Weinbau

Frost hat bis zu 90 Prozent der Ernte in Rebbergen vernichtet

Der Frost im April drückt die Traubenernte. Die Ausfälle in der Region Zürichsee betragen je nach Sorte und Lage bis zu 90 Prozent. Kleiner Trost: Was gewachsen ist, verspricht einen guten Wein.

Jetzt zeigt sich, was der Frost im Frühling in den Rebbergen am Zürichsee angerichtet hat. 2017 wird  mengenmässig ein schlechtes Jahr sein.

Jetzt zeigt sich, was der Frost im Frühling in den Rebbergen am Zürichsee angerichtet hat. 2017 wird mengenmässig ein schlechtes Jahr sein. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit der Weinlese zeigt sich, welche Schäden die Rebkulturen am Zürichsee durch den Kälteeinbruch in der zweiten Aprilhälfte genommen hat. Rebbauberater Klaus Schilling nennt den tiefen Frost «ein Jahrhundertereignis». Der Schaden für die Winzer bleibe immens. «Es wird ein knappes Jahr für die Liebhaber der Weine am Zürichsee.»Allgemein schätzt der Rebbauberater den Ausfall bei Riesling-Silvaner und Spezialitäten auf 70 bis 80 Prozent. Beim Blauburgunder könne mit 50 Prozent gerechnet werden.

Ein Drittel im Fass

Allerdings gibt es selbst auf kleinem Raum grosse Unterschiede, erklärt Schilling. Windgeschützte Reben blieben verschont, höhere Lagen wurden in einigen Regionen weniger betroffen, weil der Austrieb erst nach dem Frost stattfand. Marilen Muff von Weinbau Schwarzenbach in Obermeilen bestätigt: «In einigen Rebparzellen haben wir nur 15 Prozent Ertrag, in anderen 70 bis fast 100 Prozent.»

Auch wenn sich die Einbussen erst am Ende des Wümmet bestimmen lassen erwartet der Präsident des Weinbauvereins Zürichsee, Dominic Mathies (Klosterkellerei Einsiedeln) Verluste bei Weiss- und Rotwein von 50 bis 75 Prozent. Die Mehrheit der Winzer werde über alle Sorten mit etwa zwei Drittel Mengeneinbussen rechnen müssen. «Einzig einige wenige Sorten mit spätem Austrieb wie Merlot zeigen kaum Mengenverluste», sagt Mathies.

Für Diederik Michel (Weingut Diederik, Küsnacht) haben sich die Befürchtungen bewahrheitet. Die Verluste schätzt er je nach Sorte auf 50 bis 90 Prozent. Marilen Muff erwartet rund 40 Prozent Ertrag im Vergleich zu einem normalen Jahr. Im Frühling sah es noch schlimmer aus, als 80 bis 100 Prozent der Triebe vom Frost beschädigt wurden. «Nebenaugen und schlafende Triebe haben nochmals ausgetrieben», erklärt sie. Alte Rebsorten wie Completer erwiesen sich als resistenter als Chardonnay oder Sauvignon Blanc. «Aber das, was wir ernten, weist eine sehr gute Qualität auf», sagt Muff.

Verluste sind etappiert

Das meldet auch Diederik Michel aus Küsnacht: «Es gibt eine Topqualität, weil wir einen sehr warmen Sommer hatten.» Dennoch müssen die Winzer vom Zürichsee mit happigen finanziellen Einbussen rechnen, wenn auch etappiert. «Zum Glück gibt es keine Zeit, in der überhaupt kein Wein zum Verkauf angeboten werden kann», sagt Michel. Der magere 17er-Weisswein wird im Jahr nach der Ernte verkauft, gleichzeitig mit dem normalen 2016er-Rotwein. Der rare 17er- Rotwein kommt zwei Jahre nach der Ernte in den Verkauf, dann gibt es schon den neuen 18er- Weissen, erklärt der Küsnachter. Das Winzerjahr 2017 wird laut Weinbauvereins-Präsident Dominic Mathies Folgen haben: «Fürs nächste Jahr haben einige Winzer ihre Reben bei der Hagelversicherung zusätzlich gegen Frostereignisse versichern lassen. Es ist wichtig, sich in Zukunft noch besser abzusichern.»

Für Hobbyweinbauern gilt das nicht. In Stäfa haben sie sogar keinen Grund zur Klage, wie ein Besuch an ihrer Wümmet zeigt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.09.2017, 17:06 Uhr

Artikel zum Thema

Der Frost lässt die Hobby-Winzer kalt

Stäfa Während am Zürichsee die Winzer grosse Ausfälle beklagen, hat der Frost einen kleinen Rebberg in Stäfa verschont. Dieser wird von einigen Hobby-Weinbauern gepflegt. Zur reichen Ernte hat auch die angebaute Rebsorte beigetragen. Mehr...

Gärtner stehen nach spätem Wintereinbruch unter Druck

Natur In den Gartenbaubetrieben herrscht im Frühling immer Hochbetrieb. Dieses Jahr werden die Fachleute zusätzlich herausgefordert. Der späte Frost und nasse Schnee haben in der Region grosse Schäden hinterlassen. Mehr...

Was der Frost angerichtet hat, wird sich erst im Sommer zeigen

Natur Zuerst Wärme, dann Frost, zuletzt Schnee: Das war im April für die Kulturpflanzen zu viel. Wein-, Obst- und Gemüsebauern sowie Viehzüchter rechnen mit Einbussen. Wie hoch die Ernteausfälle in der Region sind, ist noch nicht absehbar. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Gebärdensprache Lernen mit den Händen zu sprechen

Hier kocht Kochen ist wie ein Spiel ohne Grenzen

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!