Männedorf

Gedichte sind ihr das Liebste

Autorin Nora Dubach präsentiert ihren neuen Lyrikband und liest daraus in der Kulturschüür vor ­– dabei schreibt sie eigentlich nur für sich selbst.

Nora Dubach fühlt sich in ihrem verwunschenen Garten im Männedörfler Haldensteig wohl.

Nora Dubach fühlt sich in ihrem verwunschenen Garten im Männedörfler Haldensteig wohl. Bild: Sabine Rock

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Ungewohnt sind die Zeiten, an denen Nora Dubach an ihren Gedichten feilt. Da sie mit wenigen Stunden Schlaf auskommt, setzt sie sich, wenn andere zu Bett gehen, noch vor den PC und schreibt bis in die frühen Morgenstunden. «Gegen zwei Uhr bin ich dann schon etwas müde, aber es reicht mir vollauf, wenn ich dann noch bis halb acht schlafen kann», erzählt sie in ihrer Küchen- und Wohnstube mit dem grossen Kamin. Der Raum ist ein Sammelsurium aus Möbeln, Lampen, Kissen und Pflanzen. Selbstgemachte Objekte und Bilder stechen aus allerlei Nippsachen heraus. Aus den kleinen Fenstern, die wenig Licht ins Innere lassen, blickt man in einen verwunschenen Garten.

Hier, am Haldensteig, ist die 75-jährige Mutter zweier erwachsener Söhne nach ihrer Scheidung vor 25 Jahren gezogen und bewohnt seither den zweistöckigen Hausteil. «Es ist ein Paradies», ruft sie mit ausgebreiteten Armen aus und nennt sich glücklich, währenddem sie Wasser für Tee aufsetzt. Auffallend, wie oft und gern sie beim Fabulieren lacht.

Schon als Kind geschrieben

Nora Dubach hat schon mit 11Jahren Gedichte verfasst und gemalt. Seither hat die ausgebildete Reprofotografin immer geschrieben, auch Kurzgeschichten. «Es ist ein Bedürfnis und Ventil, ich kann ohne nicht sein», sagt die gebürtige Deutsche, die mit 22 Jahren in die Schweiz gezogen ist und 1972 in Männedorf geheiratet hat. Ihr erstes Buch ist 1998 erschienen, seither hat sie über 1000 Gedichte verfasst und hält nun ihren fünften Band in den Händen: «Auf gleissendes Licht tropft Dunkelheit». Trotz den Veröffentlichungen: «Eigentlich schreibe ich nur für mich.»

Entstanden ist der Band auf Anfrage des Winterthurer Verlags «Pro Lyrica», eine Plattform, die Gedichte fördert. Da Dubach in verschiedenen Schriftstellerverbänden aktiv ist, kennt man die Vielschreiberin, die von ihren Gedichten behauptet: «Sie sind nicht nett und reimen sich nicht.» Es sind vielmehr Worte, die sie zu einer Aussage konzentriert, wie etwa: «Die Zeit rieselt durch die Unwichtigkeit des Nichtgesagten.» Zu jedem Thema fallen ihr spontan die Worte zu, und geht es ihr gut, dann fliesst es. Total unglücklich sei sie dann schon, wenn ihr mal gar nichts mehr einfällt. Bei jeder Korrektur kann es sein, dass das Gedicht einen neuen Impuls annimmt, eine neue Form erhalte. Sie lässt es zu.

Sie will Grenzen ausloten

Die vorliegende Gedichtsammlung sei ein poetischer Versuch, Grenzen auszuloten, sagt Nora Dubach. Scharfe, blitzende und hinter dem Wortwitz radikale, ernste und manchmal auch düstere Gedanken sind es, die sie als Kürzestgeschichte in lyrische Poesie verpackt, wie «Unter dem Acker wurde Giftmüll vergraben.»

Aus 120 eingereichten Gedichten wählte der Verlag 80 für die Veröffentlichung aus. Die Aussagen darin sollen ihr selber unter die Haut gehen, sie berühren, aber auch beim Leser Emotionen auslösen. Sie liebt die kritische Seite an sich, die alles hinterfragt: «Weitsicht nimmt der Kurzsicht eingeschränktes Denken.» Sagt’s und lacht ihr befreiendes Lachen.

An der Lesung in der Kulturschüür wird auch die in Zürich lebende 33-jährige Martina Caluori aus Chur aus ihrem Werk «Frag den Moment» zitieren. So stehen sich zwei Lyrikerinnen aus zwei Generationen gegenüber: die erfahrende Spontanschreiberin aus Männedorf, ausgestattet mit einem sprühenden Wortwitz, und die junge, präzise und wagemutige Bündnerin.

Lesung mit Nora Dubach und Martina Caluori am Dienstag, 21. Mai, 19.30 Uhr in der Kulturschüür Männedorf, Alte Landstrasse 230, Eintritt frei.

Erstellt: 13.05.2019, 16:48 Uhr

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