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Gegen das negative Image der Brennnessel

Die meisten Menschen verbinden mit der Brennnessel unliebsame Erinnerungen. Für die Oetwilerin Doris Abt hingegen ist sie eine Wunderpflanze. Mit Gleichgesinnten will sie nun altes Wissen wieder unter die Leute bringen.

Doris Abt möchte mit ihrem neu gegründeten Verein Konsumenten, Landwirten und Gastronomen die Verwendung von Brennnesseln näherbringen.
Doris Abt möchte mit ihrem neu gegründeten Verein Konsumenten, Landwirten und Gastronomen die Verwendung von Brennnesseln näherbringen.
Sabine Rock

Er habe tagelang vor Energie nur so gestrotzt. Das bekam die Oetwilerin Doris Abt eines Tages von einem Velofahrer zu hören. Auf dem Wanderweg, der dicht an ihrem Haus, umgeben von Wald und Wiese, vorbeiführt, kam er angefahren. Was war der Grund für sein Formhoch? Weder ein neues Sportgetränk noch eine erfolgreiche Trainingswoche. Sondern: Er war in ein Brennnesselfeld gefallen.

Die Erzählung des unfreiwillig erlangten Energieschubs fand in Abt die richtige Adressatin. Brennnesseln sind die Passion der 36-Jährigen. Mama Urtica nennen sie einige ihrer Freunde, in Anlehnung an den botanischen Namen der Pflanze, Urtica dioica. Wenngleich und trotz aller Liebe zu dem Wildkraut – was dem Velofahrer widerfahren sei, zu wiederholen – «das wäre mir dann doch zu viel».

Buch weckt Faszination

Nicht zu viel wird ihr aber, aufzuzeigen, welch Wunderpflanze die Brennnessel ist. Dass das schlechte Image, das sie bei den meisten Menschen hat, in geradezu umgekehrtem Verhältnis dazu steht. Dieses Image will Abt ändern, zusammen mit zwei Kollegen des Studiengangs zur Umweltberaterin, den sie demnächst abschliesst. Ihre Idee: Konsumenten, Landwirte, Gastronomen und weitere Interessierte über die Brennnessel zu informieren. Sie mit Rezepten neugierig auf Speisen und Getränke aus dem Kraut zu machen. Altes Wissen rund um selbiges wieder unter die Leute zu bringen. Dafür hat Abt mit Ingrid Baldinger und Martin Hofer im vergangenen November den Verein «Brennpunkt Brennnessel» gegründet – und als eine der ersten Aktionen, nebst der Gestaltung der Internetseite, Brennnesselwochen in Restaurants, auf Märkten und Geschäften organisiert. Demnächst finden diese auch in der Region statt.

Die Initiative für den Verein kommt von Abt. «Bei meinen Kollegen brauchte es erst noch Überzeugungsarbeit.» Dabei hat auch sie sich noch vor gut vier Jahren über das vermeintliche Unkraut in ihrem Garten geärgert und wollte ihm mit dem Rasenmäher den Garaus machen. Bis ihr einst, an einem Ferientag auf einer Alp, ein Kräuterbuch in die Hände gefallen war. «Was ich da über die Brennnessel gelesen habe, hat meinen Blick verändert.» Textilien liessen sich aus der Pflanze herstellen. Natürlicher Pflanzendünger. Unzählige Speisen. Mittel für die Gesundheit und die Körperpflege.

Beliebt bei den Kindern

Dass sich der Velofahrer nach seinem Sturz so gut gefühlt hatte – das habe ihr sogleich eingeleuchtet. Erlebt sie doch selber, wie gut die Brennnessel tun kann, innerlich und äusserlich. Doch zuerst, zurück von der Alp, versuchte sie sich als erstes an einem Rezept für knusprig gebratene Brennnesselblätter: Im Öl marinieren, würzen, in den Ofen: Das erwies sich als nicht allzu schwierig für den Anfang. «Einer meiner Söhne war ganz wild auf diese Brennnesselchips», erinnert sich Abt. Und das nicht ohne Grund: «Er hatte damals einen Eisenmangel.»

Instinktiv habe er gespürt, dass ihm die Brennnesseln helfen. «Sein Eisenproblem hat sich gelöst.» Tatsächlich ist der Gehalt des Spurenelements in der Brennnessel bis zu dreimal höher als in Rindfleisch. Und nicht nur das: Eiweiss wurde bei dem vermeintlichen Unkraut doppelt so viel nachgewiesen als in Soja. Kalzium in fünffacher Menge verglichen mit der Milch und Vitamin C sechsmal mehr als in der Orange.

Experimente in der Küche

«Ich war schon lange nicht mehr beim Arzt», stellt die Oetwilerin fest. Besonders gern experimentiere sie in der Küche mit den Brennnesseln. Schon immer zur Freude ihrer beiden Buben. Und auch ihr Mann habe seine erste Ablehnung gegenüber der neuen Zutat abgelegt: Suppe, Gemüse und Lasagne aus den grün gezackten Blätter hatten es eben doch in sich. Versteht sich von selbst, dass diese dann nicht mehr brennen. «Durch Wässern, Überrollen oder Erhitzen der Blätter werden die Nesselhaare unschädlich», sagt Abt. Kein unwesentlicher Aspekt, um die Wunderpflanze in der Brennnessel zu erfahren.

Brennesselwochen: Rapperswil, Restaurant Jakob, 5. bis 8. April; Stäfa, Restaurant Rössli, 3. bis 7. April; Oetwil, Bäckerei Scharrenberg, 5. bis 8. April.

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