Meilen

Für Zwingli gibt es diesmal nur eine Nebenrolle

Am Freitag feiert das Musical «Sofie und das Reich von Ruach» seine Premiere. Das Stück des Meilemer Pfarrers Daniel Eschmann ist ein Beitrag zum Reformationsjubiläum – in ungewöhnlicher Umsetzung.

Das Stück ist voller Szenen aus dem Alltag – stets versetzt mit einer guten Prise Fantasy.

Das Stück ist voller Szenen aus dem Alltag – stets versetzt mit einer guten Prise Fantasy. Bild: Michael Trost

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Die liebe Zeit. Davon hätte er gern mehr gehabt, sagt Daniel Eschmann und lacht. Geht es ihm doch damit wie den Figuren, die er für sein Musical geschaffen hat. Allerdings, und zu seinem Glück, nicht gar so arg wie diesen. Denn nicht weniger als 20 Jahren jagt die Protagonistin Sofie hinterher: Lebenszeit vom Vater. Einfach so ist sie ihm weggezaubert worden. Oder doch nicht «einfach so»? Hat er nicht eine E-Mail einmal zu wenig schnell beantwortet? Und ist er nicht deswegen an eine weniger gut entlöhnte Stelle versetzt worden? Kurz darauf jedenfalls läuft seine neuartige Armbanduhr, die die noch verbleibende Lebenszeit anzuzeigen vermag, auf einmal sehr schnell vorwärts.

Demgegenüber ist das gute Jahr, das Eschmann für die Umsetzung der Geschichte nur zur Verfügung hatte, gerade heilig. Zwar war die Herausforderung, die er – reformierter Pfarrer von Meilen – sich selber gesetzt hatte, nicht ganz ohne: ein Musical zu schreiben, das als Beitrag zum Zwinglijubiläum zu verstehen ist. Als ein anspruchsvolles Vorhaben bezeichnet er dies im Nachhinein, zumal es einiges zu berücksichtigen gegeben habe. Aber auch: «eine schöne Arbeit». Deren Resultat ist nun ab Freitag mit «Sofie und das Reich von Ruach» zu sehen.

Nicht historisch

Doch was, ist man versucht zu fragen, hat die Hektik um das Beantworten von E-Mails mit Zwingli zu tun? So viel zum einen, dass sie als Chiffre für das steht, was die Menschen heute und hier massgebend bestimmt. Damit zum andern zeigt sich die besondere Absicht von Eschmann: «die Bedeutung der Reformation für die heutige Zeit herauszuschälen». Dass es ihm mit seinem Musical hierum gehen soll, sei ihm bald einmal klar geworden. «500 Jahre sind weit weg», sagt er am Rande einer Probe letzten Samstag. Darum reizte ihn die Inszenierung einer Zwingli-Biografie im historischen Gewand wenig.

Der Gedanke, das Wirken des Zürcher Reformators modernisiert auf die Bühne zu bringen, hatte aber erst einen praktischen Hintergrund. «Zu Zwingli habe ich in der bestehenden Stückauswahl nichts gefunden», sagt Eschmann. Will heissen, etwas, das als Familienmusical aufführbar gewesen wäre. Dies nämlich sei ihm von Anfang an wichtig gewesen. So setzte er – der neben seiner Pfarrtätigkeit eine 30-Prozent-Stelle als Musiklehrer innehat – sich schliesslich selber ans Texten.

Grundthema Befreiung

Erst aber musste die Story entwickelt werden. «Das hat einige Zeit gebraucht», sagt Eschmann. Mit dem Anspruch nach einem kindgerechten, aktuellen und mit religiöser Aussage behafteten Stoff hatte er sich denn auch eine dreifache Herausforderung gestellt. «Die theologische Botschaft von Zwingli lässt sich durch den Befreiungs- und Ewigkeitsgedanken übersetzen», erklärt er. Dadurch, den Augenblicken Sinn und Erfüllung zu geben. Um damit frei zu werden: vom Drang, sich selbst beweisen zu müssen, von Oberflächlichkeit und maschinenartigem Funktionieren.

Eine solch modern-gehetzte Familie hat er nun also mit jener von Sofie und ihrem Vater geschaffen – die Mutter ist nur marginal anwesend. Bezeichnenderweise, weil sie zwischen Fitness- und Coiffeurterminen hin- und hereilt. Aus dem Alltag gegriffene Erfahrungen sind dies also, versetzt mit einer guten Prise Fantasy – wie etwa der Lebenszeituhr. Was es damit genau auf sich hat, sei an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Ganz ohne Zwingli kommt dieses Stück doch nicht aus. Nur tritt er in recht ungewöhnlicher Gestalt auf.

Synergien genutzt

Die Geschichte hat Eschmann in 13 Liedtexte gegossen. Vertont wurden diese daraufhin vom Komponisten Stefan Eschmann – der mit dem Pfarrer nicht verwandt ist. Das Musical ist ein Grossprojekt: Allein 53 Kinder, im Alter zwischen dritter Primarklasse und zweiter Oberstufe, wirken mit. Sie sind mehrheitlich Schüler der Musikschule Pfannenstiel oder der ökumenischen Singschule Stäfa. Erstere, die Musikschule Pfannenstiel, führt immer wieder gemeinsame Projekte mit der Reformierten Kirche Meilen durch und trägt das Musical personell und finanziell auch massgeblich mit.

Zudem singen 30 Erwachsene mit: teils Eltern der Kinder, teils Mitglieder des Chors Cantiamo insieme. Dieser wie auch die Musikschule Pfannenstiel stehen unter der Leitung des Meilemer Kantors Ernst Buscagne. Nicht zuletzt auch dank diesen Synergien sei für ihn das Schaffen eines eigenen Musicals schnell einmal auf der Hand gelegen, sagt Eschmann.

Premiere diesen Freitag, 19.30 Uhr. Weitere Aufführungen: Samstag, 18. Mai, 14 Uhr, und So, 19. Mai, 16.30 Uhr. Jürg-Wille-Saal, Gasthaus Löwen, Seestrasse 595, Meilen. Vorverkauf: Drogerie Roth, Meilen und www.kirchemeilen.ch

Erstellt: 15.05.2019, 11:14 Uhr

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