Feuerbrand

Feuerbrand wütet in Hombrechtikon

In diesem Jahr rechnen Fachleute mit so vielen Feuerbrandfällen wie seit Jahren nicht mehr. In Hombrechtikon hat die Krankheit bereits 40 Apfelbäume befallen.

Der Feuerbrand befiel dieses Jahr vor allem Apfelbäume in Hombrechtikon.

Der Feuerbrand befiel dieses Jahr vor allem Apfelbäume in Hombrechtikon. Bild: Symbolbild / Archiv ZSZ

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Der Feuerbrand geht wieder um. Seit Jahren befällt die bakterielle Infektionskrankheit Kernobstbäume wie Apfel-, Birnen- und Quittenbäumen. Auch Wildsträucher wie Weissdorn, Vogelbeere oder Scheinquitte sind betroffen.

Die Krankheit wird vorwiegend während der Blütezeit durch Insekten, Wind und Regen übertragen. Eine befallene Pflanze kann innerhalb eines Jahres absterben.

Weil Feuerbrand hochansteckend ist, müssen Landwirte und Gartenbesitzer einen Krankheitsfall melden. Aus dem Bezirk Meilen sind derzeit 40 Meldungen von betroffenen Niederstamm-Apfelbäumen aus Hombrechtikon eingegangen, alle aus Hombrechtikon. Damit verzeichnet die Gemeinde aktuell den stärksten Befall im ganzen Kanton Zürich.

Kein Hotspot

David Szalatnay von der Fachstelle Obst des Strickhofs, einer Abteilung des Amtes für Landschaft und Natur der Baudirektion des Kantons Zürich, relativiert aber: «Hombrechtikon ist kein spezieller Hotspot der Krankheit.» Das Zürcher Oberland sei generell bekannt dafür, dass es immer wieder Infektionen gibt. Grund dafür sind die vielen Kernobstplantagen. «Je mehr Wirtspflanzen, desto grösser die Chance auf eine Ausbreitung», sagt Szalatnay.

Der derzeitige Meldestand sei eine Momentaufnahme. «Bis Ende Jahr wird die Zahl der Meldungen aus dem ganzen Kanton deutlich zugenommen haben.» David Szalatnay rechnet mit sovielen Krankheitsausbrüchen wie seit Jahren nicht mehr. Denn diesen Frühling war es während der kritischen Blütezeit des Kernobstes etwa eine Woche lang so, wie Feuerbrandbakterien es mögen: heiss und feucht.

«Letztmals hatten wir ähnliche Bedingungen im Jahr 2007», sagt David Szalatnay. Damals wütete der Feuerbrand besonders heftig: 900 Gemeinden aus der ganzen Schweiz meldeten eine Befall. Ganze Plantagen mussten gerodet werden.

Wirtpflanzen roden

So weit wird es dieses Jahr nicht kommen, ist Szalatnay überzeugt. Denn inzwischen ist man besser auf die Krankheit vorbereitet. Eine der wichtigsten Massnahmen betrifft die alte und weit verbreitete Gelbmöstlerbirne. Die Mostbirnensorte ist sehr anfällig auf Feuerbrand.

Im Unterschied zu Apfelbäumen lässt auch ein Rückschnitt die Bäume nicht wieder gesund werden. «Sie bleiben für immer Träger der Krankheit», sagt der Fachmann. Seit einigen Jahren werden betroffene Birnbäume deshalb konsequent gerodet. Dadurch sei die Dichte der befallenen Wirtspflanzen stark zurück gegangen.

Auch andere Massnahmen, die in den letzten Jahre erarbeitet worden sind, sollen den Feuerbrand in Schach halten. So können Bauern etwa natürliche Gegenspieler wie Hefepilze gegen die Ausbreitung der gefährlichen Bakterien einsetzen. Regelmässige Kontrollen der Feuerbrandwirtspflanzen helfen, dass die Krankheit nicht ungehindert wüten kann.

Kleiner Prozentsatz

Für die betroffenen Apfelbäume in Hombrechtikon sind bereits Massnahmen ergriffen worden: Sie wurden zurückgeschnitten oder gefällt und verbrannt. Wann welches Vorgehen gewählt wird, richtet sich nach den Vorgaben des Bundes. «Das Ziel ist, den Gesamtbestand zu schützen und eine weitere Ausbreitung zu verhindern», sagt David Szalatnay.

Der Hombrechtiker Feuerbrand-Kontrolleur Christoph Schmid hält den Befall in seiner Gemeinde bis jetzt nicht für dramatisch. «In einer Plantage mit 3000 Bäumen sind vierzig kranke Bäume ein kleiner Prozentsatz.» Für den betroffenen Landwirt sei die Situation allerdings schon einschneidend. Ob er vom Bund eine Entschädigung erhält, ist noch unklar.

Unklar ist auch, wie sich die Feuerbrandlage weiter entwickelt. «Beim Weissdorn etwa können wir einen Befall erst Ende Juli feststellen», sagt Schmid.

Der Kontrolleur hat jedoch vorgesorgt: Er liess auf Gemeindegebiet befallene Weissdornbüsche sowie den ebenfalls häufig betroffenen Cotoneaster mehrheitlich roden.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.07.2018, 15:32 Uhr

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