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Einmal aus dem Alltag ausbrechen

Regula Jaeger und Markus Maeder sind zu Fuss von zuhause losgezogen und nach sieben Wochen in Genf angekommen. Sie wollen ihre Erlebnisse in Buchform herausbringen. Dafür sammeln sie noch Geld.

Die Fussgänger Regula Jaeger und Markus Maeder, im Hintergrund der Etzelpass mit ihrem ersten Schlaflager.
Die Fussgänger Regula Jaeger und Markus Maeder, im Hintergrund der Etzelpass mit ihrem ersten Schlaflager.
Michael Trost

Mit 70 geht’s bergab im Leben, sagte sich Markus Maeder. «Da wollte ich noch einmal ganz hinauf», beschreibt der heute 72-jährige Rapperswiler die Motivation, sich von Februar bis November über alle Berge bis nach Genf zu begeben. Aus der Komfortzone der eigenen vier Wände und des Alltagsrhythmus ausbrechen, um sich in der «grössten Fussgängerzone» fortzubewegen, «ja, da war ich sofort dabei», erzählt Regula Jaeger, die Maeder seit vielen Jahren kennt. Beide sitzen am Stubentisch in Jaegers Üriker Zuhause und berichten überschwänglich und in farbigen Bildern von ihrem «Fussgang» dem nördlichen Alpenkamm entlang, als wären sie erst vor einer Woche zurückgekehrt.

Mit Schneeschuhen

Von Ürikon ist Jaeger, die seit zehn Jahren mit ihrer Firma Wildwechsel Outdoor-Aktivitäten anbietet, an einem sonnigen Februartag aufgebrochen. Unterwegs hat sie an Maeders Wohnungstür in Rapperswil geläutet, um von da an gemeinsam während 49 Tagen unterwegs zu sein. Nicht am Stück, sondern in Wochenetappen, um alle vier Jahreszeiten zu erleben. Im Seedammcenter folgte das erste Mittagessen, bevor der Aufstieg zum Etzelpass anstand. Im Gasthaus Meinrad wurde übernachtet. Von da an gings weiter mit Schneeschuhen, welche die beiden vorsorglich für die erste Wochenetappe bis Seelisberg mitgenommen hatten.

Nackt im Brunnentrog

Die selbsternannten Fussgänger, die sich nicht als Pilger bezeichnet haben wollen, hatten nebst Kompass, Höhenmeter und Wanderkarten auch Tagebuch und Kamera dabei. Allabendlich schrieb Regula Jaeger das Erlebte noch vor dem Zubettgehen auf. Maeder bannte dafür die Landschaften auf die Linse: ein aufgeschrecktes Reh im Winterwald, die Morgenstimmung am Oeschinensee – oder die mitten auf einer Weide in einem Brunnentrog lustvoll badende Gefährtin. Ohne jeglichen Leistungsdruck haben die Gleichgesinnten nicht selten Umwege gewählt, wenn ihnen danach war. Und mit Menschen, wie etwa dem Bauer Fritz aus Stechelberg, geplaudert und dabei die Zeit vergessen. So auch nach dem Frühstück in einem Bed&Breakfast in Cully, wo Freunde der Gastgeberin und Jazzmusiker sich spontan zu einer «Jam-Session» hinreissen liessen.

«Dank den Gesprächen haben wir viel über die Geschichte und Kultur, aber auch Geheimtipps der jeweiligen Gegend erfahren, die in keinem Wanderführer stehen», meint Maeder. Er war als Journalist und Redaktor tätig und ist derzeit als Ghostwriter in Buchprojekte involviert. 2008 erschien von ihm «Vom Herzchirurg zum Fernfahrer».

Ein traditionsreicher Verlag

«Das Resultat dieses Abenteuers sind über 300 Seiten Lebensfreude», so das Wanderduo zu ihrem Buch «Fussgang», mit dem sie nach eigener Aussage nichts weniger gedenken als das Leben ihrer Leserschaft zu verschönern. Die Buchvernissage soll im August in der Buchhandlung Bellini in Stäfa gefeiert werden. Das Manuskript basiert auf den Tagebuchnotizen der Ürikerin, aus denen der Rapperswiler unterhaltsame Geschichten verfasst hat. «Es ist ein Porträt geworden von einem Teil der Schweiz, wie man sie noch nicht kennt», so der Autor. Eine Auswahl der Tausenden Fotos liegt ebenfalls parat.

Zur Freude der Autoren liess sich der altbewährte Zürcher NZZ Libro Verlag zur Veröffentlichung begeistern. Nicht zuletzt weil dort im Herbst Maeders «Falera – Unser Leben hängt an einem Seil» erschienen ist. Jetzt stehen Layout, Korrektur, Druck und Bindung an. Doch vorerst müssen sie noch 16 800 Franken aufbringen. Dazu haben sie ihr Projekt auf der Plattform Wemakeit.com für Crowdfunding aufgeschaltet (siehe Kasten).

Beim Crowdfunding, so lässt sich Simon Rüttimann von NZZ Libro zitieren, «geht es eigentlich eher um die Minderung des erwarteten Defizits als um die Finanzierung der Produktion. Denn auch wenn wir die gesamte Auflage verkaufen, sind wir auf Sponsoren angewiesen, damit am Ende kein Defizit zurückbleibt.» Für Bücher mit Schweizer Themen sei der Markt zu klein.

Honig im Kloster

Die beiden Fussgänger hoffen, dass das Buch bei Träumern und Wanderern ankommt. Maeder ist der Sonnenuntergang im Berner Oberland vor der Blüemlisalphütte auf 2800 Metern eingefahren, als eine gesangsbegeisterte Familie plötzlich Polo Hofers «Blüemlisalp ira Summernacht» fünfstimmig sang. Jaeger kann die leuchtenden Augen von Bruder Rafael im Kloster Einsiedeln nicht vergessen, als er ihnen verkündete, dass es an diesem Morgen zu Ehren von Sankt Meinrad Honig zum Frühstück gebe. «So ein Fussgang öffnet die Augen für all die Dinge am Wegesrand und stärkt für den Alltag», sagt die Naturliebhaberin, die immer wieder Wildkräuter pflückte, während er am Fotografieren war.

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