Stäfa

Er war der erste Dorffotograf von Stäfa

Felix Kägi hat 1955 das erste Fotofachgeschäft in Stäfa aufgebaut und es bis zu seiner Pensionierung 1985 geführt. Am 26. Mai ist der erste Dorffotograf im 94. Lebensjahr verstorben.

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Felix Kägi hat die 30 Jahre von 1955 bis 1985, in denen er Stäfas Dorffotograf war, als sein Lebenswerk bezeichnet. Als junger Familienvater hatte er zuvor in St.Gallen bereits selbstständig, aber im Angestelltenverhältnis als Fachfotograf im Aussendienst gearbeitet.

Da kam der Wunsch auf, die erworbene Routine in einem eigenen Betrieb zu nützen. Warum nicht ein Fotogeschäft eröffnen? Das Glück fiel ihm in Form eines Inserates in einer Fotozeitung auch schon zu: An der Stäfner Goethestrasse 5 waren «Lokalitäten, geeignet für Fotograf, da keiner am Platz» (Inseratetext) ausgeschrieben.

Während Seegfrörni zur Stelle

So wurde das erste Fotofachgeschäft in der Geschichte der Verenagemeinde als «Foto Kägi» am 10. Dezember 1955 eröffnet. Der gewiefte Fotograf verschickte im damals aufstrebenden Industriedorf ein Rundschreiben an die Bevölkerung, um sich als neu zugezogener Gewerbler vorzustellen und seine Dienste anzubieten. Das Geschäft mit eigenem Fotostudio und Labor florierte. Festbilder, Familienaufnahmen und Passbilder, aber auch Industrieaufnahmen gehörten nebst Kameras und Zubehör zum Angebot und Sortiment. Technische Aufnahmen waren sein bevorzugtes Fachgebiet. Während die Fotografen-Gattin Sonja im Laden stand und die Kundschaft betreute, war der Berufsmann oft auswärts für Industrieaufnahmen unterwegs.

«Eine Seebueb bin ich nie geworden.»Felix Kägi, Fotograf

Als der legendäre Patriot in der Ötiker Haab seinen heutigen Standort fand, war Kägi mit der Kamera zu Stelle. Während der «Seegfröörni» 1963 liessen sich sämtliche Schulklassen im Dorf auf dem Eis als Gruppenbild beim Stäfner Stein von ihm ablichten. Bilder von ihm erschienen in der «Zürichsee-Zeitung», sie prägten auch die Prospekte des örtlichen Verkehrsvereins und haben so manches Familienalbum bereichert. Daneben kannte er jeden Winkel im Dorf. Er liebte es, durch die Gassen und Quartiere zu schlendern, nicht ohne sein Werkzeug dabei zu haben. Die Rollei sei gleich nach der Lehre zu einer vertrauten «Freundin» geworden.

Werke im Museum gezeigt

Zu seinem 80. Geburtstag widmete ihm das Museum zur Farb 2004 eine Ausstellung seiner fotografierten Geschichten. Der ehemalige Fotograf sagte damals im Gespräch mit der Schreiberin, stolz zu sein, dass sein Fotogeschäft immer noch existiere, damals noch als Foto Boschung. Inzwischen ist auch der zweite Nachfolger, Foto Sabater, ausgezogen und heute gibt es kein Fotogeschäft mehr in Stäfa – das Zeitalter der Digitalfotografie hat Einzug gehalten. Kägi hatte aber auch ein Gespür für Motive und Stimmungen, so dass aus einer gewöhnlichen Landschaftsaufnahme je nach Lichteinfall ein Kunstwerk entstand.

Felix Kägi trat mit 61 Jahren in den Ruhestand. Zusammen mit seiner Lehrzeit konnte er auf 45 Jahre Berufstätigkeit zurückblicken. Er freute sich, endlich Zeit für seine Hobbys zu finden, etwa Pilze oder Marken und Postkarten zu sammeln. Seine 87-jährige Frau Sonja, die er 1953 geheiratet und mit der er drei Kinder aufgezogen hat, erzählt, dass er gerne in der Männerriege geturnt und im Männerchor gesungen habe, sich aber vor allem auf das gesellige Beisammensitzen danach bei einem Jass gefreut hätte.

Als Zürcher Oberländer, der in St. Gallen aufgewachsen war und dort auch die Lehre als Fachfotograf absolviert hatte, ist Felix Kägi «nie ein Seebueb geworden», wie er einst sagte. Dennoch hat es ihn nie mehr von Stäfa weggezogen, wo er immerhin 63 Jahre seines Lebens verbracht hat. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 06.06.2018, 14:44 Uhr

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