Stäfa

Faszinierend, unersetzlich und gefährdet

Biologe Andreas Müller referierte im Sonnenwiessaal zum Thema Wildbienen und zeigte auf, was für deren Überleben getan werden kann.

Wichtig, aber gefährdet: Eine Wildbiene bei der «Arbeit».

Wichtig, aber gefährdet: Eine Wildbiene bei der «Arbeit». Bild: Archiv pd

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Der grosse Unterschied zwischen einer Honigbiene und einer Wildbiene ist, dass bei Letzterer kein Honig geerntet werden kann. Der Wildbienenspezialist und Biologie Andreas Müller erklärt am Donnerstagabend den rund 40 Interessierten im Stäfner Sonnenwiessaal warum das so ist.

Während eine Wildbiene nur ein Jahr lebt und darum keine Nahrungsvorräte zum Überwintern anlegen muss, braucht die Honigbiene in ihrem mehrjährigen Lebenszyklus den Honig zum Überleben. Da sie im Gegensatz zur einsiedlerischen Wildbiene über ein soziales Verhalten verfügt und somit zu den staatenbildenden Insekten gehört, bezeichnet sie Müller, nicht ohne ein Schmunzeln, gar als «Extremistin» – es handle sich bei ihr um die einzige untypische Biene in dieser Artenvielfalt: «Über 95 Prozent der Bienen sind nämlich solitäre Wesen und Einzelgängerinnen.»

Interessant vor allem Müllers Hinweis zur Evolution der Wildbienen, wonach diese von den Wespen abstammten. Als deren nächsten Verwandten nennt er daher die Grabwespe und schlussfolgert: «Bienen sind vegetarische Wespen.» Den 616 heimischen Wildbienenarten, zu denen auch die Hummel gehört, steht eine einzige Honigbienenart gegenüber.

Ohne Bienen keine Früchte

Wildbienen gelten als die effizienteren Bestäuber von Wild- und Kulturpflanzen, da sie nicht nur bei schlechtem Wetter und auch früher fliegen, sondern zudem schwierige Blüten bestäuben, wie der Spezialist anmerkt. «Ohne Bienen keine Früchte», fasst er den Nutzen dieser unentbehrlichen Insekten zusammen, die hauptverantwortlich seien für gute Ernten und Biodiversität.

Leben Honigbienen, die in Mitteleuropa nicht mehr wild vorkommen, ausschliesslich in Bienenstöcken, nistet die Hälfte der Wildbienen unter der Erde. Dabei graben sie selbst, vorzugsweise in Sand- oder Lehmflächen, sogenannte Niströhren, um ihre Brut abzulegen. Die vom Referent gezeigten Aufnahmen offenbaren die akribische Vorgehensweise dieser intelligenten Wesen. Weitere Nistplätze bieten morsches Holz, Pflanzenstängel von Brombeerstauden oder gar leere Schneckenhäuser. Auch diese erstaunliche Ansicht einer mit Nektar und Pollen aufgefüllten Brutzelle verleitet die Anwesenden zu einem Raunen. In den Pollenklumpen legt die Wildbiene ihr Ei, aus dem die Larve schlüpft. Sie ernährt sich vom Blütengemisch, um nach der Überwinterung im Kokonstadium die neue Generation hervorzubringen.

Totholz ist nicht tot

Rund die Hälfte der in der Schweiz lebenden Wildbienenarten figurieren auf der 1994 erstellten Roten Liste der gefährdeten und vor dem Aussterben bedrohten Arten. Mit wenig Aufwand, rät der Fachmann, könne man im eigenen Garten oder im Wohnumfeld viel für den Lebensraum der Wildbienen bewirken. Denn Wildbienen seien auf Gedeih und Verderben von zwei Hauptressourcen abhängig: Blüten für die eigene Ernährung beziehungsweise für die Ernährung ihrer Larven sowie Kleinstrukturen für die Anlage ihrer Nester. Ungeteerte und spärlich bewachsene Bodenstellen, also unbegrünte Flächen, erleichtern vielen Arten den Bau von Nistplätzen.

«Totholz ist alles andere als tot» führt Andreas Müller aus und rät, an gut besonnten Stellen Asthaufen oder etwa ein Bündel Brombeerstängel hinzustellen. «Ein Fünftel der Wildbienenarten nistet in bereits existierenden Hohlräumen oder nutzt bereits vorhandene Insektenfrassgänge in Totholz.» Auch Ausschlupflöchern von Bockkäfern an einem Baumstrunk dienen einer Wildbiene als Eingang zu ihrem Nest. Schliesslich müsse man beim Standort von Nisthilfen bedenken, dass sich dieser nicht allzu weit von blütenreichen Flächen befindet. «Die Distanz soll 100 bis maximal 300 Meter betragen.»

Erstellt: 29.03.2019, 18:01 Uhr

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