Herrliberg

Faszinierender Einblick in Beethovens Vielseitigkeit

Drei Werke aus drei Schaffensphasen Beethovens: Damit hat das Stradivari-Quartett in der Herrliberger Vogtei ein eindrückliches Konzert gestaltet.

Ihre Konzentration galt ganz der Musik und den Werken Beethovens: Cellistin Maja Weber, Lech Antonio Uszynski an der Bratsche sowie Sebastian Bohren und Xiaoming Wang an der Geige (von rechts).

Ihre Konzentration galt ganz der Musik und den Werken Beethovens: Cellistin Maja Weber, Lech Antonio Uszynski an der Bratsche sowie Sebastian Bohren und Xiaoming Wang an der Geige (von rechts). Bild: Moritz Hager

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Was den einen leiden liess, macht die anderen zu Staunenden. Das ist vielleicht etwas überspitzt formuliert. Und doch: Wäre die Gesundheit von Ludwig van Beethoven robuster gewesen – wer weiss, ob sich dann die Keime seines Schaffens nicht anders entwickelt hätten. Und ob dann die gut 200 Besucher in der Herrliberger Vogtei vom vergangenen Sonntagabend nicht auch etwas anderes zu hören bekommen hätten.

Diese jedenfalls sind für den zweiten Abend der heurigen «Winterklänge am Zürichsee» gekommen. Dahinter verbirgt sich eine sechsteilige Konzertreihe des Stradivari-Quartetts. Das Ensemble hatte sich ursprünglich tatsächlich zur Interpretation von Kammerstücken auf geliehenen Stradivari-Instrumenten gegründet. Mittlerweile aber sind Letztere wieder an die Leihgeber zurückgegangen. Nach wie vor aber stehen die «Winterklänge» jeweils ganz im Zeichen eines einzigen Komponisten.

Zum Gedenkjahr

Und damit zurück dahin, was es mit der Befindlichkeit von Beethoven auf sich hat. Soviel, erklärt Musikredaktorin Annelis Berger von Radio SRF 2 in ihrer Einführung, als dass dieser sich von schlimmen Magenbeschwerden gepeinigt in Kur begeben muss. Zwei Jahre vor seinem Tod 1827 ist das. Und dass sich dort sein Zustand bessert. Dass er dann im dritten Satz seines 15. Streichquartetts Opus 132 in a-Moll die Dankbarkeit gegenüber seinem Arzt zum Ausdruck bringt. So beginnt der besagte Satz in getragen-ernsthafter Tonalität. Wenig später schlagen die hellen Klänge der beiden Geigen durch und geben dem Stück einen neuen, fröhlichen Charakter. Es wird schliesslich in einem lebendigen, energiegeladenen Schlusssatz münden – spannungsgeladen bis zuletzt, vielschichtig von Anfang an.

Dieser Reichtum an musikalischer Ausdruckskraft ist es, was den Zuhörer auch heute noch über das Quartett staunen lässt. Doch das gilt bekanntlich überhaupt für das Werk des deutschen Komponisten. Nächstes Jahr würde er 250-jährig. Dies ist denn auch der Grund, warum das Stradivari-Quartett ihm die bis Juni dauernde Saison der «Winterklänge» widmet. Da passt es gerade gut, dass die Gründerin des Quartetts, Cellistin Maja Weber, Beethoven als einer ihrer Lieblingskomponisten bezeichnet. Besonders das erwähnte Opus 132 hat es der Zollikerin angetan – obwohl es eines der schwierigsten Stücke sei.

Das Konzert freilich erschöpft sich am Sonntag nicht in dem einen Stück. Die Anwesenden bekommen je zwei weitere Werke zu hören: Streichquartette in der klassischen Besetzung – neben Weber formieren dieses Xiaoming Wang und Sebastian Bohren an den Geigen und Lech Antonio Uszynski an der Bratsche – sind auch diese, und sie widerspiegeln je ein Stück aus der frühen und mittleren Schaffensphasen Beethovens.

Konzentration auf Musik

So ist das Eingangsstück, das Streichquartett in B-Dur op. 18 Nummer 6, von fröhlicher Lebendigkeit. 30-jährig ist Beethoven, als er es schreibt – und von seinen Beschwerden, vorab seiner zunehmenden Taubheit, noch weit gehend verschont. Im ruhigeren zweiten und vierten Satz zeigt sich, wie es die vier Streicher verstehen, die Spannung zu halten und gleichzeitig jedem einzelnen Ton den Raum zu seiner vollen Entwicklung zu geben. Dabei verzichten sie wohltuend auf selbstdarstellerische Showeinlagen; ihre Konzentration gehört ganz der Musik.

Diese Haltung geht denn auch auf das Publikum über: Voller Spannung und Aufmerksamkeit verfolgt es das Gebotene. Das bleibt sich auch so beim dramatischen Einstieg in das Quartett f-Moll op. 95. Dieses Werk, zehn Jahre jünger als das erste, bringt somit eine ganz andere Stimmung zum Ausdruck. «Die Quartette sind von grossen Komplexität», sagt der in Uerikon wohnhafte Wang nach dem Konzert. Wie hoch der Anspruch an die Virtuosität der Musiker ist, lässt ihr exaktes Spiel freilich nur erahnen.

Weitere Konzerte in der Reihe «Winterklänge»: Sonntag, 19. Januar, im Schloss Au und Sonntag, 15. März, im Gemeindesaal Obstgarten, Stäfa. Konzertbeginn jeweils 17 Uhr, Werkeinführung 16.15 Uhr. www.stradivarifest.com.

Erstellt: 09.12.2019, 17:10 Uhr

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