Männedorf

Eintauchen in Max' Welt

Max Schneebeli hat zum 80. Geburtstag ein ganz besonderes Geschenk erhalten: Eine Ausstellung seiner ausgeklügelten und raffinierten Holzkunstwerke in Männedorf.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Ich wusste gar nichts von der Ausstellung, meine Frau und die Kollegen vom Musikverein haben alles hinter meinem Rücken organisiert», erzählt Max Schneebeli über sein Geburtstagsgeschenk.

Routinemässig lud der Männedörfler an seinem 80. Geburtstag den Musikverein Harmonie Eintracht Männedorf zu sich nach Hause ein. Da verrieten die Musiker ihrem Klarinettisten von der geplanten Ausstellung: In den Jahren zuvor hatte er seine Holzskulpturen dem Orchester nämlich jedes Jahr an seinem Geburtstag gezeigt. Vor allem seine zwei komplexesten Werke stiessen bei seinen Freunden auf Begeisterung: Eine Kugelbahn, in der die Kugeln von unten nach oben befördert werden sowie eine Standuhr, deren Uhrwerk von einer kleinen Kugelbahn betrieben wird.

«Eigentlich hatte ich meine Arbeiten aus Holz nur für mich gemacht. Ich wollte sie nie ausstellen.»Max Schneebeli

Seine Frau und seine Kollegen waren sich einig, dass Schneebelis Werke auch in der breiten Öffentlichkeit auf Anklang stossen würden. «Eigentlich hatte ich meine Arbeiten aus Holz nur für mich gemacht. Ich wollte sie nie ausstellen», führt Schneebeli aus, «Jetzt freue ich mich trotzdem darauf.» Vor zwölf Jahren schloss er sich dem Musikverein Harmonie Eintracht Männedorf an. Er begann, Holzgegenstände auf Vordermann zu bringen. Also reparierte er das wackelige Dirigentenpodest, auch reparierte er die defekten Notenständer seiner Kollegen.

Dafür wollen sie ihm nun ihren Dank zeigen. An der Vernissage am Freitag kam beinahe das ganze die ganze Harmonie Eintracht Männedorf zusammen, um ihr Geburtstagsgeschenk für den Kollegen zu sehen: «Max' Welt» heisst die Ausstellung. Nächstes Wochenende wird sie noch in der Kulturschüür zu sehen sein.

Beruf ist auch Hobby

Schneebeli tüftelt nicht nur gerne mit Holz: Er war beruflich nämlich als Werkzeugschärfer tätig. Vor gut 50 Jahren gründete er die Max Schneebeli Schärferei AG in Affoltern am Albis, die von seinem Sohn in erster Generation weitergeführt wird. «Einmal pro Woche helfe ich jetzt noch dort. Bei mir überschneiden sich eben Hobby und Beruf», sagt Schneebeli. In der Schärferei stehen heute noch Maschinen, die er selbst entworfen hatte. «Seit über 50 Jahren laufen sie jetzt, fast einwandfrei», betont Schneebeli. Jedes Gerät in seinem Betrieb passte er genau an seine Bedürfnisse an. Es sei eine Geduldsprobe gewesen, da er sehr präzise arbeiten musste.

Schneebeli begann bereits in Affoltern am Albis Sterne aus einem Baumstamm als Weihnachtsdekoration herauszusägen. Auch Kerzenskulpturen verschiedener Grössen stellte er her, genauso wie Insektenhäuser. Für seinen Sohn, als dieser noch klein war, baute er zunächst einmal eine einfache Kugelbahn, die heute noch in seiner Stube steht. Nach seiner Pensionierung richtete er sich auf engstem Raum in der Remise neben seinem Haus ein Atelier ein: «Ich habe in meiner kleinen Werkstatt alles, was ich brauche und kann hier Millimeterarbeit verrichten.» Gemeinsam mit seinen vier Enkelkindern baut er jetzt immer wieder hölzernes Spielzeug, wie zum Beispiel ein Piratenschiff oder eine Lokomotive. Schneebelis Affinität zur Perfektion zeigt sich jedoch nirgendwo so sehr wie bei seiner Kugelbahn und seiner Standuhr. Diese zwei komplexen Werke bilden das Herzstück der Ausstellung.

«Ich habe in meiner kleinen Werkstatt alles, was ich brauche und kann hier Millimeterarbeit verrichten.» Max Schneebeli

Seine Kugelbahn steht normalerweise auf einem knapp einen Quadratmeter grossen Brett in seinem Wohnzimmer. Die Kugel wirft man am untersten Punkt der Bahn ein. Damit die Kugel ganz nach oben gelangt, muss die Bahn an dreizehn verschiedenen Orten gespannt werden: Zum Beispiel beim Katapult, wo die Kugel gut einen Meter in die Luft geschleudert wird, nur um Millisekunden später genau in einem kleinen Trichter zu landen. Die einminütige Reise der Kugel endet, wenn sie in einem kleinen, natürlich auch selbst hergestellten Auto die Kugelbahn verlässt. Fast drei Jahre lang hat Max Schneebeli daran gearbeitet, und eigentlich ist er noch nicht fertig: «Mir kommen immer wieder Verbesserungsmöglichkeiten in den Sinn, oft muss man auch kleine Sachen wieder reparieren.»

Herausforderungen schaffen

Die Arbeiten an der Standuhr hingegen sind abgeschlossen. Ihr Uhrwerk wird von einer kleinen Kugelbahn angetrieben. Die Kugel rollt eine Bahn auf einem Brett hinab das daraufhin kippt und die Kugel wieder zurückrollen lässt. Jedes Mal wenn die Bahn kippt, wird ein Zahnrad betätigt.

Max Schneebeli hat präzise gerechnet, dass sein erstes Zahnrad neun Zähne haben muss. Das zweite Zahnrad hat 85 Zähne, wodurch der Minutenzeiger jede Minute seine Position wechselt. Dank einem 60 Kilogramm schweren Gewicht kann die Uhr 19 Stunden lang laufen. In dieser Zeit wird sie höchstens eine Minute vor - oder nachgehen. «Die Uhr muss man nicht neu erfinden. Mir geht es darum, eine Herausforderung zu schaffen. Es darf auch ruhig ein bisschen verrückt sein», sagt Schneebeli lachend.

Öffnungszeiten von Max`Welt in der Kulturschüür Männedorf, Alte Landstrasse 230: Freitag, 15.Februar, von 19 Uhr bis 22 Uhr, Samstag, 16.Februar und Sonntag, 17.Februar, 13 Uhr - 17 Uhr. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 11.02.2019, 14:27 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!