Küsnacht

Es fliegen die Späne

Der Verband Wald Schweiz führt jedes Jahr Holzernte-Kurse für Forstwart-Lehrlinge durch. Die 20 Jugendlichen lassen sich im Küsnachter Wald nicht vom Dauerregen beirren und fällen ihre ersten Bäume.

Ein Lehrling zerteilt einen bereits gefällten Baum.

Ein Lehrling zerteilt einen bereits gefällten Baum. Bild: Manuela Matt

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Mit lautem Knacken und Krachen fällt ein grosser Baum wie in Zeitlupe zu Boden. Ein Jugendlicher mit einer Kettensäge in der Hand hat ihn gerade gefällt. Sein Instruktor steht zufrieden daneben. Im Küsnachter Wald findet ein zweiwöchiger Überbetrieblicher Kurs (ÜK) statt. 20 Forstwart-Lehrlinge aus dem Kanton Zürich lernen Wissenswertes über Holzernte, Einsatz und Unterhalt von Arbeitsmitteln sowie Gesundheitsschutz und Arbeitssicherheit.

Der Kurs wird von Wald Schweiz, dem Verband der Waldeigentümer, und vom Verband Zürcher Forstpersonal organisiert. Zum wiederholten Mal stellt der Förster Manuel Peterhans seinen Werkhof zur Verfügung. Die Lehrlinge übernachten im Pfadiheim Wulp.

Für ihre Leistung und absolvierte Theorieprüfungen erhalten die Lehrlinge am Ende des Kurses eine Gesamtnote.

Obwohl es schon über eine Woche lang regnet, sind die Jugendlichen, die sich im ersten Lehrjahr befinden, motiviert. Das Wetter sei kein Problem beim Arbeiten, sagt einer von ihnen. «Gute Kleider helfen dabei.» Sowieso werde man wegen des Blätterdachs im Wald weniger nass als unter freiem Himmel. Ein weiterer Lehrling, der bei einer Temperatur von sieben Grad im T-Shirt eine Kettensäge schärft, sagt: «Eigentlich bin ich ein Gfrörli. Aber nicht beim Arbeiten.» Die Jugendlichen scheinen schon in wenigen Monaten wetterfest geworden zu sein.

Besser als Klassenlager

Das zweiwöchige Beisammensein sei wie ein Klassenlager, nur besser, sind sich die Lehrlinge einig. Wilde Partynächte gebe es aber nicht. «Wir sind alle sehr motiviert und diszipliniert.» Dem stimmt auch Kursleiter Sebastien Wenker zu. Der Gruppenzusammenhalt der Jugendlichen sei toll, auch seien sie sehr anständig und lerneifrig.

Die Berufsfachschule sei unbeliebt, sagt Roger Sacher von Wald Schweiz. Auch er schaut den Lehrlingen im Wald kritisch über die Schulter. «Die Jugendlichen wählen den Beruf des Forstwärters, um draussen zu arbeiten.» Die Schulbank zu drücken sei im Vergleich zur Arbeit im Wald natürlich sehr unattraktiv. Theorie gehöre aber dazu.

Die Jugendlichen scheinen schon in wenigen Monaten wetterfest geworden zu sein.

Auch während des ÜK findet jeden Morgen ein einstündiger Theorieblock statt. Die Lehrlinge lernen etwa, einen Baum zu beurteilen und erfahren verschiedene Techniken, wie man diesen seiner Grösse, Lage und Neigung entsprechend fällen muss. Auch über gesunde Ernährung und Sicherheitsvorkehrungen wird gesprochen. «Sicherheit ist unser oberstes Gebot», sagt Wenker. Darum tragen sowohl Instruktoren wie auch Lehrlinge signalfarbene Westen, Schnittschutzhosen, Helme mit Gehör- und Sichtschutz sowie robustes Schuhwerk.

Fachwissen aneignen

Gerade erklärt ein angehender Förster, wie die Kettensäge in seinen Händen funktioniert. Zwei-Takt-Motorsägen haben eine Kettengeschwindigkeit von 80 km/h, die Schutzhosen halten aber nur 60km/h stand. «Es ist ein schmaler Grat zwischen optimaler Sicherheit und Tragekomfort», sagt Roger Sacher. Eine besser schützende Hose wäre doppelt so schwer, und die Förster könnten sich weniger gut bewegen.

«Sicherheit ist unser oberstes Gebot.»Sebastien Wenker, Kursleiter

Sacher stellt den Jugendlichen Fragen bezüglich verschiedener Schnitttechniken wie zum Beispiel Kreis- oder Briefkastenschnitt. Sie lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und antworten souverän und sicher. Dass am Nachmittag Lehrmeister und Eltern zu Besuch kommen, mache sie nicht nervös. Für ihre Leistung und absolvierte Theorieprüfungen erhalten die Lehrlinge am Ende des Kurses eine Gesamtnote. «Wenn wir das in den letzten Tagen Gelernte richtig anwenden, werden wir bestimmt alle bestehen», ist sich ein Lehrling sicher. Dem zufriedenen Nicken des Instruktors und des Kursleiters nach zu urteilen, wird er recht behalten.

Erstellt: 07.11.2019, 17:07 Uhr

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