Uetikon

Erste Ideen für das Uetiker Fabrik-Areal

Dem Aufruf, bei der Gestaltung des Industrieareals der Chemie Uetikon mitzuarbeiten, folgten 175 Interessierte. Das Projekt «Chance Uetikon» verleitet zu ambitionierten Ideen.

Innert kurzer Zeit sprudelten die Ideen: Die Workshop-Teilnehmer im Riedstegsaal am Arbeiten.

Innert kurzer Zeit sprudelten die Ideen: Die Workshop-Teilnehmer im Riedstegsaal am Arbeiten. Bild: Jonas Roth

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Geht es um die Zukunft des eigenen Dorfes, nimmt man sogar an einem regnerischen Samstagmorgen gerne an Sitzungen teil. Das zeigte sich dieses Wochenende in Uetikon, wo sich 175 Personen im Riedstegsaal versammelten, um ihre Wünsche und Vorstellungen zum Projekt «Chance Uetikon» einzubringen. Bei diesem geht es um die Gestaltung des Industrieareals der Chemie Uetikon direkt am See, das die Gemeinde und der Kanton Zürich gemeinsam erworben haben. Wie das 6,5 Hektaren grosse Areal mit rund 750 Metern Seeanstoss in Zukunft aussehen soll, ist aber noch weitestgehend unklar.

Genau aus diesem Grund zähle man auf die Inputs der Teilnehmer, wie Benjamin Grimm, Projektleiter für Gebietsplanung vom kantonalen Amt für Raumentwicklung, zu Beginn erklärte: «Die Bevölkerung soll in den Prozess eingebunden und transparent informiert werden, damit ein an der Gemeindeversammlung tragfähiges Projekt erreicht werden kann.» Trotzdem gebe es einige Rahmenbedingungen: So steht jetzt bereits fest, dass auf dem Areal eine Mittelschule entstehen wird und dass gewisse historische Gebäude «einprägsam und unverwechselbar» erhalten bleiben müssen, wie Grimm erläuterte.

Die Ideen sprudeln

Weil die 175 Teilnehmer und Teilnehmerinnen ebenso viele Vorstellungen für eine mögliche Gestaltung haben, musste die Veranstaltung straff organisiert sein. Moderator Roman Dellsperger teilte die Besucher in drei Gruppen auf, welche dann im Riedstegsaal, dem Schulhaus Riedwies und dem Schulhaus Mitte wiederum in Kleingruppen über ihre Vorstellungen und Wünsche für das Uetikon der Zukunft diskutierten. Hier zeigte sich, dass sich Leute aus allen Bevölkerungsschichten für das Projekt interessieren.

So tauschten sich Eltern, Senioren, und Jugendliche, Alteingesessene, Neuzuzüger und Expats an den Tischen aus. Schon sehr bald wurde deutlich, wie stark das Thema die Anwesenden beschäftigt – nach einer noch etwas verhaltenen Vorstellungsrunde sprudelten innert weniger Minuten die Ideen zum Standort des Gymis, der Seeufergestaltung und der gewerblichen Nutzung. So meinte ein Teilnehmer, die historische Bausubstanz eigne sich gut für das Schulhaus. Doch ein Familienvater widersprach: «Ein Gymi muss doch modern, offen und hell sein!» Besonders viele Diskussionen drehten sich um die Nutzung des Sees und des Seeufers. Wünsche nach einem Uferweg, aber auch nach Badeplätzen wurden laut. «Es soll auf keinen Fall zu viel betoniert werden», mahnte eine Teilnehmerin. An einem anderen Tisch sprach sich eine Teilnehmerin dafür aus, vor allem dem Kleingewerbe einen Platz zu bieten und auf keinen Fall Grossisten anzusiedeln: «Eine Migros gibt es auch in Meilen oder Männedorf.»

«Little Dubai» in Uetikon?

Bald schon wurden die Ideen der Uetiker, denen der Seezugang so lange verwehrt geblieben war, kühner. Die Seestrasse schien vielen ein Dorn im Auge zu sein: «Wir könnten sie verlagern, oder in einem Tunnel unter dem Dorf durchführen», meinte ein älterer Herr. Sein Gegenüber antwortete darauf, eine bebaubare Überdachung der Strasse wäre auch eine Option. Für viele war schlicht klar: Die Seestrasse muss unsichtbar sein. Zwei Tische weiter machte ein Teilnehmer den Vorschlag, man könne doch vor dem Seeufer eine Insel aufschütten, was für einige Lacher sorgte. Wird Uetikon in Zukunft ein kleines Dubai? Es wird sich zeigen.

Während auch beim Mittagessen weiter diskutiert wurde, sammelten die Organisatoren des Anlasses die zu Papier gebrachten Anregungen ein und werteten sie aus, um die Themen dann sogenannten «Fokusgruppen» zuzuteilen. Wie Moderator Roman Dellsperger erklärte, sollen in diesen Gruppen interessierte Teilnehmer die Möglichkeit erhalten, sich an Workshops mit den Planungsteams einzubringen und die erarbeiteten Ideen umzusetzen. Zahlreiche Personen meldeten sich gleich vor Ort für diese Fokusgruppen an, die dann im Frühjahr 2018 ihre Arbeit beginnen werden.

«Keine Alibi-Übung»

Zum Abschluss des Beteiligungsanlasses versammelten sich alle Teilnehmer noch einmal im Riedstegsaal, wo die Ergebnisse des Tages zusammengefasst wurden. Gemeindepräsident Mettler gab sich äusserst zufrieden: «Ich bin positiv überrascht, wie viele gekommen sind. Es freut mich, wie engagiert aber auch respektvoll die Diskussionen waren.» Des Weiteren betonte er, wie zentral die Beteiligung der Bevölkerung sei: «Das hier ist keine Alibi-Übung, sondern es ist uns wirklich wichtig, dass sich alle einbringen können.» Trotzdem mahnte eine Teilnehmerin: « Ich hoffe, dass mit dieser Veranstaltung nicht falsche Hoffnungen geweckt werden und dass die Bevölkerung tatsächlich ernst genommen wird.» Auf diese Sorgen angesprochen, äusserte Projektleiter Benjamin Grimm Verständnis, zeigte sich aber gleichzeitig optimistisch: «Es wird eine grosse Herausforderung sein, alle Vorstellungen in Einklang zu bringen.» Es sei klar, dass nicht immer jeder einzelne zufrieden gestellt sein könne. «Doch wir werden dieses Projekt gemeinschaftlich angehen und eine gute Lösung finden.»

Schlussendlich blieben am Ende des Beteiligungsanlasses aber mehr Fragen als Antworten. Jetzt ist es die Aufgabe der Fokusgruppen und der Projektbüros, Antworten und Lösungen zu finden, um ein mehrheitsfähiges Projekt vorstellen zu können. In einem Jahr soll dann an einem zweiten Beteiligungsanlass ein Entwurf des sogenannten «Masterplans» präsentiert und mit der Bevölkerung diskutiert werden.

(zsz.ch)

Erstellt: 13.11.2017, 10:45 Uhr

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