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Falscher Polizist will Oetwilerin übertölpeln

In Oetwil hat ein angeblicher Polizist versucht, eine Frau am Telefon zu überlisten. Jährlich gibt es Hunderte solcher Betrugsversuche. In den Bezirken Meilen und Horgen waren im vergangenen Jahr vier erfolgreich.

Die Kantonspolizei Zürich gibt im Internet Tipps zum Umgang mit Telefonbetrügern – trotzdem zeigt die Masche nach wie vor regelmässig Erfolg.
Die Kantonspolizei Zürich gibt im Internet Tipps zum Umgang mit Telefonbetrügern – trotzdem zeigt die Masche nach wie vor regelmässig Erfolg.
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Ruth Bach* erschrak im ersten Moment, als sie diese Woche einen Anruf von der Polizei erhielt. Ob wohl etwas Schlimmes passiert war? Der Mann am anderen Ende des Drahts – er gab sich als Kantonspolizist Schwarz aus – versuchte die Oetwilerin zu beruhigen. Er habe, berichtete er, gerade einen Einbrecher geschnappt. Zwar drohe von diesem keine Gefahr mehr, doch habe der Täter einen Zettel mit ihrer Adresse und Telefonnummer bei sich gehabt. Ob bei ihr zuhause alles in Ordnung sei?

Der Mann bot Ruth Bach an, mit dem Streifenwagen bei ihr vorbeizukommen und nach dem Rechten zu sehen. Auch erkundigte er sich, ob sie Wertgegenstände bei sich habe und fragte nach ihren Bankverbindungen. «Das kam mir dann doch komisch vor», sagt die Oetwilerin. Sie fragte flugs bei der Kantonspolizei nach und erfuhr, dass es dort keinen Herrn Schwarz gebe – und dass die Polizei sie auch nicht auf diese Art kontaktieren würde. «Da war mir klar, dass es sich um einen Betrüger handeln muss», sagt die ZSZ-Leserin und findet: «Vor dieser Masche muss man die Öffentlichkeit doch warnen.» Selber habe sie bislang nur von Enkeltrickbetrügern gehört – dass sich aber Personen als Polizisten ausgeben, um Gutgläubige zu übertölpeln, war ihr neu.

Allerdings ist dies seit einiger Zeit ein beliebter Trick von Kriminellen. Erst vergangene Woche hatten Fahnder der Stadtpolizei zwei Männer verhaftet, die ein Ehepaar auf diese Weise austricksen wollten. Die die Kantonspolizei warnt schon länger nicht nur vor angeblichen Enkeln, die in Geldnot geraten sein wollen, sondern auch vor falschen Polizisten.

Opfer im Schnitt 76 Jahre alt

Wo oft haben die Betrüger Erfolg? Die Kantonspolizei verweist auf Anfrage auf ihre Website www.telefonbetrug.ch, auf der eine detaillierte Statistik aufgeführt ist. Gemäss dieser sind der Polizei seit Anfang Jahr kantonsweit bereits 508 Betrugsversuche von falschen Polizisten oder angeblichen Enkeln gemeldet worden. Zwar waren bislang nur vier erfolgreich – die Deliktsumme beträgt aber bereits 295 000 Franken.

Zum Vergleich: 2017 gelangten Betrüger in 19 Fällen zum Ziel. Sie erbeuteten insgesamt über 1,9 Millionen Franken. Im Bezirk Meilen waren sie drei Mal erfolgreich. Allein einer 81-Jährigen knöpften sie 800 000 Franken ab. Im Bezirk Horgen wurde lediglich eine Person getäuscht: Eine 79-Jährige verlor dabei 63 000 Franken. Der Kantonspolizei wurde im vergangenen Jahr 39 telefonische Betrugsversuche aus dem Bezirk Horgen gemeldet, im Bezirk Meilen waren es 78.

Am Telefon misstrauisch sein

Die Betrüger suchen sich vor allem ältere Personen als Opfer aus. 2017 waren die Opfer durchschnittlich 76 Jahre alt. Oft durchstöbern Betrüger das Telefonbuch nach Vornamen, die vor allem bei Senioren verbreitet sind. Mit dieser Vorgehensweise sind sie vermutlich auch auf die Oetwilerin Ruth Bach gekommen, die in Wirklichkeit anders heisst, aber ebenfalls einen Namen hat, der bei jüngeren Menschen nicht mehr sehr verbreitet ist.

Auf ihrer Website www.telefonbetrug.ch rät die Kantonspolizei, misstrauisch zu sein, wenn ein Polizist einen dazu drängt, Geld abzuheben. Die Polizei verlange am Telefon nie grössere Bargeldsummen. Erhalte man einen solchen Anruf, solle man sich über die Notrufnummer 117 Gewissheit verschaffen, ob es den besagten Polizisten tatsächlich gebe.

Ruth Bach hat also instinktiv das Richtige getan, obwohl sie bisher nicht wusste, dass sich Betrüger auch als Polizisten ausgeben. Der Mann, der sie kontaktiert hat, muss gemerkt haben, dass er bei ihr an der falschen Adresse war: Er tauchte nicht bei ihr auf.

* Name von der Redaktion geändert

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