Bezirksgericht Meilen

Freispruch für angeblichen Schläger

Ein 51-Jähriger wird vom Vorwurf freigesprochen, seine Ex-Partnerin geschlagen zu haben. Die Richterinnen wollen Übergriffe zwar nicht ausschliessen, doch die Beweislage ist zu dünn.

Mit einem schwierigen Fall musste sich das Bezirksgericht Meilen befassen.

Mit einem schwierigen Fall musste sich das Bezirksgericht Meilen befassen. Bild: Archiv Manuela Matt

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Es gibt einfachere Fälle zu beurteilen als diesen. Eine Frau geht nach fünf Jahren in denen sie ihr Ex-Partner geschlagen und genötigt haben soll zur Polizei. Auch das tut sie erst auf Anraten ihres Therapeuten.

In den Einvernahmen sind ihre Aussagen zu konkreten Vorfällen dürftig. Sie sagt, auch vor Gericht, immer wieder nur, dass er sie immer wieder geschlagen habe. Aus Angst um ihren Sohn sei sie beim Partner geblieben.

Auch wenn vier konkrete Übergriffe und eine versuchte Nötigung zur Anklage kommen, spricht das Bezirksgericht Meilen den 51-Jährigen frei. Die drei Richterinnen sind nicht überzeugt, dass in dieser Beziehung nie etwas passiert ist. Doch für die konkreten Vorfälle reichen die vorgebrachten Beweise nicht aus. Die Anklage sei knapp, es heisse bloss, er habe geschlagen oder geschubst. Als Ort wird pauschal die Wohnung genannt.

Für die Vorsitzende Richterin ist das zu wenig. Auch wenn es immer wieder Schläge und Einschüchterungen gab, müssten einige Ereignisse herausragen. An diese könnten sich Opfer in der Regel sehr gut und detailliert erinnern. Das sei hier nie der Fall gewesen. Auch als das angebliche Opfer zu den konkreten Ereignissen befragt wurde, konnte es kaum Angaben machen, die über die Anklage hinausgingen. So wusste die Frau selbst nicht mehr, ob sie sich eine Gehirnerschütterung in einem Hotel in den Bergen oder zuhause in Küsnacht zugezogen hatte. Einmal hatte sie sich nachweislich eine Rippe gebrochen, konnte den Vorfall aber nur sehr oberflächlich schildern.

Puzzle bleibt unvollendet

Die Vorsitzende Richterin vergleicht die Arbeit des Gerichts mit dem Zusammensetzen eines Puzzles. Auch wenn nicht alle Teile vorhanden sind, könne man zu einem Schuldspruch kommen. Doch in diesem Fall seien die Lücken einfach zu gross, um ein Gesamtbild zu bekommen.

Kaum geholfen hat der Anklage auch, dass ein Vorfall, der den Sohn des mutmasslichen Opfers betroffen hat, weggefallen ist. Dieser wurde ins Kinderspital eingeliefert, sagte aber, dass er die Treppe runtergestürzt war. Die Ärzte meldeten damals starke Zweifel an, dass er sich die Verletzungen so zugezogen haben konnte. Gemäss Anklage hat der 51-Jährige den Buben geschlagen und ihm danach eingebläut, die Geschichte mit der Treppe zu erzählen. Doch weil die Tat, falls sie stattgefunden hat, schon verjährt ist, durfte sie bei der Urteilsfindung keine Rolle mehr spielen.

«Höchst schwierige Paarbeziehung»

Auf die Aussagen der Ex-Partnerin konnten sich die Richterinnen nicht verlasen. Doch was ist mit den Berichten aus dem Notfall des Spitals Männedorf? Die Ärzte dokumentierten eine Gehirnerschütterung, Prellungen und eine gebrochene Rippe bei der Frau. Sie war sieben Mal im Notfall. Zweimal wegen der gebrochenen Rippe und einmal wegen der Gehirnerschütterung. Sie war also viermal dort, ohne, dass Verletzungen gefunden wurden. Gegenüber den Ärzten habe sie über Kopfschmerzen, Husten, Hals- sowie Brustschmerzen geklagt. Handfeste Beweise für Misshandlungen gab es nicht.

Dass es zu Vorfällen gekommen ist, sei möglich, doch die Beweise könnten nicht erstellt werden. Die Vorsitzende Richterin spricht von einer höchst schwierigen Paarbeziehung, die nie so lange hätte dauern dürfen. Das sei ein Nährboden für häusliche Gewalt. Das vermeintliche Opfer verfolgt die Urteilseröffnung fassungslos. Beim Hinausgehen sagt die Frau den Richterinnen, sie sollten sich schämen.







Erstellt: 14.11.2019, 18:42 Uhr

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