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Fuchsräude grassiert am Pfannenstiel

Jagdaufseher in der Region sind alarmiert: Seit Anfang Jahr häuft sich die Zahl der an Räude erkrankten Füchse.

Stäfner beobachten in ihren Gärten immer häufiger kranke Füchse.
Stäfner beobachten in ihren Gärten immer häufiger kranke Füchse.
pd

«Wo kranke Tiere ungeniert im Garten umherspazieren.» Das steht unter dem Foto eines struppigen Fuchses, das jemand in der Facebook-Gruppe «Du bisch vo Stäfa, wän...» gepostet hat. Bei den Kommentaren ist von fünf kranken Füchsen in einem Privatgarten die Rede, und auch der Begriff Fuchsräude fällt. Doch treiben sich tatsächlich mehrere an der Seuche erkrankte Tiere in Stäfa herum?

«Die Krankheit ist viel stärker verbreitet als in anderen Jahren», bestätigt Stefan Schleich. Er ist Jagdaufseher in Stäfa und Obmann des Jagdbezirks Pfannenstiel. Seit Anfang Jahr habe er allein in Stäfa 20 Füchse «erlösen müssen». Mindestens einmal pro Tag erhalte er Anrufe von Einwohnern, die einen kranken Fuchs in ihrem Garten oder in der Wildnis beobachtet haben.

Enormer Aufwand

Dann heisst es Ausrücken für den Jagdaufseher. Denn die Vorgabe des Kantons sei klar, sagt Schleich: «Die befallenen Füchse müssen ohne Rücksicht auf die Schonzeit dezimiert werden.» In Privatgärten stellt er Fallen auf, in der freien Wildbahn macht er sich auf die Suche nach den erkrankten Tieren. Die zeitliche Belastung sei enorm. «Ich bin etwa fünf bis zehn Stunden pro Woche dafür im Einsatz.»

Auch Hans-Jürg Haas, Jagdaufseher von Küsnacht und Erlenbach, hat alle Hände voll zu tun: «Wir erhalten täglich Meldungen über kranke Tiere.» Besonders betroffen sei das Tobelgebiet bis zur Allmend und bis nach Itschnach. Während in Erlenbach in diesem Jahr noch kein einziger kranker Fuchs gesichtet wurde, mussten in Küsnacht bereits zwölf erkrankte Füchse erlegt werden.

Diese Entwicklung sei im Vergleich zu früheren Jahren dramatisch, sagt Haas. «Ich jage seit über 50 Jahren, aber so etwas habe ich noch nie erlebt.» Der Jagdaufseher betont, dass das Erschiessen die einzige Möglichkeit sei, das Tier von seinen Leiden zu erlösen und eine weitere Ausbreitung der Seuche zu verhindern. «Leider gibt es Leute, die erkrankte Füchse aus falsch verstandener Tierliebe füttern.» Damit tue man ihnen keinen Gefallen.

Interessanterweise präsentiert sich die Lage ein paar Kilometer stadtaufwärts in Zumikon ganz anders: «Bis jetzt hatten wir in diesem Jahr keinen einzigen Fall von Fuchsräude», sagt Obmann Peter Schönmann. Auch in den Jahren zuvor habe es laut Aussagen von Vorgängern kaum erkrankte Füchse gegeben. Dass er die Fuchsräude nicht bemerkt habe, hält Schönmann für ausgeschlossen. «Ich bin sehr oft in der Natur unterwegs.» Ausserdem würden sofort Hinweise aus der Bevölkerung eingehen, wenn ein krankes Tier gesichtet worden sei. «Diese Füchse werden zutraulich und tagaktiv und sehen in fortgeschrittenem Stadium schrecklich aus.»

Keine Alternativen

Weshalb die Krankheitsfälle von Gemeinde zu Gemeinde so verschieden sind, kann Urs Philipp, Leiter der kantonalen Fischerei- und Jagdverwaltung, nicht sagen. «Es ist aber davon auszugehen, dass die Räude im ganzen Pfannenstielgebiet grassiert.» Als Bekämpfungsstrategie kommt laut Philipp nur das Erschiessen der kranken Tiere infrage: «Und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit, auch während Sonn- und Feiertagen.» Andere Möglichkeiten wie etwa das Ausbringen von Medikamentenködern seien bei Füchsen nicht praktikabel.

Um eine Ansteckung zu verhindern, rät Urs Philipp allen Hundehaltern, ihr Tier im Wald an der Leine zu führen. «Auf keinen Fall sollen sie Kontakt zu toten Tieren, Fuchskot oder Fuchsbauten haben.» Gemäss seinen Erfahrungen hat die Übertragung auf Hunde in der letzten Zeit eindeutig zugenommen. Die Krankheit sei aber gut behandelbar.

Der Amtschef geht davon aus, dass der Fuchsbestand sich in einigen Jahren wieder erholt hat. Füchse würden in regelmässigen Abständen von Seuchenzügen heimgesucht, zuletzt von der Infektionskrankheit Staupe. «Die Tiere gleichen das wieder aus, indem die Weibchen pro Wurf mehr Junge gebären.»

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