Uetikon

Er will mehr Menschen für die Milizarbeit gewinnen

Der Uetiker SVP-Kantonsrat Christian Hurter erachtet es als Bürgerpflicht, sich in der Gesellschaft zu engagieren. Es brauche ein Anreizsystem, damit die Menschen dies wieder vermehrt täten – etwa eine Steuererleichterung.

Christian Hurter, Kantonsrat und Präsident der SVP des Bezirks Meilen, im Uetiker Restaurant Krone.

Christian Hurter, Kantonsrat und Präsident der SVP des Bezirks Meilen, im Uetiker Restaurant Krone. Bild: David Baer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist ein kalter Januarmorgen, in der Uetiker Krone aber ist es schön warm. Durch das Fenster des Restaurants sieht man den Hafen. «Der See ist für mich ein Ort der Erholung, Inspiration und Ruhe», sagt Kantonsrat Chris­tian Hurter (SVP). Er ist ein begeisterter Segler, ein See­bueb, der in Oberrieden aufgewachsen ist und seit einigen Jahren mit seiner Familie in Ueti­kon lebt.

Nicht weit vom Hafen liegt die Chemie Ueti­kon. Mit dieser hat sich Hurter im vergangenen Jahr oft befasst, da auf dem alten Fabrikgelände eine neue Kantonsschule entstehen wird. Das Gymnasium, sagt der 52-Jäh­rige und nimmt einen Schluck von seinem Café crème, sei eine grosse Chance für Ueti­kon, da nebst der Schule auch öffentlicher Raum am See für die Bevölkerung ent­stehe. Hur­ter, der in Ueti­kon eine Firma für Bau- und Immobilienmanagement führt, sagt aber auch: «Hingegen ist es ein Wermutstropfen für mich, dass der Standort des Provi­soriums nie einer überregionalen Prüfung unterzogen wurde – unabhängig vom Standort der defini­tiven Schule.»

Ein Rädchen im Getriebe

In seinem ersten Jahr als Kan­tons­rat hat Hurter vor allem der Budgetprozess beeindruckt. «Es ist ein riesiges Geschäft, das der Kantonsrat Jahr für Jahr bewältigen muss», sagt er. «Da steckt viel Arbeit dahinter, und sehr viele Leute wirken mit.» Wohl auch deshalb ist dem Mitglied der kantonsrätlichen Ge­schäfts­prüfungskommission bewusst, dass die Abgeordneten nur ein Rädchen im Getriebe sind. Als Einzelner unter 180 Parlamentariern könne er in Abstim­mungen wenig bewirken, sagt Hurter. «Als Einzelner mit einer guten Idee, die breit abgestützt ist, kann man dagegen sehr viel bewegen.»

Was wäre denn eine gute Idee? Hurter lacht, so schnell schüttelt niemand eine zündende Idee aus dem Ärmel. Es gibt aber viele Themen, die ihn beschäftigen: Respekt vor dem Privateigentum, Schutz vor staatlicher Umverteilung – klassische bürgerliche An­lie­­gen, über die Hurter lange ­re­den könnte. Auch eine unabhängige Energieversorgung ist ihm wichtig. Voreiliges Abschalten der Atomkraftwerke bei gleichzeitigem Import von Braunkohleenergie sei kein vorausschauender und guter Weg, findet er.

Freiwillige vor!

Ein besonderes Anliegen ist für ihn zudem die Stärkung des Milizsystems: Früher seien Leute, die sich engagiert hätten, geachtet worden. Das sei heute nicht mehr so, es habe ein Wertewandel stattgefunden. «Da müssen wir dagegenhalten», sagt Hurter. «Sonst finden wir keine Leute mehr, die für etwas einstehen wollen.» Als Präsident der SVP-Bezirkspartei Meilen weiss er, wie schwierig es ist, kompetente Leute zu finden, die sich langfristig für eine Sache einsetzen wollen. «Es bräuchte ein Anreizsystem für Personen, die Milizarbeit leisten.»

Hurter, der auch Vizepräsident der Uetiker Rechnungsprüfungskommission ist, denkt dabei nicht nur an Politiker, sondern auch an all jene Menschen, die Ämter in Vereinen ausüben. Er selber war mehrere Jahre Präsident der Seglervereinigung Oberrieden und auch in der Feuerwehr aktiv. Solche Engagements seien unglaublich wichtig und sollten entsprechend gewürdigt werden, findet er. Hurter kann sich vorstellen, dass Leute, die Milizarbeit leisten, in irgend­einer Form steuerlich zu begünstigen, je nach Arbeitsaufwand oder Funktion. Wie das im Detail aussehen könnte, weiss er zwar noch nicht – aber immerhin: Da ist eben doch eine Idee, die man weiter verfolgen könnte. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 10.01.2017, 09:09 Uhr

Ratsgipfeli (Serie): Kantonsräte im Portrait.

Hineingehorcht

Ist Macht käuflich?
Christian Hurter. Ja, Macht ist bedingt käuflich. Macht basiert auf Respekt im positiven wie im negativen Sinn. Geld ist dabei ein Aspekt unter vielen. Nur Geld allein reicht nicht zur nachhaltigen Macht.

Wann verlieren Sie die Beherrschung?
Bei langatmigem, unqualifiziertem und haltlosem Geschwafel. Dafür ist mir die Zeit zu schade.

Mögen Sie Überraschungen?
Überraschungen gehören zum Leben. Positive Überraschungen liebe ich, negative sind Herausforderungen und Ärgernisse zugleich. Diese mag ich nicht, erfüllen mich aber mit Zufriedenheit, wenn ich sie gemeistert habe.

Haben Sie schon mal ans Auswandern gedacht?
Ja, ins Schlaraffenland, wo Milch und Honig fliessen, sich das bedingungslose Grundeinkommen durchgesetzt hat, jeden Tag die Sonne scheint und ein wunderschönes Segelschiff auf mich wartet.

Was war als Kind Ihr Traumberuf?
Lokomotivführer und Pilot. Beim Ersteren fasziniert mich die grosse Masse, ein Ungetüm aus Stahl, das man bewegen kann, und beim Fliegen ist es die hohe Technik, verbunden mit dem Gefühl der Freiheit. (miw)

Artikel zum Thema

Der Freisinnige, den manche als «linken Typen» sehen

Kantonsratsserie Finanzpolitik steht zuoberst auf der Agenda von FDP-Kantonsrat Peter Vollenweider. Der Stäfner setzt sich aber auch für Behinderte ein. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Unreine Haut Wenn es auf der Haut wuchert und spriesst

Panorama Portugal, fernab vom Meer

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben