Obergericht

Für eine üble Tat mild bestraft

Ein 26-Jähriger aus dem Bezirk Meilen soll eine Frau heftig misshandelt und vergewaltigt haben. Er widerspricht.

Richter kritisiert Staatsanwalt am Zürcher Obergericht: Ein Täter aus dem Bezirk Meilen soll nach einer Vergewaltigung zu sanft angefasst worden sein.

Richter kritisiert Staatsanwalt am Zürcher Obergericht: Ein Täter aus dem Bezirk Meilen soll nach einer Vergewaltigung zu sanft angefasst worden sein. Bild: Archiv Tamedia

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Wenn alles so war, wie es das Opfer schildert, war die Tat schlimm. Im Herbst 2015 traf die junge Frau ihren damaligen Freund. Zusammen fuhren sie auf einen abgelegenen Parkplatz im Bezirk Meilen. Später kam ein Freund des Beschuldigten dazu. Das Opfer wurde gemäss Anklage geschlagen, gedemütigt, bedroht, sexuell genötigt und vergewaltigt. Zudem soll der Ex-Freund die junge Frau mit einer Flüssigkeit begossen und mit einem Feuerzeug vor ihr herumgezündelt haben. Das alles nur, weil sie vor der Beziehung mit dem heute 26-Jährigen schon sexuelle Kontakte hatte.

Am Bezirksgericht Meilen wurde der Beschuldigte zu einer Freiheitsstrafe von dreieinhalb Jahren und einer Busse von 600 Franken verurteilt. Das Urteil zog er ans Obergericht weiter. Er gibt dort zu, dass er sie gedemütigt hat. Sein Kollege habe ein Video davon erstellt, wie er ihr Dreck angeworfen hat. Dabei musste sie gestehen, dass es sexuelle Kontakte gab. Das Video wurde im Kollegenkreis herumgereicht. Es gab also einen Beweis dafür. Für alles andere müssen sich die Gerichte auf die Glaubhaftigkeit der Protagonisten abstützen.

Musterhaft integriert

Das mutmassliche Opfer muss nochmals aussagen. Der Beschuldigte darf nicht gleichzeitig im Saal sein. Sie bestätigt den Ablauf, wie er in der Anklage festgehalten ist. Nicht erklären kann sie, warum sie wenige Stunden nach der Tat einvernehmlichen Sex mit dem Ex-Freund hatte. Auch warum sie ihre Ärzte nicht von ihrer Schweigepflicht entbindet, bleibt offen.

Der Beschuldigte streitet die üblen Taten ab. Der Kosovare glaubt, sie habe die Vorwürfe erfunden, weil sie schwanger war. Um vor ihrer Familie das Gesicht zu wahren, habe sie behauptet, vergewaltigt worden zu sein. Auch habe sie sich für die Demütigung rächen wollen.Sein Verteidiger stellt den 26-Jährigen als Musterbeispiel für Integration hin. Er hat keine Vorstrafen, ist in die Arbeitswelt integriert und verlobt. Er soll wegen Nötigung eine milde Geldstrafe erhalten.

«Mafia-Methoden»

Beim Obergericht kommt der Verteidiger damit nicht durch. Die Richter schätzen das Opfer als glaubhaft ein.«So eine Geschichte kann man nicht erfinden», meint der Gerichtspräsident. Und der 26-Jährige hat Glück. Denn das Strafmass von dreieinhalb Jahren kann nicht erhöht werden, weil, der Staatsanwalt keine Berufung eingereicht hat. Die Oberrichter kommen bei ihrer Berechnung auf sechseinhalb Jahre Gefängnis.

Die Tat sei frauenverachtend, der Beschuldigte habe verlangt, dass sich seine Freundin ihm unterwerfe. Der Referent spricht von «Mafia-Methoden». Er könne nicht verstehen, dass der Staatsanwalt in einem solchen Fall nur dreieinhalb Jahre beantragt hat. Der Beschuldigte nimmt das Urteil kopfschüttelnd entgegen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Erstellt: 29.04.2019, 20:36 Uhr

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