Hombrechtikon

Eltern befürchten Schulhaus-Schliessung – Schulpflege winkt ab

Bewohner befürchten, dass die Schule in Feldbach mittelfristig geschlossen wird. Sie engagieren sich für altersdurchmischte Klassen und werfen den Behörden eine Salamitaktik vor. Für die Schulpflege ist der Abbau der Mittelstufe aber unumgänglich – und keine Vorstufe zur Schliessung.

Die Idylle trügt: Das Schulhaus Feldbach hat in Hombrechtikon zu kontroversen Diskussionen geführt.

Die Idylle trügt: Das Schulhaus Feldbach hat in Hombrechtikon zu kontroversen Diskussionen geführt. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Im Hombrechtiker Ortsteil Feldbach grassiert die Angst, dass die Primarschule einem schleichenden Abbau zum Opfer fallen könnte. Grund ist die Tatsache, dass ab dem nächsten Schuljahr 2018/19 in der Oberstufe nur noch die 6. Klasse angeboten wird. Die 4. und 5. Klasse wird auf­gehoben und damit auch die gemischte Klasse für Schüler aus drei Jahrgängen. Die Behörden informierten die Lehrer und Eltern­ der betroffenen Schul­kinder im Februar an einer Veranstaltung mündlich über den Ent­scheid, wie der Gemeinderat und die Schulpflege kürzlich mitgeteilt haben.

Wegen des Entscheids werden zehn Viert- und Fünftklässler aus Feldbach entsprechenden Klassen in zwei anderen Schulhäusern in Hombrechtikon, nämlich Tobel und Eich, zugeteilt. Umgekehrt sollen acht weitere Sechstklässler aus dem Schulhaus Tobel künftig in Feldbach zur Schule gehen. Nicht betroffen von einer Veränderung ist die Unter­stufe mit einer altersgemischten Klasse­ für Erst- bis Drittklässler.

Begründung der Schulpflege

Die Schulpflege begründet die Beschränkung der Oberstufe auf eine 6. Klasse mit den Lehrer­kapazitäten, die der Kanton der Gemeinde künftig zur Verfügung stellt, und den vorgeschriebenen Klassengrössen. Als weiteren Fak­tor nennt sie die Entwicklung der Schülerzahlen, insbesondere die Zunahme von Erstklässlern. «Die bisherige Klassenkonstellation kann deshalb nicht beibehalten werden», hält der Gemeinderat fest.

Die Ressourcen seien nicht aus­reichend, um alle Klassen aufrechtzuerhalten und in Feldbach weiterhin zwei Klassen für mehrere Jahrgänge anzubieten. Man habe, ergänzt die Schul­pflege, eine Lösung gesucht, die für möglichst wenige Schüler grosse Veränderungen zur Folge hätten. Zudem habe man sorg­fältig abgeklärt, ob die Schul­wege für die betroffenen Kinder zumutbar und problemlos zu bewältigen seien.

Nicht einverstanden mit dem Entscheid ist die Interessen­gemeinschaft (IG) Schule Feldbach und Umgebung, der laut ihrer Präsidentin, Priska Altorfer, 25 Personen angehören. «Die Schule Feldbach ist in Gefahr», be­hauptet die IG in einer Stellungnahme. Sie wirft den Behörden eine «Salamitaktik» vor – mit dem Ziel, die Schule mittelfristig ganz zu schliessen. Zudem betont­ sie die Vorteile des altersdurchmischten Lernens gegenüber normalen Regelklassen.

Mehrere Kritikpunkte

Die Begründung für die Schliessung der Oberstufe für Viert- und Fünftklässler sei «zynisch», argumentiert die IG, zumal man schon vor drei Jahren sechs Kinder aus einer vollen Klasse in andere Schulhäuser umverteilt habe. Mit der präsentierten Lösung werde keine einzige Lehrerstelle eingespart. Die Schulpflege ziele dar­auf ab, dass es im übernächsten Schuljahr 2019/20 zwei leere Klassenzimmer gebe: «Dann wäre­ eine definitive Schliessung wohl nicht mehr fern», heisst es in der Mitteilung der IG.

Priska Altorfer ist als Mutter von der Neuorganisation der Klas­sen in Feldbach selber betroffen. Dies auch deshalb, weil ihre neunjährige Tochter in der Freizeit als Kunstturnerin aktiv ist und künftig wegen eines längeren Schulwegs noch stärker belastet werde, wie Altdorfer glaubt. Die Präsidentin der IG kritisiert, dass die Schulpflege die Vorteile von Klassen mit Schülern aus meh­reren Altersstufen viel zu wenig schätze: Altersdurchmischtes Lernen sei nicht nur pädagogisch sinnvoll, es helfe auch mit, dass viele Kinder kostengünstig inte­griert werden könnten.

Weiter kritisiert sie, dass die Begründung der Schulpflege nicht plausibel sei: «Gemäss dem Schulamt gäbe es mit Blick auf die Ressourcen durchaus noch Spielraum.» Zudem habe man die Betroffenen nur kurzfristig informiert, der IG bis heute keine Akten­einsicht gewährt und weder Lehrer noch Eltern in den Entscheid eingebunden.

Beschwerde denkbar

Die Schulpflege betont demgegenüber, dass sie schon im letzten­ Herbst bestätigt habe, dass sie an der Schule in Feldbach festhalte. Der Entscheid, im nächsten Schuljahr auf zwei Klassen zu verzichten, bedeute nicht, dass man das ganze Schulhaus schliesse. Auch das System mit dem altersdurchmischten Unterricht werde weitergeführt, einfach auf der Unterstufe. In ihrer Stellungnahme stellte die Schulpflege aber auch klar: «Weitere Zusagen können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen.» Die IG Schule Feldbach und Umgebung bleibt indes skeptisch. Dies auch deshalb, weil der Gemeinderat eine Einzelinitiative ihres Mitglieds Dietmar Höhne für ungültig erklärt hat. Mit dem von 80 Personen unterstützten Vorstoss sollte die Schliessung für Viert- und Fünftklässler verhindert und eine Abstimmung ermöglicht werden.

Nun will die IG die Entwicklung kritisch weiterverfolgen. Gemäss Präsidentin Altorfer attes­tiert man der Schulpflege durchaus Gesprächsbereitschaft und hofft nun auf eine Aussprache, die Mitte Mai stattfinden soll. Je nach Ergebnis kann sich die IG als weiteren Schritt aber auch eine Aufsichtsbeschwerde beim Bezirksschulamt Meilen vorstellen: «Das würden wir unter Umständen prüfen», sagt Altorfer. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.04.2018, 13:09 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!