Zollikon

Es begann mit jugendlichem Zeitvertreib in den Zolliker Reben

Der Musikverein Harmonie Zollikon feiert sein 100-Jahr-Jubiläum. Aus diesem Anlass stehen am Wochenende zwei Konzerte im Gemeindesaal auf dem Programm. Ein Blick in die Vereinsgeschichte.

Zum 100-Jahr-Jubiläum nimmt die Harmonie Zollikon ihre Zuhörer mit auf eine Reise durch die letzten Jahrzehnte des Vereins. Damit am Wochenende auch alle Töne sitzen, wird aktuell noch fleissig geprobt.

Zum 100-Jahr-Jubiläum nimmt die Harmonie Zollikon ihre Zuhörer mit auf eine Reise durch die letzten Jahrzehnte des Vereins. Damit am Wochenende auch alle Töne sitzen, wird aktuell noch fleissig geprobt. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Stramm und akkurat in Dreierreihe stehen sie da. Die 36 Musiker, inklusive Protokollführer, Dirigent und Präsident. In den Händen der Musiker symmetrisch ausgerichtet die Instrumente: Trompeten, Saxofone, Querflöten und weitere Blasinstrumente. In den meisten Gesichtern der schwarz-rostbraun Uniformierten: ein ernster Blick.

Damals, als sich die Kamera auf sie richtet – im Jahr 1992.Die entstandene Aufnahme ist im Programm des Musikvereins Harmonie Zollikon für die Konzerte von diesem Wochenende abgebildet. Nicht ohne Grund: Heuer feiert der Verein sein 100-jähriges Bestehen. Gelegenheit also, mit Impressionen aus der Vergangenheit aufzuwarten. Gelegenheit freilich aber auch, die genannten Konzerte im Zeichen des Jubiläums stattfinden zu lassen.

Den Böögg begleiten

Dies geschieht zum einen, indem die Harmonie aus ihrem gegenwärtigen Repertoire spielen wird, wie im Programmheft steht. Zum andern – und dadurch werden die Konzerte zu eigentlichen Jubiläumsanlässen – erfahren früher aufgeführte Stücke ein Revival. Wenn die Blasmusiker damit auch nicht gerade den Bogen bis 1919 schlagen, so doch zumindest bis in die letzten 25 Jahre. Das Besondere dabei ist, dass die Musiker mithilfe ehemaliger Dirigenten die älteren Stücke aufleben lassen.

Etwas Besonderes ist aber auch das Eröffnungsstück, wurde es doch einst eigens für die Harmonie komponiert: der «Zollikermarsch» – in Auftrag gegeben vom ehemaligen Gemeindepräsidenten Hans Glarner (FDP) aus Anlass von 700 Jahren Eidgenossenschaft. Zur Uraufführung jedoch ist das Werk des Berner Komponisten Jakob Bieri erst 1993 gekommen.

Doch welche Geschichte steckt hinter dem Blasmusikverein? Eine andere Aufnahme im Programmheft datiert um 1925. Zu dem Zeitpunkt setzt der Aufstieg der Harmonie ein: Sie gewinnt «am kantonalen Musikfest in Altstetten den 1. Rang in der 3. Kategorie», schreibt Dominique Bühler zu der historischen Aufnahme. Und ebenfalls ab 1925 begleiten die Zolliker Bläser die Stadtzunft am Sechseläuten, dies fünf Jahre lang. Bald folgte Festauftritt auf Festauftritt. Ein Foto von 1937 zeigt die Formation denn auch schon deutlich vergrössert.

Adolf Ogi als Zuhörer

Aus späteren Jahren erinnert sich Rainer Holzer, Präsident des Jubiläums-OK, auf Anfrage an Empfänge, bei denen die Harmonie aufgespielt hat: 1990 für den damaligen Nationalratspräsidenten Ueli Bremi (FDP). 1984 für den Olympia-Silbermedaillengewinner im Schiessen, Daniel Nipkow. Oder, in den Neunzigerjahren, für Bobfahrer Gusti Weder. «Bei der Feier im Gemeindesaal war auch Bundesrat Ogi dabei», sagt Holzer.

So positiv sich die Dinge für die Harmonie entwickelt haben, so spontan hat sich ihre Gründung ereignet: Damit, dass sich der Sohn des Strassenmeisters Albert Schumacher an einem Sommertag 1919 in den Rebbergen die Zeit vertreibt. Und Vaters Trompete dabei hat, um sich unbeobachtet an ihr zu versuchen. Den Vater freut das Interesse des Sohns an der Musik, das er unvermutet mitbekommt. Und er macht sich daran, weitere Musikfreunde zu vereinen. So erzählt es die Chronik des Vereins.

Aber es gab mit den Kriegsjahren auch schwierige Zeiten. Viele Musiker fehlten wegen des Aktivdienstes. Heute sind es andere Probleme, die die Harmonie konfrontieren: Mitgliederschwund und damit weniger Einnahmen durch Jahresbeiträge. So ist die aktuelle Vereinsaufstellung nur fast halb so gross gegenüber jener von 1992. Dramatisch sei die Situation indes nicht, sagt Holzer.

Geselligkeit wichtig

Auch wenn die Glanzzeiten mit Teilnahmen an Musikwettbewerben vorbei sind: Als Höhepunkte nennt Vereinspräsident Hanspeter Müller ohnehin anderes: «Unsere Jahreskonzerte, die Vereinsanlässe, die Geselligkeit.» Oder auch die wiederkehrenden Konzerte in Quartieren und im Altersheim, wie Holzer sagt. Er selber hat ab den Siebzigerjahren, mit Unterbrüchen, als Schlagzeuger mitgespielt. Bei einem Stück wird er dies auch am Wochenende wieder tun.

Kaum wiederholen wird sich indes für die Musiker bei den Konzerten im geheizten Gemeindesaal ein Erlebnis aus den späten Neunzigerjahren: «Als die Feuerwehr Zollikerberg aufgehoben wurde, haben wir den Festumzug bis ins Dorf begleitet», sagt Holzer. «Es war so kalt, dass den Musikern die Ventile eingefroren sind.»

Jubiläumskonzerte am kommenden Samstag, 26. Januar, 20 Uhr (Apéro ab 17.30 Uhr, warme Küche ab 18 Uhr) und am Sonntag, 27. Januar, 14 Uhr. Gemeindesaal, Rotfluhstrasse 96, Zollikon.

Erstellt: 24.01.2019, 08:27 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben