, zur Veranlagung an das Kantonale Steueramt weiterleiten», sagt sie.

Küsnacht schon erfahren

Der Meilemer Gemeindeschreiber Didier Mayenzet erklärt, weshalb die Steuerverwaltungen bei Kryptowährungen noch zurückhaltend sind. «Für die Gemeindesteuerämter im Kanton Zürich gilt die Regel, dass jedes Wertschriftenverzeichnis, das das Gemeindesteueramt nicht abschliessend prüfen kann, zusammen mit der Steuererklärung an das kantonale Steueramt in Zürich zur Einschätzung weitergeleitet werden muss.»

Was sind Bitcoin? Das Video zeigts. Quelle: Youtube

Küsnacht hat bereits Erfahrungen gemacht mit Kryptowährungen, wie der stellvertretende Gemeindeschreiber Daniel Wipf mitteilt. Zusätzlichen Aufwand bereiteten Steuererklärungen mit Bitcoins & Co. kaum. «Nicht anders als bei konventionellen Vermögenswerten – Überprüfung der Vermögensabnahme, der Vermögenszunahme beziehungsweise der Lebenshaltungskosten», sagt Wipf.

Rüschlikon ist informiert

Rüschlikon erwartet in diesem Jahr Steuererklärungen mit Kryptowährungen, wie Gemeindeschreiber Benno Albisser antwortet. Sein Personal sei vorbereitet: «Alle Mitarbeiter der Steuerabteilung sind informiert und können Auskünfte erteilen.» Einen allfälligen Mehraufwand für die Steuerabteilung kann Albisser nicht abschätzen: «Es liegen zurzeit keine Erfahrungswerte vor.» Felix Bührer, stellvetretender Kommunikationsbeauftragter der Zürcher Finanzdirektion, geht davon aus, dass die Anzahl der Deklarationen von Kryptowährugen zunehmen wird. Er hält das Prüfverfahren für unkompliziert. «Indem die eidgenössische Steuerverwaltung in ihrer Kursliste die Steuerwerte für die gängigsten Kryptowährungen publiziert, stellen diese Vermögenswerte keine besonderen Anforderungen an deren steuerliche Überprüfung.»

«Erhöhter Abklärungsbedarf»

Die Einschätzung von Steuererklärungen natürlicher Personen durch die Gemeindesteuerämter richte sich nach der Weisung der Finanzdirektion. «Gestützt darauf ist es auch möglich, dass die Gemeindesteuerämter Steuererklärungen bearbeiten können, in denen Kryptowährungen gemäss Kursliste deklariert werden.» Ausnahme stellen unbekannte Kryptowährungen dar. «Dann zieht dies mit Sicherheit einen erhöhten Abklärungsbedarf nach sich», sagt Bührer.

Felix Sager, Amtsleiter im kantonalen Steueramt St. Gallen sieht hingegen einen Mehraufwand bei der Prüfung von Steuererklärungen mit Kryptowährungen. Dies vor allem, weil die Steuerpflichtigen noch zu wenig informiert seien. «Oftmals sind Rückfragen aufgrund fehlender Unterlagen notwendig», sagt er. Ob virtuelle Werte eher verschwiegen würden als reale Vermögen, kann Daniel Wipf nicht abschliessend beurteilen. Der Küsnachter vermutet aber: «Es ist davon auszugehen, dass die Versuchung, Guthaben an Kryptowährungen nicht zu deklarieren, grösser ist als bei konventionellen Vermögenswerten.»

Busse in Bitcoins zahlen?

Felix Bührer vom Zürcher Steueramt ist optimistischer: «Es ist nicht zu erwarten, dass Kryptowährungen in einem wesentlich höheren Masse verheimlicht werden als andere Vermögenswerte.» Denn auch virtuelle Vermögenswerte würden «meist wieder in sichtbare Vermögenswerte umgewandelt».

Felix Sager vom St. Galler Steueramt beruft sich auf das Gesetz: «Die steuerpflichtige Person trägt die Verantwortung für die Vollständigkeit und Richtigkeit der Steuererklärung.» Das Nichtdeklarieren von Einkommen und Vermögen erfülle regelmässig den Tatbestand der Steuerhinterziehung. «Das hat bei Entdeckung zur Folge, dass nicht nur die geschuldeten Steuern nachzuzahlen sind, sondern auch noch eine Busse zu begleichen ist». erklärt Sager.

Ob diese Busse in Bitcoins oder anderen Kryptowährungen bezahlt werden dürfte, bleibt offen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.03.2018, 15:46 Uhr

Steuerliche Behandlung von Kryptowährungen

Kryptowährungen sind gemäss Merkblatt des Zürcher Steueramts digitale Rechnungseinheiten, die als Zahlungsmittel und Kapitalanlage dienen können. Einheiten in Kryptowährungen (Coins) sind keine Wertpapiere, sondern von einem Protokoll und der dahinterliegenden Technologie abhängige digitale Zahlungsmittel. Der Besitz von Einheiten in Kryptowährungen wie Bitcoin ist wirtschaftlich vergleichbar mit dem Besitz von Bargeld oder Edelmetallen.

Guthaben in Kryptowährungen unterliegen der Vermögenssteuer. Aus Gründen der Einfachheit sind diese im Wertschriften- und Guthabenverzeichnis als «übrige Guthaben», mit Angabe der Bezeichnung der Kryptowährung zu deklarieren. Der Nachweis hat mittels eines Ausdrucks der digitalen Brieftasche (Wallet), Stand per Ende der Steuerperiode, zu erfolgen.

Für Bitcoin publiziert die Eidg. Steuerverwaltung einen Jahresendsteuerkurs. Andere Kryptowährungen sind zum Jahresschlusskurs der für diese Währung gängigsten Börsenplattform zu deklarieren.

Gehören Kryptowährungen zum Geschäftsvermögen gelten die steuerrechtlichen Bestimmungen über die selbständige Erwerbstätigkeit. Dies gilt insbesondere für den gewerbsmässigen Handel mit Kryptowährungen. (red)

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