Meilen

Elea Nick freut sich auf ihr Heimspiel

Die 18-jährige Geigenvirtuosin Elea Nick tritt mit einem jungen ad-hoc-Ensemble in der katholischen Kirche Meilen auf. Vivaldis Vier Jahreszeiten stehen auf dem Programm.

Lyrische Episoden einer Komposition kostet Elea Nick ebenso aus, wie sie angriffslustige Passagen mit Wucht intoniert.

Lyrische Episoden einer Komposition kostet Elea Nick ebenso aus, wie sie angriffslustige Passagen mit Wucht intoniert. Bild: zvg/Patric Spahni

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Nach einer vierstündigen Autofahrt nach Interlaken und zurück, wo Elea Nick die Meisterklasse beim legendären russischen Geigenpädagogen Zakhar Bron besucht, ist die junge Meilemerin bereit fürs Interview am Telefon. Obwohl es schon Abend ist. Von Müdigkeit keine Spur, die Stimme der 18-Jährigen klingt hell und ruhig.

Diese souveräne Ruhe prägt denn auch jeweils ihre charismatische Präsenz auf der Bühne. So war es in ihrem Tonhalle-Debüt mit Tschaikowskys Violinkonzert im November 2016, so war es auch im Dezember letzten Jahres in der Tonhalle Maag, als sie - wiederum mit den Zürcher Symphonikern – das facettenreiche Violinkonzert von Khatchaturian vortrug. Und beide Male mit ihren temperamentvollen Interpretationen das Publikum zu Standing Ovations hinriss.

Hochbegabung früh erkannt

«Ich verspürte überhaupt keine Nervosität», blickt Elea Nick auf das komplexe Khatchaturian-Konzert zurück, das immerhin ganze 40 Minuten dauerte und welches sie erstmals öffentlich spielte. So hat sie die variationsreiche Themenentwicklung des russischen Komponisten, der ihr «extrem gut gefällt», mit einer stupenden Leichtigkeit vorgetragen: Angriffslustige Passagen hat sie mit Wucht intoniert und sie dabei ebenso ausgekostet wie sie die lyrischen Episoden sichtlich genoss, so dass man den Blick kaum von der Geigerin lösen mochte.

«Na ja, dafür habe ich auch sehr viel geübt», meint sie, die mit fünfeinhalb Jahren das Geigenspiel für sich entdeckte. Als die Eltern, beide Musiker, die Hochbegabung ihrer Tochter erkannten und deren Leidenschaft spürten, haben sie sie von Beginn weg professionell gefördert. In der Schweiz gewann Elea mehrmals Jugendmusikwettbewerbe als Geigerin und Kammermusikerin. Internationale Erfolge an Violinwettbewerben liessen ebenfalls nicht auf sich warten.

Ihre Mutter und Geigenlehrerin Cornelia Nick ist inzwischen ihre Managerin, die die Tochter betreut und regelmässig nach Interlaken chauffiert. Dort hat Professor Bron eine Akademie für Hochbegabte aufgebaut. Bei ihm steht nicht technische Virtuosität und Präzision im Vordergrund, sondern der emotional richtige Ausdruck. Etwas, das seiner Schülerin vom Zürichsee liegt und ihr Spiel so unverwechselbar macht.

Viel Lernhunger

Im März hat Elea Nick nach dreieinhalb Jahren an der Halbtagesschule Akad, dem College für Hochbegabte, die Eidgenössische Matur erlangt. Und offenbart sogleich ihre Pläne: «Im September fange ich ein Studium in Politikwissenschaft an, mit Geschichte im Nebenfach.»

Denn Elea Nick sehnt sich auch nach etwas anderem: «Ich lerne sehr gerne und möchte mich darum intellektuell weiterbilden und mir ein weiteres Standbein aufbauen.» Wenn sie hingegen Musikstücke einübe, «übe ich immer das gleiche».

Und die Karriere als Violinsolistin, die schon in so vielen Konzertsälen dieser Welt aufgetreten ist und das Publikum begeistert hat? «Musik ist und bleibt meine Leidenschaft, ich gebe sie nicht auf», versucht sie zu beruhigen und erklärt, dass die Musik je länger je mehr auch zu ihrem Job geworden sei. «Alles was ich mir leisten kann, kommt von meinem Geigenspiel.» Zudem fange sie voraussichtlich im Februar 2019 an der privaten Kaleidos Musikhochschule ein Fernstudium an, um mit einem Master of Arts in Klassik abzuschliessen. «Es ist immer gut, einen Abschluss vorweisen zu können.»

Doch vorerst freut sich die Meilemer Virtuosin auf das Heimspiel in ihrer Wohngemeinde. Am Sonntag, 3. Juni tritt sie in der katholischen Kirche mit Vivaldis Vier Jahreszeiten auf.«Das ist mega cool, weil alle meine Kollegen kommen können», frohlockt sie am anderen Ende der Leitung und fügt voller Bescheidenheit an: «Ich fühle mich geehrt, angefragt worden zu sein.»

Mit ihrer Mutter hat sie eine kleine Besetzung als Kammerbegleitung zusammengestellt. „«Es sind alles Bron-Studenten und gute Freunde.» So wird aus dem Heimspiel zusätzlich ein Konzert unter Gleichgesinnten mit einem Solistenorchester. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 29.05.2018, 14:27 Uhr

Zwei Jubiläen

Konzert als Geschenk zur Reformation

Ein besonderes Geschenk widmet die Katholische Kirche St. Martin in Meilen ihrer reformierten Schwesterkirche zum 500-Jahr-Jubiläum der Reformation: Das Konzert mit der Meilemer Violinsolistin Elea Nick. Gespielt werden die vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi, begleitet wird die Geigerin von einem ad-hoc-Ensemble. Das Konzert, zu dem die Katholische Kirche einlädt, gedenkt auch eines zweiten Jubiläums. Im Sommer 2018 feiert Reformiert Meilen nämlich seinen Kirchturm. Nach einem Brand der 1495 im hochgotischen Stil erbauten Kirche wurde der Turm auf den alten Grundmauern in den Jahren 1514 bis 1518 errichtet.

Sonntag, 3. Juni, 17 Uhr in der kath. Kirche St. Martin Meilen, Eintritt frei. anschliessend Apéro.

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