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Gemeinde Küsnacht hat im Archiv historische Zonenpläne ausgegraben

Gerade einmal drei Zonen enthielt die erste Küsnachter Bau- und Zonenordnung aus dem Jahr 1927, heute sind es mehr als 20. Die Gemeinde hat all ihre Zonenpläne im Internet publiziert – eine Fundgrube für historisch Interessierte.

Der erste Küsnachter Zonenplan von 1927 teilte das Gemeindegebiet in lediglich drei Zonen ein.
Der erste Küsnachter Zonenplan von 1927 teilte das Gemeindegebiet in lediglich drei Zonen ein.
zvg

Auf den ersten Blick sieht der Zonenplan einer Gemeinde aus wie ein bunter Flickenteppich. Die Bedeutung gelber, roter, grüner Flächen in schraffierter oder unifarbener Form erschliesst sich dem Betrachter erst nach dem vertieften Studium der zugehörigen Legenden. Wie solche Pläne früher aussahen, können Interessierte auf der offiziellen Website von Küsnacht seit Kurzem erfahren. Die Gemeinde hat mehrere historische Zonenpläne sowie die zugehörigen Bauordnungen online aufgeschaltet: Der Plan von 1927 ist der älteste, dann folgen jene von 1958, 1974, 1984 und 1994. Vielsagend wünschen die Behörden viel Spass beim Stöbern und Entdecken.

«Es gibt immer wieder Anfragen nach alten Zonenplänen», begründet Daniel Dahinden, Abteilungsleiter Planung, warum die Gemeinde die Dokumente digitalisiert und online zugänglich gemacht hat. Die Anfragen stammten von Einzelpersonen, aber auch Parteien oder Vereinen. Damit Interessierte nun auch zu Hause Details der Pläne studieren können, sind diese hoch aufgelöst. Auch bei den älteren Exemplaren lassen sich so problemlos Grundrisse von Häusern, Strassen- und Flurnamen erkennen und entziffern.

Ohne Küsnachterberg

Die Unterschiede zwischen den Plänen sind frappierend. Während man 1927 nur drei verschiedene Zonen kannte, sind es heute 23. «Es wurde immer detaillierter und komplexer», bestätigt Dahinden. Ende der 20er-Jahre gab es nur die geschlossene Bauweise im eigentlichen Dorfkern, die offene Bauweise im erweiterten Dorfkern, den Quartieren Goldbach und Heslibach sowie die offene Bauweise, die etwa in den Ortsteilen Allmend und Itschnach und gewissen Teilen Goldbachs galt. Die Weiler des Küsnachterbergs sind noch nicht einmal auf dem Plan abgebildet. Zudem unterscheidet sich die Perspektive im Vergleich zu den nachfolgenden Plänen: Der Betrachter schaut vom See her auf die Gemeinde. In der üblichen Nord-Süd-Ausrichtung wurde erst der nächste Plan aus dem Jahr 1958 erstellt.

«Heute kann man mit mehr Zonen besser auf lokale Gegebenheiten eingehen.»

Daniel Dahinden, Abteilungsleiter Planung

Nicht nur der Zonenplan ist simpel, auch die zugehörige Bauordnung vom 28. August 1927 fällt mit einem Umfang von lediglich acht Seiten im Vergleich zu heute bescheiden aus. Könnte sich der Planungschef vorstellen, heute mit einer Bau- und Zonenordnung mit nur drei Zonen zu arbeiten? «Das wäre eine Herausforderung», sagt Dahinden und muss bei diesem Gedanken schmunzeln. «Heute kann man mit mehr Zonen viel besser auf lokale Gegebenheiten eingehen sowie gewisse Quartierbesonderheiten weiterentwickeln und verfeinern», benennt er die Vorteile einer ausdifferenzierten Zonenordnung.

Rebberge statt Häuser

«Bei dem Dokument aus dem Jahr 1927 handelt es sich um die erste Bau- und Zonenordnung für Küsnacht», erklärt Dahinden. Diese basierte auf dem kantonalen Baugesetz für Ortschaften mit städtischen Verhältnissen vom 23. April 1893. Der Zonenplan von 1958 ist dann der erste, welcher das gesamte Gemeindegebiet abbildet. Ein Meilenstein ist für Dahinden auch der Zonenplan von 1974: «In diesem gab es zum ersten Mal Freihaltezonen.» Es sei speziell, dass sich in Küsnacht viele Flächen in Freihaltezonen befänden: So etwa die Seeanlagen, das Gebiet um den Schübelweiher oder die Seminarreben im Dorfzentrum.

Wer sich in die Pläne vertieft, der entdeckt, dass nicht nur die Zahl der Zonen, sondern auch jene der Überbbauungen stark zugenommen hat. 1927 gab es beispielsweise in der Rebwies in Itschnach noch Reben und auch das seeseitig davon gelegene Tägermoos war kaum besiedelt – heute ist dieses Gebiet hingegen vollständig überbaut. Auch der Landstrich nördlich der Goldbacherstrasse und das Felseneggquartier waren in den 20er-Jahren nur spärlich bebaut, während sich nun eine Liegenschaft an die nächste reiht.

Unterführungen unter der Bahnlinie durch sucht man zudem auf den Karten von 1927 und 1958 vergeblich: Die zentrale Unterführung wurde erst 1969 fertiggestellt, während der Autotunnel 1968 Eröffnung feierte. Im Gebiet des Küsnachterbergs haben sich die Siedlungsränder der Weiler kaum verschoben. Pläne, das ausgedehnte Kulturland zu überbauen, waren zwar vorhanden, scheiterten in den 70er-Jahren aber am Widerstand der Bevölkerung.

«Ästhetischer Verfall»

Alfred Egli, Präsident des Vereins für Ortsgeschichte, kann sich noch gut an dieses Vorhaben des damaligen Gemeinderats erinnern. Es sei eine Satellitenstadt mit 5000 oder 6000 Einwohnern geplant gewesen. Für ihn mit ein Grund sich zu engagieren: Der 1931 geborene Egli reichte mit Mitstreitern eine Motion ein. «Es ging darum, dass man von A bis Z weiss, wie es mit der baulichen Zukunft von Küsnacht weitergehen soll», erklärt er deren Inhalt. An die drei kurz nacheinander abgehaltenen Gemeindeversammlungen, die 1984 zu einem neuen Zonenplan geführt hatten, kann sich der Dorfhistoriker noch gut erinnern: «Seit damals ist der Küsnachterberg geschützt.»

Mit der baulichen Entwicklung und vor allem dem Ausmass des Bauens ist Egli aber alles andere als zufrieden. Er beklagt den «ästhetischen Verfall des Dorfes.» Bis in die 1910er-Jahre seien weite Teile Küsnachts Rebland gewesen, nach dem Zweiten Weltkrieg habe die Bauerei dann ihren Anfang genommen. Ob man die bauliche Entwicklung gut oder schlecht findet, sie bleibt ein Dauerthema: An der Gemeindeversammlung vom 26. Juni steht die nächste Teilrevision der Bau- und Zonenordnung an.

Historische Zonenpläne unter: www.kuesnacht.ch/page/174

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