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Deutlich milderes Urteil für Küsnachter Galeristensohn

Drei statt 12,5 Jahre hinter Gitter: Ein 34-Jähriger aus Küsnacht habe einen Freund in schuldunfähigem Zustand getötet, sagen die Richter.

Der Beschuldigte beim Prozess zwischen seinen Verteidigern Thomas Sprenger (stehend) und Thomas Fingerhuth.
Der Beschuldigte beim Prozess zwischen seinen Verteidigern Thomas Sprenger (stehend) und Thomas Fingerhuth.
Robert Honegger

Er hat einen Freund getötet und ist dabei brutal vorgegangen. So brutal, dass der Vorsitzende Richter von einer grotesken Tat spricht. Die Umstände der Tötung vom 30. Dezember 2014 in einer Küsnachter Villa sind so surreal, dass sie gemäss Richter Stefan Volken dafür sprechen, dass der 34-Jährige den 23-Jährigen im Zustand völliger Schuldunfähigkeit verübt hat.

Weil er diese durch exzessiven Konsum von Ketamin und Kokain selbst herbeigeführt und kein psychisches Problem hat, wird der Deutsche dennoch bestraft. Das Obergericht vehängt für die Tötung und diverse Delikte gegen das Starssenverkehrsgesetz eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. Die Höchststrafe für Tötungen im Zustand selbstverschuldeter Schuldunfähigkeit von drei Jahren haben die Richter fast ausgenützt.

Die Strafe hat der Beschuldigte, der seit der Tat in Gewahrsam ist, längst abgesessen. Es besteht sogar eine Überhaft von 699 Tagen. Diese werden an eine stationäre Massnahme angerechnet. Der 34-Jährige muss seine Sucht in einer spezialisierten Klinik therapieren. Diese Massnahme dauert bis zu drei Jahren und kann um ein Jahr verlängert werden. Der Täter dürfte also in ein bis zwei Jahren auf freien Fuss kommen. Bis ein Platz in einer Klinik gefunden wird, bleibt der Deutsche in Sicherheitshaft.

Im Interview äussern sich einer der Verteidiger, der Staatsanwalt sowie die Opferpartei zum Urteil. Video: SDA/Keystone.

Zweifel an Vergewaltigung

Das Obergericht kippt das Urteil des Bezirksgerichts Meilen. Dieses hatte eine Freiheitsstrafe von 12,5 Jahren verhängt. Nicht nur die unterschiedlichen Betrachtungen der Tötung verändern das Strafmass stark. Das Obergericht hat auch Zweifel daran, dass der Beschuldigte seine Ex-Freundin vergewaltigt und sexuell genötigt hat und spricht ihn in diesen Punkten frei. Allein das macht einen Drittel der Strafe aus.

Die Richter waren vor allem wegen der Umstände skeptisch. So hat sich die Ex-Freundin erst elf Monate nach der Verhaftung des Mannes gemeldet. Sie habe sich lange auf die Aussage vorbereitet und sehr intensiv mit der Geschichte beschäftigt. Zudem soll sie schon früher Männer fälschlicherweise sexueller Übergriffe beschuldigt haben.

Doch zurück zur brutalen Tötung. Es sei in jener Nacht in der Küsnachter Villa zu einer Tragödie gekommen, so Richter Stefan Volken. Zwei junge Menschen aus gutem Hause hatten sich getroffen und hochpotente Drogen konsumiert. Am nächsten Tag war einer tot, der andere sass im Gefängnis.

«Hier hat jemand mit einem kompletten Kontrollverlust gewütet.»

Stefan Volken, vorsitzender Richter

Dabei habe es zuvor nie Konflikte zwischen den Beiden gegeben. Aus banalen Gründen sei es wohl zum Streit gekommen. Der Beschuldigte müsse dabei so verladen gewesen sein, dass er sich vom körperlich unterlegenen Freund bedroht fühlte.

Seine Beschreibung eines psychotischen Schubs aufgrund des Ketaminrauschs überzeugt die Richter. So habe er schon zuvor das Gefühl gehabt, die Welt gehe unter, habe einen Taxifahrer als bedrohlich wahrgenommen und schliesslich das Opfer als Ausserirdischen gesehen.

Gerade die unglaubliche Brutalität, die zügellose Gewalt, mit der der Beschuldigte vorgegangen ist, spreche für den Wahrheitsgehalt der Geschichte. Das entspreche der falschen Wahrnehmung, dass der Andere ihn töten wolle.

Auch schräge Umstände, wie das Ausreissen einer Wasseraufbereitungsanlage, die er für ein Jetpack hielt oder das Auflegen einer Tasche und einer Samichlausfigur auf den toten Körper deuteten darauf hin, dass hier jemand mit einem kompletten Kontrollverlust gewütet habe, sagt der Richter.

Erleichterung und Kritik

Der 34-jährige Täter spricht nach dem Urteil nicht. Andreas Meili vom dreiköpfigen Verteidigerteam sagt aber, sein Mandant sei erleichtert, dass er als schuldunfähig beurteilt wurde. Er bedaure den Tod seines Freundes zutiefst. Was passiert ist tue ihm unermesslich leid. Meili wirft gewissen Medien eine Vorverurteilung seines Mandanten vor.

Staatsanwalt Alexander Knauss sagt, die Oberstaatsanwaltschaft werde über eine Beschwerde ans Bundesgericht entscheiden. Er sagt, der Beschuldigte komme nun in eine Suchtklinik, die er auch verlassen könne. Dass die Massnahme höchstens vier Jahre dauern kann, passt Knauss nicht. Der Gutachter habe für eine längerfristige Therapie plädiert.

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