Männedorf

Für die Balance gibts viele Rezepte

In Männedorf ist das erste «Unternehmerforum rechter Zürichsee» über die Bühne gegangen. Prominente Gäste referierten unterhaltsam und realistisch über das trendige Thema Work-Life-Balance.

Für René Baumann alias DJ Bobo ist Work-Live-Balance ein Lebensmotto

Für René Baumann alias DJ Bobo ist Work-Live-Balance ein Lebensmotto

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Diskussionen über die sogenannte Work-Life-Balance beschäftigen mittlerweile ein ganzes Heer von Arbeitsrechtlern, Personalverantwortlichen oder betrieblichen Gesundheitsberatern. Weil sich die Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben mit der Digitalisierung zunehmend verwischen, fragen sich manche, ob sie noch in einem gesunden Gleichgewicht sind. Doch was tun, um die Balance zu halten? Reichen mehr Freizeit oder Zeit für die Familie? Braucht der Single mehr Ferien? Genügen mehr Sport, weniger Fast Food und ein Wellness-Weekend pro Halbjahr? Oder gibts eine anständige Balance nur mit einem Teilzeitjob?

Solche Fragen bewegten auch die Teilnehmenden des «Unternehmerforums rechter Zürichsee» im Gemeindezentrum Männedorf, das am Dienstag zum ersten Mal stattfand. Unter dem Motto «Work-Life-Balance für Unternehmer – utopisch oder machbar?» traten am gut besuchten und von Martin Diener (Radio Zürisee) moderierten Anlass erstaunlich prominente Rednerinnen und Redner ans Mikrofon, um Antworten zu geben.

So Regierungsrätin Carmen Walker Späh, die das Thema aus volkswirtschaftlicher Sicht anpackte. Gerade die Vereinbarkeit von Familie und Beruf werde für die Unternehmen immer wichtiger und beschäftige auch die Politik. Die Work-Life-Balance sei aber für die Jungen ein grosses Thema und deshalb mit Blick auf deren Rekrutierung als Fachkräfte relevant. Die Volkswirtschaftsdirektorin betonte jedoch, dass derlei Diskussionen nur möglich seien, wenn die Firmen wirtschaftlich erfolgreich seien. Gerade auch deshalb setze sie sich für gute wirtschaftliche Rahmenbedingungen ein. Und: «Es braucht im Bereich Work-Life-Balance sicher keine Regulierungen.»

Wichtig ist der Richtige

Doch wie hat die Regierungsrätin persönlich ihr Gleichgewicht zwischen Beruf und Familie gefunden? Zu dieser Frage aus dem Publikum lieferte Walker Späh eine Antwort, die für Heiterkeit sorgte: «Ich habe den richtigen Mann gefunden.» Mit ihm sei sie sich punkto Familie und Karriere immer einig gewesen, meinte die Mutter dreier Söhne. Hilfreich sei früher auch die Möglichkeit gewesen, Teilzeit zu arbeiten. Die richtige Partnerschaft ist auch für den Präsidenten des FC Zürich, Ancillo Canepa, zentral, wenn es um sein Wohlbefinden geht. Seit er den Super-League-Klub gemeinsam mit seiner Frau führe, mit der er alles besprechen könne, sei der Job viel angenehmer, sagte Canepa. Mit dem Begriff Work-Life-Balance kann er wenig anfangen: «Die Trennung von Arbeit und Freizeit macht gerade für Führungspersonen keinen Sinn.»

Wenn es um ein besseres Wohlbefinden geht, empfehle er ein persönliches Change Management, meinte der Ex-Wirtschaftsprüfer. Dazu brauche es erst mal eine gründliche Analyse des Ist-Zustands. Das habe er während einer Krise des FCZ gemacht – und die nötigen Konsequenzen gezogen. Was für Tipps hat er sonst noch auf Lager? Canepa: «Nicht in soziale Netzwerke gehen, Sitzungen erst ab 10 Uhr, mit guten Leuten arbeiten.» Und zwecks Erholung gehe er am liebsten mit dem E-Bike und dem Hund eine Runde drehen. Ein Vierbeiner sei, so der FCZ-Präsident, ohnehin zu empfehlen: «Wenn ich meinen Hund sehe, geht es mir gleich besser.»

Wasser statt Wein

Ein originelles Rezept für eine bessere Balance hat der Dozent, Autor und Unternehmer Mathias C. Mendt aus Männedorf, der sich auf Wassertechnologie und die Aufbereitung von gesundem Trinkwasser spezialisiert hat: drei Liter reines Wasser pro Tag trinken – am besten aus einem Bergbach oder einer Quelle. Grund: Der Mensch, selber zu 70 Prozent Wasser, ist laut Mendt heute schlicht «dehydriert und übersäuert» – und deshalb anfällig auf Krankheiten. Deshalb laute die Devise: «Mehr Wasser statt Bier und Wein.» Und ein Hund sei in der Tat gut für die Balance, denn der habe für Stress überhaupt kein Verständnis, bekräftigte Mendt schmunzelnd den Tipp seines Vorredners.

Nüchtern waren die Einschätzungen von Ständeratskandidat Ruedi Noser (FDP), der sich mit Blick aufs Thema nur bedingt kompetent fühlte: «Im Wahlkampf wird die Work-Life-Balance zur Farce», stellte er klar. Dafür wusste er ein paar Tricks zur Frage, wie man den Stress eines Wahlkampfs in den Griff bekommt. Erstens: Zu sich stehen – auch zu den Schwächen. Zweitens: Akzeptieren, dass die eigene Meinung nicht zwingend die Meinung der Mehrheit ist. Drittens: Politik und Unternehmen funktionieren unterschiedlich. Ansonsten arbeite er eben immer, und zwar gerne. Zum Ausgleich gehe er am liebsten in die Berge wandern, und – ja – einen Hund habe seine Familie auch.

Auf den Bauch hören

Ebenfalls im Wahlkampf ist Wolfram Kuoni. Der Wirtschaftsanwalt, der für die SVP in den Nationalrat will, hat keine Probleme, seine diversen Aktivitäten als Anwalt, Vermögensverwalter, Hotelbesitzer und SVP-Kandidat unter einen Hut zu bringen: «Ich arbeite halt auch sehr gerne.» Wichtig für das persönliche Gleichgewicht sind aus seiner Sicht: mit Leuten arbeiten, denen man vertraut und an die man delegieren kann, das familiäre Umfeld in persönliche Entscheide einbinden, die eigene Belastung mit andern Schwerarbeitern vergleichen und – vor allem – «authentisch bleiben». Da fragte sich nur noch: Hat der Bündner wenigstens einen Hund, um zu entspannen? «Der ist», so Kuoni, «in Planung.»

Für den lockeren Schlusspunkt sorgte der ehemalige Bäcker und Konditor René Baumann, der als DJ Bobo berühmt wurde. Im Interview mit dem Moderator meinte der Musiker, dass die Work-Life-Balance für ihn so etwas wie sein Lebensmotto sei: «Ich versuche immer, diese Balance zu finden und zu leben.» Dabei, so Bobo, höre er primär auf seinen Bauch: «Wenn mein Bauchgefühl stimmt, kommt es meistens gut.» Ohnehin ist es für ihn eigentlich recht einfach, den Weg zum Glück zu finden. Das geht so: Sich selber sein, den Mut zu Fehlern haben und mit dem, was man erreicht hat, auch mal zufrieden sein.

Das Publikum freute sich sichtlich über diese unkomplizierten Tipps – und klatschte freundlich, bevor es ans Apérobuffet ging. Dieses war gut gefüllt und nicht nur mit gesundem Wasser angereichert. (rpf)

Erstellt: 23.09.2015, 16:56 Uhr

Unternehmerforum rechter Zürichsee

Das Unternehmerforum wird getragen von Gewerbevereinen im Bezirk Meilen, dem Arbeitgeberverband Zürcher Oberland sowie Unternehmen aus der Region. Es wird zudem unterstützt von der Volkswirtschaftsdirektion. Organisator ist Hanspeter Hunziker, Chef der Messe- und Eventfirma Delta Blue. Mit dem Forum sollen die Interessen der Unternehmen in der Region gebündelt sowie Impulse fürs Networking und die Wirtschaftsförderung vermittelt werden.?(rpf)

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