Zumikon

Für den Fahrzeug-Pionier haben konventionelle Autos keine Zukunft

Der Konstrukteur Frank M. Rinderknecht nimmt zum 40. Mal am Genfer Autosalon teil. Diesmal präsentiert er ein zweiteiliges Elektromobil.

Der Konstrukteur Frank M. Rinderknecht, hier in seiner Lagerhalle in Zumikon, sorgt mit seinen Prototypen und Ideen zur Zukunft der Mobilität immer wieder für Aufsehen.

Der Konstrukteur Frank M. Rinderknecht, hier in seiner Lagerhalle in Zumikon, sorgt mit seinen Prototypen und Ideen zur Zukunft der Mobilität immer wieder für Aufsehen. Bild: Michael Trost

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In den zwei Lagerhallen von Frank M. Rinderknechts Firma Rinspeed in Zumikon steht eine stattliche Anzahl von Fahrzeugen, die nur auf den ersten Blick wie normale Automobile aussehen. Schaut man genauer hin, fallen spezielle Eigenschaften auf - zum Beispiel futuristische Designs, ungewöhnliche Dimensionen oder Details wie integrierte Propeller. Der Grund für die Besonderheiten: Bei den ausgestellten Fahrzeugen handelt es sich um Prototypen respektive «Concept Cars», mit denen Rinderknecht seit nunmehr vier Jahrzehnten für Aufsehen sorgt.

Das gilt auch für den Genfer Autosalon, im Fachjargon Geneva International Motor Show, wo der in Küsnacht wohnhafte Konstrukteur seit vier Dekaden jedes Jahr eine neue Innovation präsentiert hat: Vom ersten Auto mit einem integrierten Sonnendach und dem ersten Unterwasser-Fahrzeug bis zum selbstfahrenden E-Mobil mit integriertem Mini-Gärtchen unter der Windschutzscheibe. Letzteres präsentierte Rinderknecht dem staunenden Publikum in Genf vor einem Jahr.

Einzelne Innovationen des heute 62-jährigen Erfinders haben auch den Weg in die Massenproduktion gefunden: Das gilt etwa für das multifunktionale Lenkrad, das Rinderknecht schon in den 1980-er Jahren entwickelte - und das heute in jedem Auto zum Standard gehört. Andere Ideen hat der Mann, der in Medien auch mal als «Visionär mit verrückten Ideen» bezeichnet wird, zusammen mit Partnern patentieren lassen.

Snap, der neuste Prototyp von Rinderknecht, besteht aus mobilem Antrieb und variablen Fahrgastzellen mit digitalisierten Innenräumen. Bild: zvg.

Aus eins mach zwei

In diesem Jahr lancieren der Konstrukteur aus Zumikon und seine Partner einen Prototypen, der nach Ansicht von Rinderknecht grosses Zukunftspotenzial hat: Es handelt sich um «Snap, ein Elektromobil, das zwei Komponenten miteinander verbindet: Erstens das Fahrwerk, genannt «Skateboard», und zweitens sogenannte Fahrgastzellen, genannt «Pods». Letztere sind je nach Bedürfnis der Benutzer austauschbar und können ausser zum Herumfahren und Transportieren von Gütern auch für ganz andere Tätigkeiten benutzt werden – etwa zum Campieren, Übernachten oder als Büro. Sie sind optisch und punkto Ausstattung variabel und funktionieren nicht nur mobil, sondern auch als stationäre Einheiten, die vom Fahrwerk abgekoppelt werden können.

Die Trennung des Fahrzeugs in einen digitalisierten mobilen Unterbau und austauschbare Aufbauten macht gemäss Rinderknecht schon deshalb Sinn, weil die Lebensdauer dieser Komponenten immer mehr auseinanderklafft: «Das von kurzlebiger Software gesteuerte Fahrwerk hat eine viel geringere Nutzungsdauer als die mit robustem Material hergestellte Kabine.» Diese könne auch mal 15 oder 20 Jahre lang benutzt werden – und bei Bedarf einfach auf ein neues Fahrwerk montiert werden, erläutert er. Die Zweiteilung macht laut dem Pionier mobiler Konzepte aber auch aus Sicherheitsgründen Sinn. Grund: Gewisse IT-Komponenten von Antrieben sind relativ rasch nicht mehr updatefähig. Das bedeutet, dass sie überholt und für die Nutzer mit Risiken behaftet sind.

Rinderknecht ist überzeugt, dass die Zukunft der Mobilität selbstfahrenden und reziklierbaren Elektromobilen gehört, die von intelligenten IT-Systemen gesteuert werden. Wie zum Beispiel die in den USA und Japan bereits lancierten vollautomatisierten Robotaxis: «Wir müssen neue Ideen entwickeln und uns von festgefahrenen Denkmustern lösen», sagt Rinderknecht, «das gilt auch für die Autoindustrie». Die Probleme mit Staus, Abgasen und verschwendeten Ressourcen im Verkehr könnten nur mit einer Mobilität gelöst werden, die sozuagen wie «Uber ohne Fahrer» funktioniere.

Prominente Partner

Dass Rinderknecht mit dieser und anderen Ideen nicht allein ist, zeigt die stattliche Liste von rund 30 Partnern, mit denen seine Firma Rinspeed projektorientiert zusammenarbeitet: Sie reicht von bekannten IT-Schwergewichten wie SAP und Autoherstellern wie Porsche bis zu innovativen Traditionsfirmen wie Georg Fischer, Harman oder Osram.

Besonders wichtig ist für Rinderknecht, der sich selber als Dienstleister versteht und keine eigenen Mitarbeiter mehr beschäftigt, der Fahrzeug- und Antriebshersteller Esoro in Fällanden. Mit diesem Betrieb realisiert Rinderknecht schliesslich die fertigen Prototypen, von denen der neuste ab dem kommenden Donnerstag in Genf zu sehen ist.

Für das Snap-Projekt, das auch an der Elektronikmesse in Las Vegas gezeigt wurde, und andere Prototypen dauert der Entwicklungsprozess von der Idee bis zur Produktion in der Regel nicht viel länger als ein halbes Jahr: «Wir sind da schon ziemlich hoch getaktet», meint Rinderknecht schmunzelnd und weist darauf hin, dass eine straffe Planung und Umsetzung auch deshalb nötig sei, um die Kosten im Griff zu haben. «Im Fall von Snap», so Rinderknecht, «reden wir immerhin von rund vier Millionen Euro, die wir mit unseren Partnern investiert haben.»

Testversuch als Ziel

Damit sich solche Investitionen auszahlen, hofft Rinderknecht auch auf das Interesse von potenziellen Kunden in Genf. Er erwarte diesmal rund 2000 Besucher, meint er zuversichtlich. Sein Ziel ist es, den neusten Prototypen bis zu einer möglichen Serien- und Marktreife weiterzuentwickeln. «Wir sind daran, das Potenzial mit möglichen Investoren zu prüfen», sagt er. Man denke vorerst an einen Testversuch mit bis zu 100 Modellen.

Ansonsten wird Rinderknecht auch in diesem Jahr etwa die Hälfte der Zeit im Ausland unterwegs sein, um Partner zu treffen, über Projekte zu verhandeln und im Auftrag von Kunden Vorträge zur Zukunft der Mobilität zu halten. Und natürlich wird er sich um seinen nächsten Prototypen kümmern: «Was das genau ist, sage ich noch nicht, aber eines ist sicher: Ideen habe ich genug.»

Geneva Motor Show Genf, vom 8. bis 18. März. Die Zumiker Firma Rinspeed stellt in Halle 6 aus. www.rinspeed.com

Erstellt: 04.03.2018, 13:52 Uhr

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