Meilen

Gemeindemitglieder zeigen Unterstützung für Dirigentin

Die Gemeindeversammlung der reformierten Kirche Meilen war am Mittwoch ungewöhnlich gut besucht. Grund war die angekündigte Anfrage zum Entlassungsstreit der langjährigen Kantorin.

Die reformierte Kirche in Meilen war am Mittwoch gut besucht – Grund war ein Streit um eine Entlassung.

Die reformierte Kirche in Meilen war am Mittwoch gut besucht – Grund war ein Streit um eine Entlassung. Bild: Archiv ZSZ / André Springer

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Die drohende Entlassung der Kantorin Aurelia Weinmann-Pollak bewegt die Meilemer Kirchenmitglieder. 105 Personen besuchten am Mittwochabend die Jahresrechnungsversammlung der Reformierten Kirchgemeinde. Üblich sind 50 bis 80, je nach Geschäft. Besonders gut vertreten waren die Mitglieder der drei Chöre, denen die Kantorin vorsteht. Offiziell hat Kirchenpflegepräsident Ruedi Schwarzenbach die Absicht einer Trennung von Weinmann-Pollak bislang nicht bestätigt. Wegen der Schweigepflicht dürfe er zum laufenden personalrechtlichen Verfahren nichts sagen, liess er am Dienstag in der ZSZ verlauten.

«Es läuft gar nicht gut»

Vier Punkte umfasste die Anfrage, die Gemeindemitglied Martin Jost eingereicht hatte. Darunter die Frage, ob es zutreffe, dass die Kirchenpflege das Anstellungsverhältnis mit Weinmann-Pollak auflösen wolle. Ausserdem: Welche Absichten die Kirchenpflege mit einer Entlassung der Kantorin verfolge.

Schwarzenbach verlas die Anfrage am Schluss der Versammlung und verwies bei der Antwort erneut auf die Schweigepflicht und den laufenden Vermittlungsprozess. «Es besteht auch keine Gelegenheit zu Wortmeldungen in dieser Sache», sagte er. Allerdings erhielt Jost – so wie es das Gemeindegesetz vorsieht – das Wort. Er nutzte es zu einer längeren Rede. Dabei erwähnte er als Tatsache den «hervorragenden Chorbetrieb» und einen «Fehler in einem Randgebiet». Über das Was gebe es nicht viel zu sagen, über das Wie hingegen schon. «Es läuft gar nicht gut.» Jost sprach von Mobbing, das schlecht in eine Kirchgemeinde passe. Die Kirchenpflege kritisierte er als Blackbox. Sie hätte in dieser Sache den Puls der Menschen besser spüren müssen. «Dann merkt man auch, wie es dem Herzen geht.» Sein Votum schloss er mit der Aufforderung, in der Angelegenheit ein gutes Ende zu finden. Dass der Redner selber den Puls der Anwesenden erfasst hatte, zeigte sich an den Reaktionen: Die Menge klatschte laut und lange, von Bravorufen begleitet.

Über Schweigen befremdet

Weinmann-Pollak verliess die Kirche nach Versammlungsende und war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Enttäuscht sei sie, sagte eine Frau, die in einem der Chöre singt. «Wir wissen nichts. Ich hatte gehofft, heute Abend etwas zu erfahren.» Auch Reto Lyk, bis 2006 Meilemer Kirchenpflegepräsident, äusserte sein Befremden. «Es ist verständlich, dass die Kirchenpflege aus personalrechtlichen Gründen nicht über alles sprechen kann. Aber es hätte Möglichkeiten zu mehr Informationen gegeben.» Und er fügte, auf die Bundesverfassung Bezug nehmend, hinzu, staatliches Handeln müsse im öffentlichen Interesse liegen und verhältnismässig sein. «Das gilt auch für eine Kirchenpflege.»

Auf Initiative der Kantorei hin ist ein Vermittlungsprozess zwischen den Konfliktparteien eingeleitet worden. «Wir teilen unsere Verhandlungsposition noch diese Woche der Bezirkskirchenpflege mit», sagte Ruedi Schwarzenbach gestern zum weiteren Vorgehen der Kirchenpflege und bekräftigte, um eine rasche Lösung bemüht zu sein. Zur Versammlung vom Vortag sagte er: «Ich würde mich wieder an die gesetzlichen Bestimmungen für die Schweigepflicht und für die Verhandlungsleitung halten.»

Über den Konflikt mit der Anstellung von Weinmann-Pollak ist wenig bekannt. Bei den ihr vorgeworfenen Versäumnissen soll es sich um Fehler bei der ­Deklaration weiterer Tätigkeiten handeln. Die Musikerin und Dirigentin leitet seit 2003 in einem 50-Prozent-Pensum den Motettenchor, den Gospelchor und den Musikkreis Meilen. Alle drei Chöre gehören zur Kantorei Meilen. Diese macht in der Anstellung der Kantorin ihr Mitspracherecht geltend. Die Kantorei selber ist mit dem Wirken der Dirigentin «sehr zufrieden». Über 80 Chormitglieder machten sich in einer Petition stark für ihren Verbleib im Amt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.06.2016, 17:37 Uhr

Meilen

Jahresrechnung 2015

Mit der Jahresrechnung 2015 lag lediglich ein Geschäft an der Meilemer Kirchgemeindeversammlung zur Genehmigung vor. Die Rechnung schliesst mit einem Aufwand von 3,25 und einem Ertrag von 3,35 Millionen Franken. Daraus resultiert ein Plus von 99?960 Franken. Budgetiert war ein Plus von 25?200 Franken. Zum guten Resultat kam es unter anderem wegen aufgeschobener Investitionen. Das Eigenkapitel beträgt neu 13,3 Millionen Franken. Die Jahresrechnung 2015 wurde mit einer Gegenstimme angenommen.

Informationen gab es zum Projekt Schilt. Die Kirchenpflege will das gleichnamige Landstück als nachhaltige Ertragsquelle nutzen und im Baurecht abgeben. Man rechne damit, dass im Dezember darüber abgestimmt werden könne.
Neuigkeiten gab es auch zum Projekt Kirchgemeinde plus. Hier bekundete die Kirchenpflege ihre kritische Haltung zur Bildung einer grösseren Kirchgemeinde. Meilen sei gross genug, um dem kirchlichen Auftrag allein nachzukommen. Kooperation mit Nachbargemeinden gebe es bereits. (rli)

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