Wädenswil

«Einen Vorstoss habe ich bereits in petto»

Ab der Sommersession wird der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP) im Nationalrat sitzen. Er will im sozialen Bereich, in der Wirtschaft und in der Bildung etwas bewirken.

Beschwingt in Richtung Bern: Der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter freut sich auf seine neue Herausforderung als Nationalrat.

Beschwingt in Richtung Bern: Der Wädenswiler Stadtpräsident Philipp Kutter freut sich auf seine neue Herausforderung als Nationalrat. Bild: Patrick Gutenberg

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Wann haben Sie vom Rücktritt von CVP-Nationalrätin Barbara Schmid-Federer aus dem Nationalrat erfahren?
Philipp Kutter: Am Mittwochabend. Barbara Schmid-Federer persönlich hat mich über ihren Rücktritt informiert.

Wie haben Sie die kurzfristige Nachricht, die Ihr Nachrücken als Nationalrat beinhaltet, aufgenommen?
Wie viele andere auch habe ich nicht erwartet, dass Barbara Schmid-Federer zurücktritt. Es kam für mich also sehr über­raschend. CVP-intern haben wir zwar über einen möglichen Wech­sel und mein Nachrücken gesprochen, doch der Fokus lag immer auf dem Rücktritt von Kathy Riklin. Ich freue mich sehr, dass ich als erster Ersatz nun in den Nationalrat einziehen darf. Gleichzeitig ist es eine grosse Her­ausforderung auf einer neuen Ebene und in einem neuen Parlament. Das bedeutet auch, dass ich mehr Verantwortung trage.

Sie haben bereits angekündigt, dass Sie das Amt als Stadtpräsident beibehalten wollen, jenes als Kantonsrat jedoch abgeben werden. Werden Sie das bisher Gesagte nun einlösen?
Ja. Ich werde Stadtpräsident bleiben. Es handelt sich dabei ja um ein Halbamt. Dies begünstigt, dass ich noch einer weiteren Tätig­keit nachgehen kann. Mein Amt als Kantonsrat werde ich hingegen voraussichtlich vor den Sommerferien aufgeben, sodass ein dreiviertel Jahr vor den Erneuerungs­wahlen mein Nachfolger Farid Zeroual aus Adlis­wil sein Amt antreten kann. Denn alles­ geht nicht. Ausserdem gehört es zum guten Ton, dass man als Nationalrat sein Amt als Kantonsrat abgibt.

Wie werden Sie in Zukunft die beiden Ämter vereinbaren?
Ich bin davon überzeugt, dass die beiden Ämter mit einer guten Orga­nisation zu vereinbaren sind. Mir ist es wichtig, auch weiterhin mit den Leuten aus Wädens­wil im Gespräch zu sein. Das ist eine grosse Bereicherung für mich. Darum bin ich gerne bei den Leuten und oft an Anlässen. Das werde­ ich weiterhin so handhaben. Vielleicht werde ich das eine oder andere delegieren müssen, meine Aufgabe als Stadtpräsident aber selbstverständlich erfüllen.

Werden Sie an die Themen von Barbara Schmid-Federer anknüp­fen?
Wie Barbara Schmid-Fede­rer werde ich mich in Bern auch für soziale Fragen einsetzen. Besonders wichtig ist mir das Thema der Krankenkassenprämien, die immer weiter steigen und gerade für Familien eine grosse Belastung bedeuten.

Für welche Schwerpunkte werden Sie sich in Bern einsetzen?
Neben sozialen Anliegen sind Wirtschaft und Bildung zen­tral für mich. Die Schweiz und der Stand­ort Zürich müssen attrak­tiv sein für Firmen. Als Stadtpräsident habe ich erlebt, was es bedeu­tet, wenn ein Betrieb wegzieht. Das hat mich geprägt. Es ist wichtig, dass wir Firmen ein gutes Umfeld bieten. Sie schaffen Arbeitsplätze und Lehrstellen, zahlen Löhne und Steuern. Ebenfalls am Herzen liegt mir das Thema­ Bildung. Mit einer guten Ausbildung geben wir der nächsten Generation einen soliden Ruck­sack mit.

Mit der vom Bund geplanten Zentralisierung der sieben Standorte von Agroscope ist derjenige in Wädens­wil gefährdet. Wollen Sie in dieser Beziehung etwas bewirken?
Unbedingt, und einen ersten Vorstoss habe ich bereits in petto. Ab sofort kann ich mich direkt in Bern dafür einsetzen, dass Agroscope in Wädenswil bleibt. Der Lebensmittelforschung gilt es unbe­dingt Sorge zu tragen. Das ist im Sinn von uns allen als Konsumentinnen und Konsumenten. Wir wollen uns gesund ernähren. Agroscope sorgt dafür, dass wir qualitativ gute Lebensmittel erhalten.

In welchen Kommissionen möchten Sie gerne einsitzen?
Ich bin grundsätzlich offen für alles­. Gerne würde ich mich in den Bereichen Gesundheit, Wirtschaft­ oder Bildung enga­gieren. Diese Themen sind aber beliebt. Die Finanzkommission würde ich mir auch zutrauen.

Barbara Schmid-Federer ist zurück­getreten, weil die Flügelkämpfe innerhalb der Partei ihr zu schaffen gemacht haben. Wo stehen Sie im Knatsch innerhalb der Partei?
Ich sehe keinen Knatsch innerhalb der Partei. Die CVP hatte schon immer eine gewisse Breite mit einem sozialen und einem bürgerlichen Flügel, was ich immer­ als Stärke betrachtete. Nur so kann man eine breite Dis­kus­sion führen. Ich bin gut ein­gemittet und vermutlich etwas wirtschaftsorientierter als Barbara Schmid-Federer.

«Ich sehe keinen Knatsch innerhalb der CVP. Die beiden Flügel der Partei betrachte ich als Stärke.»Philipp Kutter,
Stadtpräsident Wädenswil

Können Sie sich mit dem Kurs von Parteichef Gerhard Pfister identifizieren?
Ich schätze seine Arbeit, weil sie langfristig ausgerichtet ist. Er prägte ja das Kürzel konservativ-sozial. Ich bevorzuge zwar «bürgerlich mit Herz», aber letztlich ist es das Gleiche. Die CVP setzt sich ein für Familien, Vereine, Gewerbe und Gemeinden. Man kann sagen, damit sind wir ­etwas konservativ, da wir traditionelle Strukturen hochhalten. Gleichzeitig hat die CVP immer eine soziale­ Ader. Mit diesem Kurs kann ich mich gut identifizieren. Pfister ist übrigens integrativ als Parteipräsident; er pflegt auch die Strömungen in der CVP. So hat er zum Beispiel mitgeholfen, die innerparteiliche Christlich­soziale Vereinigung (CSV) neu aufzustellen. Ich bin überzeugt, dass ich mit Gerhard Pfister gut auskommen werde und dass positive Ergebnisse folgen. Doch es braucht Zeit und Geduld.

Noch vor drei Jahren wollte die CVP einen dritten Sitz im Nationalrat. Nun muss sie sogar um den zweiten kämpfen, denn Kathy Riklin tritt zur nächs­ten Legislatur nicht mehr an. Wie soll die CVP den Sitz verteidigen?
Auf jeden Fall muss die CVP Vollgas geben, um beide Sitze wieder zu ergattern, denn der zweite Sitz ist nicht vollumfänglich abgedeckt. Dazu müssen wir als Partei mit guten Ideen überzeugen und als Persönlichkeiten. Ich denke, wir haben gute Vorschläge, so etwa beim Thema Gesundheit. Da hat die CVP ja eine Volksinitiative lanciert. Wir kämpfen für ein bezahlbares Gesundheitswesen. Die wachsenden Kosten und die hohen Prämien sind ein Pro­blem, welches der Bevöl­ke­rung unter den Nägeln brennt.

Zum Schluss noch ein Blick in die Zukunft: Haben Sie Ambitionen auf das Amt als natio­naler Parteipräsident oder als Bundesrat?
Nein. Daran habe ich bisher mit keinem Gedanken gedacht.

Erstellt: 03.05.2018, 20:37 Uhr

Nachfolge von Kutter

Farid Zeroual erbt Philipp Kutters Kantonsratssitz

Von Philipp Kutters Rücktritt aus dem Zürcher Kantonsrat profitiert Parteikollege Farid Zeroual. Der 55-jährige Adliswiler Finanzvorstand wird nach den Sommerferien den frei werdenden CVP-Sitz im Kantonsrat übernehmen. Dies, weil Zeroual bei den letzten Kantonsratswahlen 2015 nach Kutter das beste Wahlresultat aller CVP-Kandidaten aus dem Bezirk Horgen erzielt hatte. Kutter wurde damals mit 5404 Stimmen gewählt, Zeroual erhielt 2053 Stimmen.

Der Adliswiler Exekutivpolitiker, der beruflich als selbstständiger IT-Berater ­tätig ist, freut sich auf das zusätzliche Amt. «In Adliswil war ich ja bereits von 2008 bis 2014 als Parlamentarier aktiv. Nun freue ich mich, im Kantonsrat wieder in der Rolle des Parlamentariers politisieren zu können.» Er wolle sich in Zürich nicht schwerpunktmässig für die Anliegen der Stadt Adliswil, sondern für jene des ganzen Bezirks Horgen einsetzen, betont Zeroual.

Neben dem Kantonsratssitz erwartet den CVP-Mann im Sommer womöglich noch ein anderes neues Amt. Denn Farid Zeroual steht mit seiner Stadtratskollegin Susy Senn (FDP) zurzeit noch im Wahlkampf um das Adliswiler Stadtpräsidium. Entschieden wird dieser im zweiten Wahlgang am 10. Juni. Gegenüber dieser Zeitung bekräftigte Zeroual bereits vor einigen Wochen, dass er sich das Doppelmandat Stadtpräsident/Kantonsrat «sowohl von den Fähigkeiten her als auch zeitlich zutrauen» würde.

Unabhängig vom Ausgang der Präsidiumswahl steht schon jetzt fest: Der Adliswiler Stadtrat wird im Kantonsrat künftig gleich doppelt vertreten sein, durch ­Zeroual und die neu gewählte Stadträtin Carmen Marty Fässler (SP). (ham)

Farid Zeroual. (Bild: pd)

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