Meilen

Erst mit dem letzten Teil wird das Rad gespannt

Der Erlenbacher Luke Zollinger stellt seine Stahlskulpturen in Form von Rädern im Meilemer Ortsmuseum aus. Seine Werke müssen, ohne verschweisst zu sein, zusammenhalten.

Der Erlenbacher Luke Zollinger kreiert aus Stahl Räder, die ohne verschweissen zusammenhalten.

Der Erlenbacher Luke Zollinger kreiert aus Stahl Räder, die ohne verschweissen zusammenhalten.

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Zwei menschenhohe, radförmige Werke säumen die Seestrasse beim Bahnhof Winkel. Für knapp einen Monat werden sie nun verschwinden: Ihr Erbauer Luke Zollinger aus Erlenbach stellt sie nämlich mit sechs weiteren Rädern im Meilemer Ortsmuseum aus. «Meine Räder sind weder miteinander verlötet noch verschweisst», erklärt er. «Erst mit dem letzten Teil werden sie stabil und zum Objekt vereint.»

Von der Seestrasse aus kann man dieses letzte Verbindungsteil, das Zollingers Werke zusammenhält, nicht ausmachen. Aus der Nähe ist dieses letzte Stück aber einfach zu erkennen, da es im Gegensatz zum stählernen Rad nicht rostet. Bei jedem Rad ist es jedoch ein anderes Stück, mal ist es eine Schraube, mal ist es ein Seil. Bevor es angebracht ist, greifen die einzelnen Teile seiner Stahlskulpturen nur lose ineinander.

Lange arbeitete Luke Zollinger als Ofenbauer. Dort entdeckte er seine Leidenschaft, mit Metall zu arbeiten. Jeder Ofen hat ein Gewölbe als Feuerraum, das erst mit dem Keilstein hält. Dieser lässt sich mit dem letzten Teil seiner Räder vergleichen, ohne ihn fällt der Ofen in sich zusammen. So bildet das Zusammenspiel von Druck und Zug die Grundlage seiner Werke. Nun hat er dieses physikalische Prinzip auf die 360 Grad eines Rades ausgeweitet.

Auf Zehntelmillimeter genau

Ein solches Rad erfordert präzise Planung. Zollinger verbringt manchmal Monate daran, ein Werk zu konzipieren. «Ich zeichne auf Papier», sagt der Erlenbacher. «Danach werden meine Pläne auf den Computer übertragen.» Die Bestandteile des Rads können nämlich nicht von Hand hergestellt werden. Die Stücke müssen auf den Zehntel eines Millimeters genau passen: Deshalb werden sie in der Werkstatt eines Freundes von einem Laser zurechtgeschnitten.

Um ein Rad aufzubauen, setzt Zollinger die einzelnen Teile auf dem Boden zusammen. Erst wenn er das Rad gespannt hat, kann er es aufrichten: «Die Räder müssen so präzise konstruiert sein, dass sie mit dem letzten Verbindungsteil gleich gut halten, wie wenn jede Verbindung verschweisst wäre», erklärt er.

In der Ausstellung ist jedes Rad mit einer Beschreibung versehen. «So kann man sich besser vorstellen, wie der Aufbauprozess aussieht», sagt der Erlenbacher. «Man sieht die physikalische Spielerei, die hinter dem gespannten Rad steckt.»

Die Räder sollen rosten

Seine Werke hat Zollinger bislang nur aus Stahl hergestellt. Stahl rostet sehr schnell, deshalb präpariert er seine Werke, sodass sie nach seinen Vorstellungen rosten. Zudem lässt er seine stählernen Skulpturen auch draussen stehen. Kürzlich hat er ein erstes Rad aus Chromstahl fertiggestellt, für einmal ein Material, das nicht rostet. Dieses wird das neuste seiner Werke an der Ausstellung sein. Neben den Stahlskulpturen Zollingers stellt Nathalie Detsch Southworth ihre Bilder aus. Ihre Werke würden sich gut gegenseitig ergänzen, findet Zollinger.

«Meine Werke sind nicht wie ein Bild», erläutert er, «bei einem Gemälde weiss man nie, ob man mit dem letzten Pinselstrich sein Werk tatsächlich vollendet hat.» Ein Rad hingegen kann 360 Grad nicht überspannen. Deshalb setzt Zollinger sich von Anfang an ein Ziel, das bereits mit der Konzipierung des Rads feststeht.

Ausstellung von Luke Zollinger und Nathalie Detsch: 16. März bis 7. April, Samstag und Sonntag, von 14 bis 17 Uhr, Ortsmuseum Meilen, Kirchgasse 14. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.03.2019, 10:11 Uhr

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