Im Gespräch

«Es ist eine Verslumung des öffentlichen Raumes»

Vor 20 Jahren hat der Uetiker Wim Ouboter den Micro-Scooter lanciert und damit einen Welterfolg geschaffen. Nun versucht er die urbane Mobilität dank des Elektroscooters mitzuprägen.

Microscooter-Erfinder Wim Ouboter im Markenhaus der Micro-Mobility Systems AG in Meilen.

Microscooter-Erfinder Wim Ouboter im Markenhaus der Micro-Mobility Systems AG in Meilen. Bild: Moritz Hager

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Dieses Jahr feiern Sie das 20-jährige Bestehen des Micro-Scooters. Worauf sind Sie besonders stolz, wenn Sie auf die Zeit zurückschauen?
Einmal, dass ich langjährige Mitarbeiter habe, die absolut motiviert sind und einen super Job machen. Zweitens, dass ich bereits meine Nachfolge regeln konnte. Meine zwei Söhne Oliver und Merlin sind schon seit einigen Jahren bei mir im Geschäft tätig. Ein weiterer Punkt ist, dass meine Frau Janine immer noch in der Firma mitarbeitet und unsere Ehe keineswegs darunter leiden musste. Ich finde es auch sehr interessant, dass endlich nach 20 Jahren eine breite Schicht kapiert hat, dass ein Elektroscooter ein ideales Fortbewegungsmittel für die Stadt ist. Es gibt für uns natürlich keine bessere Werbung, als dass so viele Leute die Elektroscooter testen können, ohne dass es uns etwas kostet.

Die meisten Leute kennen die Elektroscooter von den Verleih-Apps mit denen man sich einfach ein Gefährt ausleihen kann, die dann dank dem sogenannten Free-Float System irgendwo in der Stadt wieder abgestellt werden können. Aber sie sind kein Fan dieser Verleihe.
Ich denke, dass dieses Geschäftsmodell einige Nachteile hat. Einerseits ist gemäss einer Studie in den USA, die durchschnittliche Lebensdauer eines Verleihtrottinetts 29 Tage und in der Schweiz bei Verleihtrottinetts noch 60 Tage. Aber das wird auch weniger werden, denn die Leute werden sich über die herumstehenden Trottinetts aufregen und der Vandalismus wird zunehmen. Andererseits sind Unfälle ein Problem. Gerade in den Kernzonen, wo viele Touristen hinkommen, die nicht ortskundig sind, vielleicht sogar zum ersten Mal auf einem Zweirad stehen und gerade durch den grössten Verkehr fahren. Darum setzen wir ganz klar auf ein eigenes Gefährt. Dem trägt man mehr Sorge, das lässt man nicht einfach auf der Strasse stehen. Es ist schon ein bisschen eine Verslumung des öffentlichen Raumes.

«Die Leute werden sich über die herumstehenden Trottinetts aufregen und der Vandalismus wird zunehmen.Wim Ouboter, Erfinder des Microscooters»

Es ist also keine Option für Sie, mit solchen Verleihfirmen zu kooperieren und hochwertige Elektroscooter anzubieten?
Das ist nichts, das wir anstreben. Wir sehen die Möglichkeit in einem anderen Bereich: Wenn eine Firma zum Beispiel ein grosses Gelände mit mehreren Gebäuden hat und die Mitarbeiter hin und her müssen. Wir haben in diesem Bereich eine Kooperation mit Google in Zürich. Aber das Free-Float, wollen wir nicht unbedingt unterstützen.

Ein Mini-Auto, der Microlino, ist das nächste grosse Produkt Ihrer Firma. Wie geht es nach den Verzögerungen und Unsicherheiten weiter (siehe Kasten)?
Es ist manchmal so im Leben, dass Dinge geschehen, die man selber nicht beeinflussen kann und bei denen man nicht im Traum daran gedacht hätte, dass etwas dazwischen kommen könnte. Wir haben nun einen neuen Partner, den wir nicht ausgewählt haben. Es ist für mich wie eine Zwangsehe. Es hat sich herausgestellt, dass unser neuer Partner einen versteckten Plan hat, nämlich den Microlino selbst unter einem anderen Namen herzustellen. Seit Januar sind die Anwälte dran, es ist eine üble Geschichte. Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Microlino auf den Markt bringen werden. Aber es wird Verzögerungen geben.

Der Microlino ist Teil der Mobilität der Zukunft. Wie würden Sie diese beschreiben?
Bei uns geht es vor allem um die urbane Mobilität. Das beginnt beim Trottinett und endet beim Microlino. All diese Geräte sind auch die platzsparenden Verkehrsmittel, die es in der Stadt braucht. Wir wollen aus der Schweiz ein Umdenken anregen. Es ist erstaunlich, wie gut das ankommt. Fridays For Future zeigt, dass man endlich merkt, worum es geht: Es gibt eigentlich nur ein Thema, das ganz wichtig ist, nämlich die Umwelt. Alle anderen Themen erledigen sich von selbst, wenn wir die Umwelt nicht in den Griff kriegen. Da versuchen wir einen kleine Beitrag dazu zu leisten.

«Die
Selbstständigkeit der einzelnen Mitarbeiter wird grösser, wenn man nicht so häufig im Büro ist.»
Wim Ouboter, Erfinder des Microscooters

Machen Sie noch immer zwölf Wochen Ferien im Jahr?
Ich mache vergleichsweise viel Ferien im Jahr, obwohl man das ein wenig relativieren muss. Ich bin zwar im Ausland, aber von dort kann ich meine E-Mails auch beantworten. Interessanterweise wird die Selbstständigkeit der einzelnen Mitarbeiter grösser, wenn man nicht so häufig im Büro ist. Ich kann jedem Chef empfehlen, viel mehr Ferien zu machen. Erstens ist er nachher entspannter, zweitens bringt man den Mitarbeitern so ein gewisses Vertrauen entgegen. Sie werden es sehr sehr schätzen und unter dem Strich einfach einen besseren Job machen.

Am 1. August halten Sie in Küsnacht die Rede an der Bundesfeier. Haben Sie sich das gut überlegt, bevor Sie zugesagt haben?
Zuerst einmal habe ich nein gesagt. Ich habe zwar viele Vorträge an Unis oder fachliche Vorträge gehalten, aber Festreden sind eigentlich nicht meine Sache. Mit meiner leichten Behinderung als Legastheniker suche ich solche Dinge auch nicht. Aber Gemeindepräsident Markus Ernst hat mehr als einmal nachgedoppelt. Am Schluss waren es meine Söhne, die gesagt haben, ich soll kein Hasenfuss sein. Da habe ich mir gedacht, warum nicht. Vielleicht habe ich zwei, drei lustige Pointen, die ich bringen kann. Vielleicht mache ich keine normale Festrede, sondern erzähle ein wenig aus dem Leben und hoffe, dass der eine oder andere Tipp eventuell hängen bleibt.

Erstellt: 26.07.2019, 16:54 Uhr

Zur Person

Der 59-jährige Wim Ouboter ist verheiratet, hat zwei Söhne und wohnt in Uetikon. Seine Firma Micro-Mobility Systems AG ist in Küsnacht angesiedelt. Mit dem Micro-Scooter, einem zusammenklappbaren Trottinett, hat Ouboter vor 20 Jahren einen regelrechten Trottinetthype ausgelöst. Das Sortiment beinhaltet heute auch zusammenklappbare Velos, Elektroscooter und andere unzählige Trottinettvarianten. Der nächste grosse Wurf soll der Microlino werden, ein Elektromobil, das an die sogenannte Knutschkugel, die BMW Isetta aus den 50er Jahren angelehnt ist. (otm)

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