Stäfa

Für sie war die Malerei Beruf und Berufung

Die Stäfner Kunstmalerin Silke Glätti ist 80-jährig gestorben. Malen war für sie eine Leidenschaft.

Verstarb Ende April im Alter von 80 Jahren: Die Stäfner Kunstmalerin Silke Glätti.

Verstarb Ende April im Alter von 80 Jahren: Die Stäfner Kunstmalerin Silke Glätti. Bild: Archiv Reto Schneider

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Bis letzten Sommer traf man Silke Glättli fast täglich in der Seebadi Lattenberg an. Wer sie sehen wollte, wusste, wo sie zu finden war. Hier, am Ufer des Zürichsees, installierte sie sich stets am selben Platz unter «ihrem» Baum mit Liegestuhl, Sonnenschirm und dem mitgebrachten Proviant. Wie überall in der Natur, der Quelle ihrer Inspirationen, tankte die Kunstmalerin Kraft und Lebensfreude, während sie den Blick übers Wasser schweifen liess. Wegen Gelenkproblemen fühlte sie sich in den letzten Lebensjahren am wohlsten im Wasser und verbrachte im Winter jeweils mehrere Wochen mit Tauchen in Indonesien, eines ihrer geliebten Hobbys.

Doch was sie erfüllte, war die Malerei: «Kunst ist für mich so wichtig wie die Luft zum Atmen», hat sie 2007 gegenüber dieser Zeitung anlässlich einer Ausstellung im Zürcher Oberland gesagt. Schaut man sich ihre Bilder an, wird klar, wovon sie sprach. Auch ihre Bilder «atmen», haben eine Seele, berühren. Die Malerin verstand es, das Licht zu jeder Tages- und Jahreszeit derart aufzufangen, dass man augenblicklich von der Stimmung gefangen war. Ungewöhnlich breit war das Spektrum von Themen und Techniken: Neben Bleistiftzeichnungen entstanden Lithographien, Radierungen, zauberhafte Aquarelle und die vielfach grossformatigen Werke in Öl.

Seit ihrer Kindheit wollte die 1939 in Hamburg geborene Kunstmalerin werden. Doch der Weg dahin war nicht so einfach. Es hat sie Mut und Durchhaltevermögen gekostet, in einer Zeit, in der Emanzipation noch kein Schlagwort war, sich als junge Frau unbeirrt ihren Wunsch zu erfüllen. Auf Verlangen der Eltern sollte die begabte Tochter vorerst einen «rechten Brotberuf» erlernen. Also studierte sie Englisch und Pädagogik und wanderte nach dem Studium mit 21 Jahren nach Amerika aus, um dort ihren «ureigenen Weg» zu gehen, wie sie einmal sagte. Zwei Jahre später hatte sie ihre erste Einzelausstellung in New York, wo sie sich mit einem Bürojob ein Kunststudium finanzieren konnte. Es sollten über 80 Einzelausstellungen und einige Gruppenschauen in Europa und Amerika folgen.

Sie fühlte sich als Stäfnerin

1971 hat Silke Glättli mit ihrem Mann ihr Atelierhaus oberhalb Stäfa bezogen. Von Beginn an habe sie sich als Stäfnerin gefühlt und es als grosses Geschenk empfunden, in einer «so zauberhaften Landschaft des Lichts» leben und malen zu dürfen. 1972 machte sie anlässlich der Stäfner 1000-Jahr-Feier bereits bei einer Gruppenausstellung mit. Im folgenden Jahr kam ihr einziger Sohn Markus zur Welt, der es sich nie nehmen liess, der Mutter nach dem Tod des Vaters beim Organisieren ihrer Ausstellungen im Amtshauskeller von Rüti, wo sie bis vor wenigen Jahren regelmässig ihre Werke präsentierte, behilflich zu sein. Der Kunstband «Die Malerin Silke Glättli» dokumentiert das Schaffen der Stäfnerin, die über 60 Jahre künstlerisch tätig war. Im Alter von 80 Jahren ist sie am 25. April sanft eingeschlafen, wie Markus Glättli auf Anfrage mitteilt.

Erstellt: 15.05.2019, 14:55 Uhr

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