Hombrechtikon

Er entgeht den Psychiatern nicht

Ein 33-Jähriger wehrt sich gegen die Einweisung in eine geschlossene psychiatrische Anstalt. Er soll unter anderem in Feldbach eine Kollegin niedergestochen haben.

Ein 33-Jähriger hat vor zwei Jahren in Feldbach eine Kollegin niedergestochen. Diese Überzeugung teilt nach dem Bezirksgericht Meilen jetzt auch das Zürcher Obergericht.

Ein 33-Jähriger hat vor zwei Jahren in Feldbach eine Kollegin niedergestochen. Diese Überzeugung teilt nach dem Bezirksgericht Meilen jetzt auch das Zürcher Obergericht. Bild: Symbolbild/Keystone

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Bald kann man seine Geschichte mit der von «Carlos» vergleichen. Ein heute 33-jähriger Zürcher macht dem bekannten Gewalttäter Konkurrenz in Sachen Strafmassnahmen. Seit er 20 ist, hat er kaum Zeit ausserhalb von dicken Mauern verbracht. Den grössten Teil in einer Justizvollzugsanstalt, die psychisch belastete oder suchtkranke Straftäter beherbergt. Zehn Jahre war er dort, obwohl er nur zu einer dreijährigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Da er in einer stationären Massnahme steckte und wohl zu wenig Fortschritte zeigte, blieb er deutlich länger als vorgesehen.

Einmal draussen kam er in eine Stiftung. Nach vier Monaten musste er nach einer Schlägerei gehen. Es folgten weitere Rauswürfe aus sozialen Einrichtungen, etwa wegen Drogenkonsums. Seit Frühling 2017 sitzt er wieder hinter Gittern. Er wurde verhaftet, nachdem er im Globus versucht hatte, einen Pullover zu klauen. Bei der Flucht lieferte er sich ein Gerangel mit zwei Ladendetektiven. Einer erlitt eine Platzwunde und ein blaues Auge.

Mit Sackmesser zugestochen

Als der 33-Jährige in Haft sass, kamen weitere Vorwürfe zum Vorschein. Der Gewichtigste: Er soll im Februar 2017 an der Seestrasse in Feldbach eine Kollegin niedergestochen haben. Diese hatte zwar Glück, doch der Stich mit einem Sackmesser in den Bauch hätte lebensgefährlich sein können.

Die Beiden waren bei einem Bekannten, sie konsumierten Kokain. Er wollte plötzlich weg, sie ist ihm nachgelaufen. Gemäss ihren Aussagen verlor sie ihn aus den Augen, dann tauchte er auf und stach zu. Das Bezirksgericht Meilen war überzeugt, dass es sich so abgespielt hat. Der Beschuldigte, der seit seinem fünften Lebensjahr in Heimen gewohnt hat, bestreitet die Attacke. Darum zog er ans Obergericht.

Ihm geht es darum, «den 59er» zu verhindern

Er wirkt ruhig, was nach seinen Angaben vor allem am Methadon liegt, dass der schwer Drogensüchtige nimmt, um nicht an Entzugserscheinungen zu leiden. Er sagt, er habe die Frau nicht niedergestochen und dem Ladendetektiv höchstens per Zufall eine Hand ins Gesicht geschlagen.

Ihm geht es darum, «den 59er» zu verhindern, also Artikel 59, die stationäre Massnahme, die auch «kleine Verwahrung» genannt wird. Da er keine schweren Gewalttaten verübt habe, könne die Massnahme nicht angewendet werden, sagt er. Dass er in der Vergangenheit Probleme gehabt habe, liege an den Drogen. Ein psychisches Problem habe er nicht.

Drogen und Gewalt

Die Psychiater sehen das freilich anders. Sie attestieren dem Mann eine dissozialen Persönlichkeitsstörung und ein schweres Drogenproblem. Dazu kommt ein problematisches Verhältnis zu Gewalt. Zweimal hat er sich in diesem Jahr mit Mithäftlingen geprügelt. Doch seit etwa einem Monat habe er mit der Gewalt abgeschlossen, sagt der Beschuldigte. Er sei jetzt bereit, ein Teil der Gesellschaft zu werden, auch wenn das in der Vergangenheit nicht so war.

Ihn einzig aufgrund der Meinung eines Psychiaters wegzusperren, sei einfach falsch. Am Obergericht kommt er damit nicht weit. Die Richter sind überzeugt, dass der 33-Jährige alle Taten begangen hat. Es sei schwer zu glauben, dass seine Kollegin ihn grundlos einer solchen Tat beschuldigt, sagt der Gerichtsvorsitzende. Die Version des Beschuldigten, dass sie sich bei einem Sturz selbst verletzt hat, sei völlig unglaubwürdig. Er habe ein Messer dabei gehabt, das bestätigten Zeugen. Auch die Verletzungen des Ladendetektivs könnten nur durch einen direkten Schlag erklärt werden.

Der Mann wird zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Da er diese mittlerweile mehr als abgesessen hat, kommt eine Rückkehr ins Gefängnis nicht infrage. Eine Freilassung wollen die Richter aber auch nicht. Der Vorsitzende mahnt den Beschuldigten eindringlich zur Kooperation. Die letzte Chance, dem verhassten «59er» zu entgehen, bleibt dem 33-Jährigen beim Bundesgericht.

Erstellt: 17.09.2019, 17:17 Uhr

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