Hombrechtikon

Fortsetzung mit der Kult-Familie aus Kanada

Christine Schönbächler aus Hombrechtikon ist mit ihrer Familie nach Kanada ausgewandert. Mit ihrem Auftritt in der SRF-Serie «Auf und davon» hat sie Kultstatus erreicht. Jetzt gibt es ein Wiedersehen.

Die Familie Schönbächler hat sich im 135-Seelen Ort Rosswood bestens eingelebt und denkt nicht daran, in die Schweiz zurückzukehren. Dennoch haben sie ihr Heimatland nicht ganz vergessen.

Die Familie Schönbächler hat sich im 135-Seelen Ort Rosswood bestens eingelebt und denkt nicht daran, in die Schweiz zurückzukehren. Dennoch haben sie ihr Heimatland nicht ganz vergessen. Bild: SRF

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Der bärtige Mann im Holzfällerhemd und breitem Berner Dialekt ist in der Schweiz Kult. Der naturnahe Hermann Schönbächler wurde durch die Auswanderer-Serie «Auf und davon» des Schweizer Fernsehen völlig unerwartet zu einer Berühmtheit. Die Serie zeigte, wie der 49-Jährige vor sechs Jahren mit seiner Familie nach Kanada auswanderte und so seinen langgehegten Wunsch, in der Wildnis als Baumfäller zu arbeiten, verwirklichte.

Vor allem bei Jugendlichen ist Schönbächler mit seinen Sprüchen in breitem Berner Dialekt ein Dauerbrenner. Dies, obwohl man schon lange nichts mehr von den Auswanderern gehört hat. Wie es den ehemaligen Teilnehmern der ersten Staffeln der Auswanderer-Serie geht, will Moderatorin Mona Vetsch nun auf den Grund gehen. Schon 2013 wurde eine Fortsetzung mit den Schönbächlers gedreht. Nach drei Jahren besuchte Vetsch nun die beliebte Familie im kanadischen Rosswood. Die Folge wird diesen Freitag in der sechsteiligen Sendereihe namens «Auf und davon Spezial» ausgestrahlt.

Im ganzen Rummel um Hermann Schönbächler gerät seine Frau Christine oft in Vergessenheit. Die 42-Jährige ist am Zürichsee aufgewachsen und arbeitete zehn Jahre lang im Spital Männedorf. Die ehemalige Hombrechtikerin wird in der neuen «Auf und davon Spezial»-Folge von Mona Vetsch als der ruhige Pol der Familie beschrieben. Seit sie mit 17 Jahren das erste Mal in Kanada war, träumte sie von einem Leben in der Natur. «Auch Hermann hatte seit seinen Jugendjahren denselben Traum», sagt Christine Schönbächler. «Nach der Heirat haben wir ihn gemeinsam realisiert.»

«Den Kindern ist das Englisch nun näher als Deutsch.»Christine Schönbächler

Für das grosse Abenteuer in Kanada haben die beiden jahrelang auf Luxus verzichtet und in Biel mit ihren Kindern Natascha und Richi in einer kleinen Wohnung gelebt. Als das Geld zusammen war, ging es endlich an die kanadische Westküste. So konnten sich die Schönbächlers ein rund neun Hektaren grosses Waldstück mit Holzhütte leisten. Im 135-Seelen Ort Rosswood, im Norden von British Columbia, fühlen sich die Schönbächlers wohl und haben sich bestens eingelebt. «Ich geniesse die Freiheit und die Weite, die wir hier haben», sagt Christine Schönbächler. «In der Schweiz war es uns zu eng.» Nun hat die Familie reichlich Platz um sich herum. Die nächstgelegene Stadt Terrace ist 50 Kilometer entfernt. Hier ist auch der Briefkasten der Schönbächlers.

Noch weiter in die Wildnis

Mittlerweile ist die Familie nicht nur zu viert, sondern hat mit Tochter Alexandra eine richtige Kanadierin bekommen. Nebst den Jagd- und Fischerfolgen sei der Neuzuwachs der grösste Erfolg seit der Auswanderung gewesen, sagt Hermann Schönbächler. Während die 5-Jährige Alexandra noch zu Hause bei ihrer Mutter bleibt, besuchen die 10-Jährige Natascha und der 8-Jährige Richi die Schule in Terrace. Die Geschwister haben sich schnell an die neue Sprache gewöhnt, wie die neue Folge der Doku zeigt. «Den Kindern ist das Englisch nun näher als Deutsch», sagt Christine Schönbächler. Obwohl die Familie zu Hause Schweizerdeutsch spreche, antworteten die Kinder oft gemischt. «Es ist uns aber wichtig, dass die Kinder das Schweizerdeutsch im Ohr behalten.» Die Schönbächlers haben das typisch Schweizerische nicht ganz verworfen. Es komme immer noch regelmässig Röschti mit Spiegelei oder Ghackets mit Hörnli auf den Tisch.

«Hier bin ich der meistrespektierte Mann im Wald.»Hermann Schönbächler

Ein grosser Teil der Nahrung komme aus dem Garten, Wald und Fluss. Den Lebensunterhalt sichern die Schönbächlers unter anderem durch den Verkauf von trockenem Brennholz. In einer kleinen Sägerei stellen sie Bauholz her. Ausserdem würden sie im grossen Stil Pilze sammeln und verkaufen, sagt Christine Schönbächler. Ihr Ehemann ist meistens den ganzen Tag alleine im Wald unterwegs, um nachhaltige Forstwirtschaft zu fördern. Ohne seine Motorsäge ist der Bieler fast nicht anzutreffen. Das naturliebende Ehepaar kann sich gut vorstellen, irgendwann völlig in der Wildnis zu leben. «Wir wohnen zurzeit in Rosswood, damit die Kleinen die Möglichkeit haben in die Schule zu gehen», sagt Christine Schönbächler. Hier könnten die Kinder das zivilisierte Leben geniessen und gleichzeitig lernen, wie man von der Natur leben kann. «Wir werden sehen, was die Zukunft bringt.»

Bekanntheit in der Schweiz

In die Schweiz zurückzukehren, können sich die Auswanderer aber nicht vorstellen. «Je länger wir hier sind, desto weniger wollen wir zurück», sagt Christine Schönbächler. Sie haben nun den Antrag zur Staatsbürgerschaft gestellt. Kompetenz, Arbeitsmoral und Pünktlichkeit der Berufsleute sei in Kanada aber im Vergleich zur Schweiz oft Mangelware. Dies fehle ihr in ihrer Wahlheimat schon ein wenig.

Auch in der Schweiz scheint man die Familie zu vermissen. Bei Hermann Schönbächlers letztem Besuch sei die Hölle los gewesen. Anlässlich der Schweizermeisterschaft des Sportholzfällens reiste der passionierte Förster 2013 in sein Heimatland. «Ich konnte mich gar nicht bewegen, ohne für Fotos und Autogramme angefragt zu werden», sagt Schönbächler. In diesem Moment habe er gemerkt, dass er in der Schweiz bekannt ist. Für die Aufregung um seine Person hat er eine Erklärung. Es gehe dabei nicht nur um ihn. «Ich mache das, was viele möchten, aber die Möglichkeit, die Fähigkeit und den Mut dazu nicht haben.» Auch in Rosswood sei er hoch angesehen, erklärt der Naturfreund in der neuen Folge der Auswanderer-Serie. Ein Förster, der etwas von seinem Handwerk verstehe, werde hier sehr geschätzt. «Hier bin ich der meistrespektierte Mann im Wald», sagt Schönbächler stolz.

Die sechsteilige Sendereihe des SF «Auf und davon Spezial» mit Mona Vetsch startet am Freitag, 8. April um 21.00 Uhr auf SRF 1. Die erste Folge handelt von der Familie Schönbächler. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.04.2016, 16:49 Uhr

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