Trockenheit

Feuerwehren wären vorbereitet auf Waldbrände

Die Feuerwehren in der Region Zürichsee und Linthgebiet wissen, was ein Waldbrand bedeutet: immenser Materialaufwand und anstrengende Löscharbeit.

Waldbrände im Gelände fordern von der Feuerwehr viel Körpereinsatz und taktisches Geschick (im Bild ein Waldbrand in Stäfa 2006).

Waldbrände im Gelände fordern von der Feuerwehr viel Körpereinsatz und taktisches Geschick (im Bild ein Waldbrand in Stäfa 2006). Bild: Archiv Christian Dietz-Saluz

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«Ich habe in den 23 Jahren, die ich in der Feuerwehr bin, noch nie einen Waldbrand erlebt.» Das sagt Björn Linsi, Kommandant der Stützpunktfeuerwehr Horgen. Tatsächlich kann das Waldbrandrisiko am Zürichsee als gering eingestuft werden. Darum gehören solche Einsätze in den Feuerwehren hier nicht zum regulären Übungsprogramm. «Was wir aber jedes Jahr üben, ist der Wassertransport in entlegene Gebiete, zum Beispiel in Weilern im Hirzel», erklärt Linsi.

Auch in Meilen wird das Training auf die gängigen Kernaufgaben und das Tagesgeschäft der Stützpunktfeuerwehr fokussiert. «Mehr als eine Sensibilisierung auf das Thema Waldbrand ist im aktuellen Ausbildungsprogramm nicht vorgesehen», sagt Kommandant Philipp Büchele. Aus der allgemeinen Brandausbildung wüssten die Feuerwehrleute aber nur zu gut, welche Herausfoderungen auf sie im Wald warteten: Schlechte Zugänglichkeit, körperliche Anstrengung, starke Rauchentwicklung, Hitze, die Gefahr der unkontrollierten Ausbreitung und der Riesenaufwand beim Wassertransport.

Mit Helikopter ausgebildet

Die Feuerwehr Rapperswil-Jona hingegen hat jüngere Erfahrung in der Bekämpfung von Waldbränden. Im Herbst 2015 brannte im Vorderen Maienberg ein Stück Wald, weil Unbekannte ein Feuer entfacht, geraucht und getrunken hatten und anschliessend die Feuerstelle nicht ausreichend löschten. «In unserer Feuerwehr sind Waldbrände permanent ein Thema», sagt Kommandant Roland Meier. «Auch in diesem Jahr haben wir das geübt.»

Dabei geht es um den Wassertransport über grosse Distanzen und die Verwendung von speziellen Löschmitteln wie Rückenspritze und Feuerpatsche. «Unsere Offiziere wurden auch ausgebildet, wie der Einsatz von Löschhelikoptern koordiniert und wie aus der Luft die Lage erkundet werden kann», sagt Meier.

Auch wenn in Horgen Waldbrände nicht geübt werden, sieht Linsi die Feuerwehr bereit für den Einsatz. «Wir haben natürlich ein Konzept, wie wir bei Waldbränden vorgehen.» Es beinhaltet die Vorgehensweise, den Einbezug von Nachbar-Feuerwehren, Kanton und Zivilschutz.

Externe Hilfe anfordern

Noch mehr als bei normalen Löscheinsätzen sei es bei Waldbränden wichtig, «der Entwicklung des Feuers um fünf Schritte voraus zu sein», wie es Linsi ausdrückt. Denn bei Waldbränden ist die grösste Herausforderung der Einfluss des Windes. Davon hängt ab, wo die Linie gezogen wird, die eine weitere Ausbreitung des Waldbrandes verhindern soll. Für Roland Meier ist es wichtig, wenn für den Wassertransport in entlegene Gebiete weitab vom Hydrantennetz vorgesorgt ist. «Uns stehen in so einem Fall Tankwagen und Druckfässer von Bauern zur Verfügung.»

Philipp Büchele erwähnt die Einsatzplanung des Stützpunkts Meilen. Diese beinhaltet nebst möglichen Wasserbezugsstellen auch die berechneten Distanzen im Wald sowie Checklisten. Ebenso sind externe Partner im Dispositiv «Waldbrand» aufgelistet, um Baumulden für Ausgleichsbecken, Druckfässer von Bauern und Tankwagen von Kanalreinigungsfirmen für den Wassertransport schnell anfordern zu können.

Die Stützpunktfeuerwehr besitzt zwar ein Schlauchverlegefahrzeug, mit dem eine zwei Kilometer lange Leitung gelegt werden kann. Doch eine solch lange Leitung funktioniert — insbesondere in ansteigendem Gelände — nur mit Pumpen und Ausgleichsbecken: eine Materialschlacht.

«In Krisen die Köpfe kennen»

Björn Linsi beschäftigt derzeit die Möglichkeit eines Waldbrandes. «Das ist in einer solchen Trockenperiode eine logische Reaktion.» Meldungen über Waldbrände im Ausland tragen ebenfalls zur Sensibilisierung für eine erhöhte Brandgefahr bei.

Büchele pflichtet bei: «Am Thema Waldbrand kommt man derzeit aufgrund der Berichterstattung über Griechenland kaum vorbei.» Mit 1. August, Höhenfeuer und Feuerwerk werde das Gefährdungspotential auch in der Region der Bevölkerung bewusster.

Umso wichtiger ist der Informationsaustausch. Laut Roland Meier beurteile die Feuerwehr Rapperswil-Jona mit den zuständigen Instanzen von Gemeinde und Kanton jetzt ständig die Lage neu, und es würden die notwendigen Beschlüsse gefasst.

Linsi erhält täglich Informationen von der Gemeinde zur Lage. Am Donnerstagmorgen ging es zum Beispiel um die Wasserversorgung. Auch der Austausch mit der Horgner Forstabteilung funktioniert auf diesem Weg. «Wir sind immer im Bild, wie es um den Wald steht», sagt er.

Büchele schätzt den regelmässigen interdisziplinären Austausch zwischen Kanton, Gemeinde, Revierförster, Feuerpolizei und Nachbarwehren. «Eine präventive und partnerschaftliche Zusammenarbeit ist für den Fall der Fälle meines Erachtens essentiell.» Der Meilemer gibt diesen Absprachen ein spezielles Motto: «In Krisen die Köpfe kennen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.07.2018, 12:55 Uhr

So ist die Feuerwehr im Kanton Zürich vorbereitet

Aus den Erfahrungen von Wallis, Graubünden und Tessin gelernt

Sind die Feuerwehren im Unterland vorbereitet auf Waldbrände? Die ZSZ hat die Gebäudeversicherung des Kantons Zürich (GVZ) befragt.

Beschäftigt sich die GVZ in diesen heiss-trockenen Tagen mit dem Thema Waldbrand?
Barbara Greuter (Kommunikationsbeauftragte GVZ): Das Thema Trockenheit/Waldbrandgefahr ist bei der Abteilung Feuerwehr der GVZ latent aktuell. Bis anhin blieb der Kanton Zürich glücklicherweise von grossen Waldbränden verschont. Durch den regelmässigen Austausch können wir jedoch aus den Erfahrungen anderer Kantone (Wallis, Graubünden, Tessin) oder dem Ausland lernen. Als ständiges Mitglied der Kantonalen Führungsorganisation (KFO) ist die Abteilung Feuerwehr der GVZ jeweils über die aktuelle Gefahrensituation bei Trockenheit/Waldbrandgefahr informiert und ist zudem über Entscheidungsprozesse, zum Beispiel betreffend Feuerverbot oder vorbeugende Massnahmen, frühzeitig im Bilde.

Besteht derzeit ein Informationsaustausch mit den für die Waldwirtschaft zuständigen kantonalen Fachgremien?
Bei der Gefahrensituation Trockenheit/Waldbrandgefahr werden die zuständigen Stellen des Kantons – insbesondere Polizei, Fachämter, Brandschutz, Feuerwehr – Vertreter der Städte und Gemeinden sowie der Kantonsforstingenieur durch die Kantonale Führungsorganisation (KFO) aufgeboten. Der Kantonsforstingenieur bringt dabei die aktuelle Einschätzung der Gefahrenlage durch die Revierförster sowie eine Empfehlung für Massnahmen in die KFO ein.

Welche technische Hilfe kann die GVZ im Fall eines grösseren Waldbrands bieten?
Zur Unterstützung der Ortsfeuerwehren bei Grossbränden hat die GVZ bei sämtlichen 14 Stützpunktfeuerwehren im Kanton Zürich Grosslöschfahrzeuge mit jeweils rund 5000 Liter Wasser und grösseren Pumpen stationiert. Ebenfalls stehen Schlauchverlegefahrzeuge und zusätzlich schweres Pumpenmaterial zur Verfügung. Bei den Feuerwehren Fischental und Hinwil stehen zudem zwei spezielle Waldbrandanhänger, die im ganzen Kanton eingesetzt werden können. Somit ist gewährleistet, dass an jedem Ort im Kanton Zürich innert Kürze mit der Intervention begonnen werden kann.

Könnten auch Löschhelikopter eingesetzt werden?
Das Dispositiv der Löschhelikopter wird durch die Einsatzleitzentrale (ELZ) koordiniert. Es ist erfasst, welcher Helikopter mit welchen Mitteln in den Einsatz gebracht werden kann.

Wer würde im Falle eines grossen Waldbrands als übergeordnete Hilfe aufgeboten?
Bei grossen und/oder gleichzeitig mehreren Waldbränden, die grosse Teile des Kantons Zürich betreffen, wird die KFO einberufen. Dort werden die Aufgaben betreffend übergeordneter Hilfeleistungen koordiniert. Es sind dies Aufgaben, die durch Partner wie Polizei, Feuerwehr, Zivilschutz, Werke, Rettungsdienste und weitere Fachspezialisten oder auch durch die Armee wahrgenommen werden.

Wann gab es zuletzt einen grossen Waldbrand?
Einen grossen Waldbrand gab es im Kanton Zürich glücklicherweise in den letzten Jahrzehnten nicht. Dies ist sicherlich auf die rasche und leistungsfähige Intervention der Feuerwehren wie auch auf das vereinzelt angeordnete Feuerverbot zurückzuführen. Auch die Bevölkerung achtet zunehmend sorgfältiger auf die Gefahren im Umgang mit Feuer im Freien. Wichtig: Wenn ein Feuerausbruch bemerkt oder beobachtet wird, ist die rasche Alarmierung der Feuerwehr über die Nr. 118 entscheidend – ganz nach dem Motto: je schneller desto besser. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für Waldbrände, sondern für alle Brände.

Interview (schriftlich geführt): Christian Dietz-Saluz

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