Männedorf

Fische zeigen sich nur auf dem Bildschirm

Der 26. Dezember ist für die Fischer jeweils ein Freudentag. Denn dann läuft die Schonfrist der Seeforellen ab und die Fische dürfen wieder gefangen werden.

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Noch ist es ruhig in Männedorf, am Montagmorgen kurz nach 7 Uhr. Die Fenster der meisten Häuser sind noch dunkel. Doch im Fischerhüsli an der Seestrasse herrscht schon reges Treiben. Die Fischer bereiten sich vor. Denn ab heute dürfen sie wieder Seeforellen fangen. Die Schonzeit von drei Monaten, in denen die Forellen jeweils laichen, ist vorbei. Rund um den Zürichsee machen Fischer ihre Boote und die Sachen zum Fangen bereit. Von der Fischervereinigung Männedorf-Stäfa-Uetikon sind 22 Fischer früh aus dem Bett gestiegen. Nachdem sie sich mit Speck und Spiegeleier gestärkt haben, machen auch sie ihre Boote bereit.

Markus Rohr, Obmann Fischen, geht seit 20 Jahren an jedem Stephanstag auf den See. Nachdem er das Boot von seinem Liegeplatz im Männedorfer Hafen losgebunden hat, gehts los. Er fährt vorbei an zwei jungen Schwänen und kaum ist er auf dem See, zählt er, wie viele Boote sonst noch auf dem Wasser sind. 25 sind es zurzeit. «So viele sieht man sonst zu dieser Jahreszeit nie», erklärt er.

Wasserfläche abfischen

Markus Rohr installiert die Fanganlage, um die Forellen zu schleppen, wie es in der Fischersprache heisst. Auf Schweizerdeutsch heisst dies «schleike». Denn die Seeforellen werden nicht mit der Angel gefangen, sondern eben geschleppt während der Fahrt. Dafür lässt der Fischer mehrere Silch-Zügel mit kleinen Forellenlöffeln als Köder in vier Meter Abstand ins Wasser. Die Zügel werden an Hundeschnüren angemacht, die wiederum am Schleppmast befestigt sind.

Die Köderfische schwimmen nun etwa 45 Meter hinter dem Boot her in zwei bis vier Meter Tiefe und sollen die Seeforellen anlocken. «Da bei dieser Methode, die Seehundschleppen genannt wird, mehrere Anbissstellen vorhanden sind, kann eine grössere Wasserfläche abgefischt werden», sagt Markus Rohr. Die sogenannten Seehunde gehören zum ganzen Konstrukt und sehen aus wie Miniaturkatamarane. Sie schwimmen jeweils links und rechts vom Boot neben dem letzten Köder auf der Wasseroberfläche.

Wasser ist viel zu warm

Nach einer knappen halben Stunde ist die Anlage eingerichtet und die Fische könnten anbeissen. Könnten, weil das nicht sehr oft der Fall ist. «Es gab schon Jahre, da hat am 26. Dezember keiner aus unserer Fischervereinigung eine Seeforelle gefangen», sagt Rohr, der sonst im Werkhof der Gemeinde Meilen arbeitet. Ob man eine Forelle fängt, hange von vielen Faktoren ab: Der Ort und der Zeitpunkt müssen stimmen und die Forelle muss hungrig sein und den Köder schlucken. «Es gehört schon eine grosse Portion Glück dazu.»

Mit nicht ganz vier Stundenkilometern tuckert sein sechs Meter langes Boot über den Zürichsee. Von minus zwei Grad kurz nach 8 Uhr ist die Lufttemperatur auf sechs Grad gestiegen. Die Wassertemperatur beträgt nicht ganz sieben Grad, was für die jetzige Jahreszeit viel zu warm ist, wie der 51-Jährige sagt. Optimal wären Wassertemperaturen zwischen 0 und 2 Grad. Auch sei das Wasser zu ruhig. Vor drei Jahren am Stephanstag hat Markus Rohr eine 56 cm grosse Forelle im Zürichsee gefangen.

Fische schwimmen zu tief

Auf dem Bildschirm in der Führerkabine sind ab und zu Fische zu sehen, die vorbeischwimmen. Das Echolot zeigt an, wo Fische sind. Jedoch schwimmen diese viel zu tief. Die meisten in zehn bis 20 Metern Tiefe. Und diese sind auch die einzigen Fische, die weit und breit zu sehen sind. Etwa zwei Kilometer vor der Insel Lützelau wendet Rohr und nimmt wieder Kurs Richtung Fischerhüsli in Männedorf. Kurz darauf klingelt sein Handy. Sein Fischerkollege Hans Keller hat eine Seeforelle gefangen. 73 cm gross sei sie. Markus Rohr hat heute kein Glück. Er entscheidet, den Fang abzubrechen, und räumt alles wieder zusammen. Er will sein Glück aber schon bald wieder versuchen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.12.2016, 17:46 Uhr

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