Zollikerberg

Eine Wellenreiterin, deren Berufung der Meeresschutz ist

Fabienne McLellan setzt sich an internationalen Konferenzen für den Schutz der Meere ein. Die Zollikerberglerin zieht es auch privat immer wieder ans Wasser.

Fabienne McLellan vor einem Bild ihres Lieblingstieres in den Büros von Ocean Care in Wädenswil.

Fabienne McLellan vor einem Bild ihres Lieblingstieres in den Büros von Ocean Care in Wädenswil. Bild: Michael Trost

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Wenn Fabienne McLellan spricht, sprudelt die Begeisterung für die Weltmeere nur so aus ihr heraus. Andere zu überzeugen, das ist denn auch der Job der Zollikerberglerin. Sie ist Co-Leiterin für Internationale Zusammenarbeit bei der Nichtregierungsorganisation Ocean Care. Was in deren lichtdurchfluteten Büros in Einem Wädenswiler Altbau ausgearbeitet wird, das findet – zumindest, wenn es gut läuft – Eingang in Dokumente und Resolutionen der UNO und anderer internationaler Gremien. Ocean Care hat nämlich den begehrten Sonderberater­status in Meeresfragen bei den Vereinten Nationen.

Dass McLellan und Vereinspräsidentin Sigrid Lüber, die Ocean Care 1989 gegründet hat, tatsächlich erfolgreich sind, davon zeugt der Aktionsplan der letztjährigen ersten UN-Meereskonferenz. Eine Genugtuung für das Team von Ocean Care ist, dass die Gefahr der Lärmbelastung der Meere, etwa durch militärische Aktivitäten oder die Ölsuche, Eingang in das Dokument gefunden hat. «Wir haben den Unterwasserlärm bei der UNO überhaupt erst auf die Agenda gebracht», erzählt McLellan. Ein weiteres Thema, für das sich Ocean Care einsetzt und das ebenfalls im Dokument thematisiert wird, ist der Kampf gegen Plastikmüll in den Ozeanen.

Angesichts solcher Erfolge will sie trotz steigendem Meeresspiegel und Einem US-Präsidenten, der das Klimaabkommen aufgekündigt hat, nicht resignieren. McLellan sagt aber auch: «Die Herausforderungen werden grösser, und die Zeit drängt.»

Schweinswale überzeugten sie

Die 38-Jährige stieg vor neun Jahren als Freiwillige bei Ocean Care ein, nachdem sie deren Geschäftsleiterin Vera Bürgi kennen gelernt hatte. Später studierte sie Umweltschutz und Nachhaltigkeit in Australien, wo sie mit ihrem Mann lebte, dem sie den englischen Nachnamen verdankt. Als sie danach in die Schweiz zurückkehrte, begann McLellan hauptberuflich für Ocean Care zu arbeiten. Ursprünglich stammt sie aber aus Einer anderen Branche: Sie hat Communication and Business studiert, für Eine Privatbank gearbeitet und in London sowie Kalifornien gewohnt.

Doch innerlich spürte die junge Frau, dass die Finanzbranche nicht das Richtige für sie ist. Einen Schlüsselmoment erlebte die passionierte Wellenreiterin, als sie mit Anfang 20 auf Sylt weilte. «Ich sass auf mEinem Surfboard und sah die Finnen Einer Gruppe Schweinswale vorbeiziehen», erinnert die Meeresschützerin sich. «Das war der Moment, als ich wusste: Das ist meins!» Die Affinität zum Meer verkörpert Fabienne McLellan in ihrer blau gestreiften Bluse und mit der Schwanzflosse Eines Wals, die auf Einem Anhänger um ihren Hals aufblitzt, auch äusserlich.

Konstruktiv statt konfrontativ

Meeressäuger haben es ihr sowieso angetan. «Ich liebe Wale, aber wenn ich mich für ein Lieblingstier entscheiden müsste, wäre es der Delfin», sagt sie. Diese hätten Eine soziale Komplexität, hohe Intelligenz und Eine wahnsinnige Agilität in den Wellen, schwärmt sie. «Das absolute i-Tüpfelchen wäre, Einen Delfin beim Surfen aus der Welle springen zu sehen.» Der Wal- und Delfinschutz ist denn auch das Hauptaufgabengebiet von Fabienne McLellan. Ist es für sie nicht schwierig, sich mit der Jagd auf die Meeressäuger zu befassen? «Wenn ich die brutalen Bilder Einer Jagd sehe, geht mir das schon sehr nahe», sagt sie. Aber es sei befreiend, dass etwas getan werden könne. Ein Beispiel für Einen Erfolg von Ocean Care ist, dass Fischer, die Delfine wildern, in Peru 2016 zum ersten Mal strafrechtlich verfolgt wurden. «Die Fischer verwenden die toten Delfine illegal als Köder bei der Haijagd, was ein massives Tier- und Artenschutzproblem bedeutet», erklärt die Umweltschützerin die Hintergründe. Ocean Care und Eine peruanische Partnerorganisation planen deswegen Workshops, in welchen Fischer über alternative Verdienstmöglichkeiten, etwa Wal- und Delfinbeobachtung für Touristen, aufgeklärt werden.

Dass bei Konflikten ein kons­truktiver statt ein konfrontativer Ansatz gewählt wird, ist Eines der Prinzipien von Ocean Care. «Das ist sicher Eine wichtige Voraussetzung dafür, dass wir den Status des UN-Sonderberaters bekommen haben und so Einfluss nehmen können», sagt McLellan.

2020 wird Ocean Care bei der nächsten UN-Meereskonferenz dabei sein, bei welcher die Realisierung der 2017 eingegangenen Ziele überprüft wird. Doch auch vorher wird es Fabienne McLellan nicht langweilig: Weitere internationale Konferenzen müssen vorbereitet werden, und auch sonst gibt es viel zu tun. So begleitet sie aktuell mit ihrer Ocean-Care-Kollegin Sandra Ludescher die deutsche Band Itchy auf Tour und informiert an deren Konzerten über die Anliegen von Ocean Care. «In mEinem Job ist kein Tag gleich», sagt sie.

Hochzeitsreise in die Antarktis

Und wie oft ist sie selbst noch am Meer? Einmal im Jahr schaue sie, dass sie ans Salzwasser komme, sagt McLellan. Sogar ihre Hochzeitsreise verbrachte sie auf dem Wasser, beobachtete sie doch mit ihrem Mann Wale in der Antarktis. Auch in der Schweiz ist ihr die Nähe zum Wasser wichtig. Aber ein springender Delfin wird ihr kaum begegnen, wenn sie mit dem Stand-up-Paddelboard auf dem Zürichsee unterwegs ist.

(zsz.ch)

Erstellt: 28.04.2018, 08:28 Uhr

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