Zollikon

Für eine Stunde Ari­elle sein

«ZSZ»-Mitarbeiterin Fabia Bernet verwandelte sich bei einem speziellen Schwimmkurs in der Badi Fohrbach in Zollikon für eine Stunde in eine Meerjungfrau.

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Ich sitze am Bassinrand im Schwimmbad Fohrbach in Zolli­kon und schaue auf meine Beine, die keine mehr sind. Vor fünf Minuten habe ich diese gegen ein Meerjungfrauen-Kostüm eingetauscht. Für die nächste Stunde stecken sie in einem regenbogenfarbenen Kostüm aus Badeanzugstoff. Anstelle meiner Füsse habe ich eine Schwanzflosse — wie eine echte Meerjungfrau halt. Der Stoff in Schuppenoptik schimmert unter Wasser, wenn ich mich hin und her bewege. Der hübsche Anblick macht das leicht klaustrophobische Gefühl, das ich zu Beginn hatte, schon fast wieder wett und lässt mein Mädchen-Herz hüpfen.Als Achtjährige hätte ich wohl Freudensprünge gemacht. Wie oft habe ich mir damals gewünscht, wie Arielle durchs Wasser tauchen zu können. Ich bewunderte stets ihre Eleganz und die Leichtigkeit, mit der sie sich ihren Weg durchs Wasser bahnte. Dass Arielle diese Bewegungen leicht fallen, schreibe ich nun ihrer jahrelangen Übung zu.Denn als ich mich mit meinem Kostüm das erste Mal ins Wasser wage, sinke ich. Meine Beine fehlen mir plötzlich – schimmerndes Kostüm hin oder her. Erst langsam verstehe ich, wie die zuvor an Land geübten Bewegungen im Wasser funktionieren.

Der Körper muss wellenförmig bewegt und die Arme über den Kopf gestreckt werden. Als ich den Dreh raus habe, folgen die Tauchübungen. Mal suche ich eine Muschel am Grund des Beckens, mal tauche ich durch einen Ring. Zugegeben, der ganze Aufzug mit Monoflosse inklusive Kostüm wäre mir vermutlich peinlich gewesen, wäre ich alleine unterwegs. Zum Glück schwimmen neben mir im Chlorwasser sechs junge Mädchen. Alle sind mittlerweile durchaus in der Lage, Arielle Konkurrenz zu machen.

Einige sind nicht das erste Mal mit «Mermaiding», so nennt sich die Sportart, in Berührung gekommen. Ein paar der Mädchen haben gar ihr eigenes Kostüm zu dem Abzeichenkurs der Schwimmlehrerin Christine Würgler mitgebracht. So auch Anja. Sie wurde von ihrer Mutter zum fünftägigen Kurs angemeldet. «Die dazugehörige Ausrüstung habe ich schon länger», sagt Anja. Allerdings habe sie nie genau gewusst, wie diese zu bedienen sei. Da kam der Kurs in der Badi Fohrbach gerade recht.Seit zweieinhalb Jahren gibt Cristina Würgler zusammen mit ihrem Mann Schwimmkurse für kleine Meerjungfrauen. «Ich habe ein solches Kostüm bei einem Mädchen in Uster gesehen und musste das sofort auch haben», erinnert sich Würgler. Schon als Kind war es ihr Traum, einmal Arielle zu sein.

Als Schwimmlehrerin liebt sie es, im Wasser zu sein. So hat sie kurzerhand ihr eigenes Geschäft eröffnet. In Greifensee bietet sie in ihrem Laden nun Flossen, Kostüme, passende Bikinis und alle weiteren Accessoires an, die die Mädchen erst zu richtigen Badenixen machen.

Nach einer Stunde brennen meine Augen vom Chlorwasser. Auf die empfohlene Schwimmbrille habe ich dummerweise verzichtet. Wenn schon Arielle-Feeling, dann aber richtig, dachte ich mir und liess die Brille zu Hause. Etliche Tauchgänge später bereute ich diesen Entscheid bitter. Auch meine Ell­bogen schmerzen. Um mich zwischendurch kurz zu erholen zu können, musste ich diese am Rand des Bassins platzieren und mich so stützend über Wasser halten. Zwei Beine anstelle einer Flosse zu haben, wäre in solchen Situationen eine echte Bereicherung.

Dass die kleinen Mädchen meiner Gruppe im Gegensatz zu mir, immer noch quietschfidel an mir vorbeischwimmen, beunruhigt mich ein wenig. «Die Kinder erfreuen sich so an ihrem Meerjungfrauendasein, dass sie alles um sich herum vergessen», beruhigt mich Cris­tina Würg­ler. So setze ich mich wieder an den Rand, schäle mich aus meinem Kostüm und tauche meine Beine ins Wasser. Ein seltsames Gefühl, nachdem sie mir während einer Stunde «fehlten». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.07.2016, 17:41 Uhr

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