Männedorf

Filigrane Eisenvögelund ein sonorer Tenor

Der 87-jährige Fritz Fürst erhält den Kulturpreis 2016 der GemeindeMännedorf. Der gelernteKarosserieschlosser hatgrossartige Eisenplastikengeschaffen und mit seinemTenor viele Konzerte geprägt.

Formt Vögel aus Eisen und Chromstahl: Fritz Fürst inmitten seiner Tiere.

Formt Vögel aus Eisen und Chromstahl: Fritz Fürst inmitten seiner Tiere. Bild: Michael Trost

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Er hat wohl die meisten Vögel aus Eisen und Chromstahl geformt: vom Zaunkönig über die Möwe und Eule bis zum Reiher. Letzterer sieht dem lebenden Original zum Verwechseln ähnlich: Der ruhende Kopf, die Krallen und nicht zuletzt das minutiös nachempfundene Federkleid, das silbrig-bläulich schimmert. Ein Effekt, den der Eisenplastiker mithilfe von Wärme erzeugt: «Es sind Anlauffarben, die von Hellbraun und Blau bis zu rötlichen Schimmern reichen.» Bei der Taube, die er raffiniert über einen Stein geformt hat, als hätte sie sich daraufgesetzt, meint man, sie blicke einen von der Seite her an. Damit die Augen so echt aussehen, benützt er Kugeln aus einem Kugellager, die er mit einer dünnen Blechschicht überzieht. Fotos dienen ihm als Vorlage.Fritz Fürst ist ein wahrer Künstler, wie er aus schlichten Eisen- und Stahlblechen seine Objekte schafft. Dabei hat der pensionierte Karosserieschlosser das Handwerk nirgends gelernt, sondern sich das Zuschneiden, Verschweissen und Leimen selber beigebracht.

Ein Güggel als Gegengeschäft

«Von Berufs wegen konnte ich ­bereits mit dem Material umgehen», sagt der 87-Jährige in der Männedörfler Wohnung, wo er vor 54 Jahren mit seiner Frau Mignon und den beiden Kindern eingezogen ist. Und erzählt, wie er zum Eisenplastiker wurde – rein zufällig.

Seine Frau hatte sich an einer Ausstellung in ein Textilbild der Künstlerin Margrith Schär verliebt, das teuer war. Da habe die Künstlerin einen Tausch vorgeschlagen: Er sollte ihr dafür einen Güggel aus Stahl anfertigen. Dabei hatte er zu jener Zeit, Anfang der 1990er-Jahre, noch nie eine Eisenplastik geschaffen. So lehnte Fritz Fürst ab. Auf Drängen seiner Frau nahm er dennoch einen Anlauf. «Ich wusste einfach, dass er das kann, denn auch in der Wohnung hat er so manches selber angefertigt, so präzis wie ein Profi», übernimmt Mignon Fürst nun das Wort und erinnert sich, wie sie ihn ständig anfeuern musste, es immer wieder neu zu versuchen. «Ich glaubte an ihn», sagt sie und schaut ihren Gatten mit einem Lächeln an.

Eine Leidenschaft entsteht

Nach einigem Tüfteln und kleinen Niederlagen – einen misslungenen Güggelkopf hatte er bereits in eine Ecke geschossen – gelang Fritz Fürst schliesslich der gewünschte Hahn. Den Güggel war er los, doch der Gefallen an der Arbeit mit Eisen blieb. Eine Leidenschaft begann, die ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Er war so angefressen, dass er sein Arbeitspensum auf 80 Prozent reduzierte, um vermehrt in der Werkstatt seinem neuen Hobby zu frönen. Nach der ersten Ausstellung 1993 folgten weitere. Er konnte immer alles verkaufen und war danach mit Bestellungen eingedeckt.

Einmal habe ihm ein Ornithologe entgegengehalten, die Mönchsgrasmücke sei ihm gar gross geraten. Worauf der Künstler, ein Perfektionist, den Vogelkenner mit den wahren Massen des Vogels konfrontierte: «Mein Exemplar hatte auf den Millimeter genau die richtige Grösse.» Nur das 45 Zentimeter hohe Murmeltier präsentiert sich auf dem Stubentisch überdimensioniert, ansonsten hält sich Fürst an die wahren Masse seiner Modelle. Noch grösser ist nur noch sein Oetwiler Storch: Der 350 Kilogramm schwere Vogel mit einer Höhe von 2,7 Metern und einer Flügelspannweite von über 3 Metern ziert in seinem mittlerweile verrosteten Federkleid seit 2008 den Zelgli-Kreisel in der Storchengemeinde.

Er sieht nicht mehr gut

Seit anderthalb Jahren ruhen Fritz Fürsts Hände. «Ich sehe nicht mehr gut», sagt er und erwähnt die schleichende Augenkrankheit Makuladegeneration. Dann wechselt er das Thema und kommt aufs Singen zu sprechen. Denn der Kulturpreis der Gemeinde Männedorf wird ihm auch für seine Gesangskünste verliehen. «Ich habe schon immer gesungen», erzählt er. Einst sang er im Radiochor Beromünster und seit er am Zürichsee zu Hause ist, ist er Mitglied des Stephanschors Männedorf-Uetikon. «In den 53 Jahren habe ich sieben Dirigenten erlebt, aber Christof Hanimann hält es am längsten mit uns aus.» Wegen seines stimmvollen Tenors übernahm Fritz Fürst immer öfter Soloparts an Konzerten und Gottesdiensten. Auf Anraten des Pfarrers habe er sogar eine Gesangsausbildung absolviert, um die Stimme zu fördern. Wer in der Gemeinde seine Eisenkunstwerke nicht kennt, hat bestimmt irgendwann seine Stimme gehört und Freude daran gehabt.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.01.2017, 20:28 Uhr

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