Stäfa

Für Fairness im Handel mit der dritten Welt

Mehr Gerechtigkeit im Handel mit Erzeugnissen aus Drittweltländern – dafür setzt sich Claro Fairtrade ein. Drei von schweizweit 250 Verkaufstellen von fair gehandelten Produkten befinden sich in Stäfa, Männedorf und Hombrechtikon.

Engagieren sich in ihren Läden für Fair-Trade-Produkte (von links): Lilly Trütsch, Stäfa, Ursula Meier, Hombrechtikon, und Monika Germann, Männedorf.

Engagieren sich in ihren Läden für Fair-Trade-Produkte (von links): Lilly Trütsch, Stäfa, Ursula Meier, Hombrechtikon, und Monika Germann, Männedorf. Bild: Sabine Rock

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Seit 36 Jahren gibt es in Männedorf den ersten Weltladen. Wobei die heutige Geschäftsführerin Monika Germann präzisiert: «Zu Beginn war es vielmehr nur ein Schrank im Cheminéeraum des katholischen Pfarreizentrums, in dem die wenigen Produkte mit mehrheitlich Kaffee, Reis und Schokolade aufbewahrt und jeweils am Freitagnachmittag verkauft wurden.» Überhaupt habe die ganze Fairtrade-Bewegung innerhalb der Kirchgemeinden, die sich mit Hilfswerken in Entwicklungsländern engagierten, angefangen, wie die Männedörflerin weiter ausführt. Und festhält, «dass es stets Frauen waren und immer noch sind, die sich freiwillig und unentgeltlich einsetzen.» Noch heute kann Claro Männedorf die zwölf Frauen, die sich die Arbeit im 40 Quadratmeter grossen Laden an der Hasenackerstrasse 2 teilen, nur dann ein kleines Entgelt auszahlen, wenn es der Geschäftsgang erlaubt.

Wie ein Tante-Emma-Laden

Auch im Claro-Laden an der Rütistrasse 1 in Hombrechtikon, der seit 22 Jahren besteht, arbeiten 12 Personen ehrenamtlich, wie Vertreterin Ursula Meier erklärt und deren Durchschnittsalter mit 68 Jahren beziffert. Jüngere Menschen würden nicht gratis arbeiten, was den Fortbestand des Ladens eines Tages gefährden könnte. Obwohl das Geschäft wie in Männedorf als Verein aufgestellt ist, habe man keine Präsidentin und Meier selber empfindet sich nicht als Geschäftsführerin, sondern als Ansprechperson nach aussen.

«Mir kommt unser knapp 20 Quadratmeter kleine Lokal wie ein Tante-Emma-Laden vor. Wir haben weder Internet-Anschluss noch eine Kasse.» Immerhin weist der kleinste Claro-Laden in der Region einen Umsatz von 50 000 Franken im Jahr aus. Wobei der Verkauf von Lebensmitteln und Reinigungsartikeln nur noch einen Drittel der Einnahmen ausmacht. Der Rest geht auf das Konto von Kunsthandwerk.

Ein Mini-Warenhaus

Einen besonderen Stellenwert nimmt der seit 1991 bestehende Weltladen Stäfa ein, der ebenfalls als Verein organisiert ist. Das erste Geschäft befand sich noch an der Goethestrasse. 1998 zog das Geschäft an die heutige Adresse, Bahnhofwiese 11, in die ehemalige Lokalität einer Drogerie um. «2012 änderten wir den Vereinsnamen in Fairmondo», klärt Geschäftsführerin Lilly Trütsch auf. Die Philosophie für gerechtere Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in strukturarmen Ländern sei hingegen derselbe. Mit dem Unterschied, dass man als Fairmondo freier in der Wahl des Sortiments sei.

«Viele Produkte haben durch die Aufbauarbeit von Claro den Sprung in den breiten Absatz geschafft.»Lilly Trütsch,  
Geschäftsführerin in Stäfa

Seit 2001 leitet die Stäfnerin, die dank eines sozialkritischen Lehrers schon im Alter von 15 Jahren den Fairtrade-Gedanken verinnerlichte, die Geschicke des Geschäfts. Als eine der wenigen Geschäftsführerinnen von Claro kann sie sich und ihrem achtköpfigen Team einen Lohn auszahlen. «Wir machen so viel Umsatz, dass das möglich ist.» Kein Wunder, verfügt das «Mini-Warenhaus», wie Trütsch Fairmondo bezeichnet, über 90 Quadratmeter Ladenfläche. Und ein Angebot, das im Vergleich zu einem normalen Claro-Laden ein erweitertes Sortiment führt.

Keine Konkurrenz zu Bioläden

Neben den klassischen Lebensmitteln wie Kaffee, Reis, Getreide, Gewürzen, Schokolade sowie Kunsthandwerk, findet man in den Claro-Läden eine Auswahl an Accessoires, Schmuck, Ledertaschen und Geschenkartikel. Zusätzlich gibt es in Stäfa Bekleidung, Kosmetika, Geschirr aber auch Vakuum verpacktes Fleisch aus tiergerechter Haltung von einer Metzgerei in Wetzikon, Fisch vom Üriker Fischer Fritz Hulliger, Bio-Brote, Milch und Milchprodukte in Demeterqualität und eine kleine Auswahl an frischen Produkten. Da es in Männedorf und in Hombrechtikon bereits je einen Bioladen mit Frischprodukten gibt, führen diese Claro-Läden keine Frischwaren, um eine Konkurrenz auszuschliessen, wie Monika Germann, Leiterin des Geschäfts in Männedorf, betont.

Modeschauen und Anlässe

Vor einem Jahr wurde das Stäfner Lokal total modernisiert. Geschäftsführerin Lilly Trütsch war wichtig, mit der Wahl von Korpusmöbeln auf Rollen den Raum für Modeschauen und dem demnächst anstehenden Filmabend (Donnerstag, 26. Oktober um 19 Uhr zum Thema Kleiderherstellung) vielseitig nutzen zu können. So sieht sie ihre Aufgabe nicht nur im Verkauf von Fairtrade-Gütern, sondern auch im Vermitteln des Umweltgedankens. Darin habe Claro schon immer eine Pionierstellung bezogen.

Als Beispiel: Als Claro vor Jahren Quinoa ins Sortiment aufnahm, kannte es kaum jemand. Mittlerweile füllt die als Superfood geltende und vermehrt in Südamerika angebaute Getreideart die Regale der Grossverteiler. «Viele Kleinproduzenten haben mit ihrem Produkt durch die Aufbauarbeit von Claro den Sprung in den breiten Absatz geschafft», ist Trütsch überzeugt. «Das faire Produkt wird beim Grossverteiler verkauft, der Umsatz mit diesem geht hingegen in den Claro-Läden zurück.»

Das sei aber ein bewusstes Vorgehen bei Claro und Ziel des fairen Handels. Demnach wird Claro ein nächstes Produkt bis zur Marktfähigkeit aufbauen und es in seinen Läden verkaufen, bis auch das neue Produkt wieder breiter verkauft wird. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.10.2017, 14:41 Uhr

Die Geschichte von Claro Fairtrade

Mit den Bananen fing es an

Bevor die Geschichte von Claro Fairtrade vor 40 Jahren begann, hatte die 2016 im Alter von 92 Jahren verstorbene Ursula Brunner aus Frauenfeld ihren Auftritt. Die ehemalige Thurgauer FDP-Kantonsrätin fragte sich, warum Bananen hierzulande so billig sind, wenn es den Menschen in den Produktionsländern doch so miserabel geht. Um die Bevölkerung für die unzumutbaren Arbeitsbedingungen in Drittweltländern zu sensibilisieren, zog die Pfarrersgattin 1973 mit gleichgesinnten Frauen – den Bananenfrauen, wie sie später genannt wurden – und 600 Kilogramm Bananen auf einem Leiterwagen durch die Strassen von Frauenfeld, verschenkte sie und brachte Aufklärungsinformationen unter die Leute. Die Pionierin kämpfte für fairen Handel, als der Begriff Fairtrade noch nicht existierte.

Die Claro AG mit Sitz in Orpund bei Biel setzt sich für gerechtere Handelsbeziehungen im Weltsüden ein. Ihre Handelspartner sind wirtschaftlich und sozial benachteiligte Kleinproduzenten. Die Zusammenarbeit ermöglicht eine sozialverträgliche, ökologische Produktion hochwertiger Erzeugnisse und verschafft langfristig Zugang zu den Märkten im Norden. Aufträge an ihre langjährigen Partner werden von Claro vorfinanziert und Fairtrade-Prämien ausbezahlt. (mz)

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