Hombrechtikon

Gemeinde will nicht länger draufzahlen

Dass das Thema Parkieren die Hombrechtiker bewegt, zeigte ein Infoanlass mit anschliessender Diskussion. In einem bestimmten Gebiet wird sich die Einführung von Parkgebühren aber wohl verzögern.

Auch auf dem Kiesparkplatz vor dem Gemeindesaal müsste künftig nach der ersten Stunde gezahlt werden.

Auch auf dem Kiesparkplatz vor dem Gemeindesaal müsste künftig nach der ersten Stunde gezahlt werden. Bild: Sabine Rock

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«Parkieren auf öffentlichem Grund ist ein heisses Thema.» Mit diesen Worten begrüsste Michael Camenzind vom Planungsbüro Suter-von Känel-Wild gut 60 Interessierte an einem Infoanlass im Hombrechtiker Gemeindesaal. Wie richtig er mit dieser Einschätzung lag, zeigte sich am Mittwochabend bei der Schlussrunde, als zahlreiche Anregungen und Fragen auf den Planer und den Gemeinderat einprasselten.

Parkplatzbewirtschaftungskonzept nennt sich die neue Regelung, die der Gemeinderat in Hombrechtikon einführen will. Dabei handelt es sich schlicht um einen Prinzipienwechsel: Parkplätze auf öffentlichem Grund, die bislang von jedem gratis in Beschlag genommen werden konnten, sollen künftig etwas kosten. Betroffen davon sind 320 Parkplätze, die übers ganze Gemeindegebiet verteilt liegen.

Vorteile mit Parkkarte

Schon in der letzten Legislatur waren die Parkplätze ein Thema, wie Sicherheitsvorstand Christian Walliker (SVP) ausführte. Nun sollen Nägel mit Köpfen gemacht werden. Für das aktuelle Konzept hat sich der Gemeinderat deswegen bereits mit dem Gewerbe, den Vereinen und der Kirche beratschlagt. Bis zum 16. August liegen die Unterlagen zur Vernehmlassung online sowie im Gemeindehaus auf.

Eine wichtge Änderung dürfte sein, dass nach der ersten kostenlosen Stunde jede weitere einen Franken kostet. Es soll aber auch die Möglichkeit geben, eine Parkkarte zu erwerben - für 50 Franken im Monat oder für 500 Franken pro Jahr. Während Autofahrer das Fahrzeug normalerweise nur bis zu 24 Stunden auf öffentlichem Grund abstellen können, wären es mit der Parkkarte 72 Stunden. Die Karte soll von Anwohnern, Betrieben und Leuten, die in Hombrechtikon arbeiten, erworben werden können.

«Man will die Parkplätze auf öffentlichem Grund kostendeckend bewirtschaften», erläuterte Camenzind einen der drei Grundsätze, die hinter dem Kurswechsel stehen. Er nannte die Summe von 300 Franken, die für den jährlichen Betrieb eines Parkplatzes anfallen. Ausserdem wolle man das Fremdparkieren vermeiden. «Die Parkplätze sollen primär den Hombrechtikerinnnen und Hombrechtikern zur Verfügung stehen.» Drittens solle das Konzept gut verständlich für die Nutzer und einfach zu kontrollieren sein. Eine Option ist zudem, dass die Parkuhren auch bargeldlos per App bezahlt werden könnten.

Abendliches Parkieren

Gerade das Kontrollieren, wie die Regelungen eingehalten werden, stellte sich als wichtiges Thema heraus. So wollte einer der Anwesenden scherzhaft wissen, ob denn der Gemeindeschreiber mit dem Velo die Parkuhren kontrolliere. Wie Walliker ausführte, soll allerdings eine private Firma diese Aufgabe übernehmen. Mit allzu vielen Einnahmen scheint die Gemeinde aber nicht zu rechnen. Als einer der Hombrechtiker bei der Kostenberechnung die Bussen vermisste, entgegnete Camenzind augenzwinkernd, man sei davon ausgegangen, dass die Hombrechtiker regelkonform parkierten. Eine Aussage, die zu Erheiterung führte.

Thematisiert wurden auch die gut 100 privaten Parkplätze im Eigentum der Gemeinde - etwa in Schulen oder beim Gemeindehaus. Sie werden primär an Mitarbeiter vermietet, sollen aber künftig von 18 bis 22.30 Uhr Vereinen oder Eltern von Schulkindern gratis zur Verfügung stehen.

Unzufrieden am Lützelsee

Bei einem Gebieten dürfte es eine Ausnahme von der Bezahlpflicht geben: Bei der Katholischen Kirche würde die Nutzung von Parkplätzen am Sonntag weiterhin kostenfrei sein würde. Am Lützelsee wiederum soll die Parkplatzsituation erst in einer zweiten Etappe gelöst werden. «Die Gemeinde ist da nicht autonom, weil der Parkplatz dem Kanton gehört», erklärte Camenzind die Gründe.

Die Rückmeldungen aus dem Plenum zeigten indes, dass gerade hier Klärungsbedarf besteht. So beklagte sich ein Anwohner, die Situation sei unhaltbar. Er gab aber auch zu bedenken, dass gerade bei Gebühren «die Parkiererei auf dem Grünstreifen erst recht anfangen werde». «Deswegen wollen wir ein Gesamtkonzept, dann kann es auch sein, dass es dort ein Parkverbot gibt», entgegnete Gemeinderat Walliker. «Es braucht flankierende Massnahmen, damit nicht im Landwirtschaftsland oder im Naturschutzgebiet parkiert wird», doppelte Camenzind nach einem weiteren Einwand eines Bürgers nach.

Ob und wie das bezahlte Parkieren in Hombrechtikon eingeführt wird, zeigt sich wohl spätestens am 11. Dezember. Dann soll die Gemeindeversammlung darüber entscheiden.

Erstellt: 27.06.2019, 18:44 Uhr

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