Männedorf

Eine Welle im Kleinen lostreten

Wir und das Wasserproblem ferner Länder: Unter anderem darüber hat der Umweltbiotechnologe Urs Baier in Männedorf referiert.

Nur gerade drei Prozent des gesamten Wassers auf der Erde ist Süsswasser – und davon kann der Mensch längst nicht alles verwenden.

Nur gerade drei Prozent des gesamten Wassers auf der Erde ist Süsswasser – und davon kann der Mensch längst nicht alles verwenden. Bild: Archiv Sabine Rock

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Ein paar Spritzer Gülle machen den Unterschied: Schon wird aus einem Glas Trinkwasser eine ungeniessbare Brühe. So selbstverständlich das konkrete Beispiel, so bedeutsam die globale Betrachtung. Dies machte am Montagabend der Umweltbiotechnologie Urs Baier klar. Der Dozent von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Wädenswil sprach auf Einladung der Arbeitsgruppe für ökumenische Erwachsenen­bildung Männedorf im örtlichen katholischen Pfarreizentrum St. Stephan. Damit gestaltete er den ersten von drei Anlässen, die das Thema Durst aus unterschiedlichster Optik beleuchten.

Zwar bestehe die Erdober­fläche überwiegend aus Wasser, nahm Baier einen allgemein bekannten Sachverhalt auf. «Doch nur eine begrenzte Menge davon ist von brauchbarer Qualität.» Dies sei nicht nur wegen Verschmutzungen so – wie das Beispiel mit der Gülle nahelegen könnte –, sondern primär, weil nur gerade drei Prozent des ­gesamten Wassers auf der Erde überhaupt Süsswasser seien. Und auch davon könne der Mensch längst nicht alles verwenden. Man denke nur an das in Gletschern gebundene Wasser. «Trotz dieser Begrenztheit fehlt das Bewusstsein für den Mangel hierzulande weitgehend», sagte der Referent. Darauf, dass Wasser jedoch nicht selbstverständlich ist, spielte der Titel des Vortrags an: «Über den Wert des Wassers» – der zudem zeigte, dass hinter der Wasserthematik eine globale -problematik steckt.

Problem Grundwasser

Der Wert des Wassers tritt in unseren Breiten umfassend erst bei Ereignissen wie etwa dem vergangenen Hitzesommer ins Bewusstsein. Die letztjährige Trockenheit habe denn auch zum Thema der Bildungsreihe inspiriert, sagte Domenic Gabathuler einleitend. Der katholische Pfarreibeauftragte von Männedorf bildet neben Achim Kuhn, dem reformierten Pfarrer des Orts, sowie Carola Höntzsch und Friederike Jaklin – beide auch von der reformierten Kirche Männedorf – die organisierende Arbeitsgruppe.

So stand denn der Mangel an Wasser im Zentrum der Aus­führungen des Referenten. Dabei zeigte er bald einmal, wo das Problem zu verorten ist: im Agrar­bereich: «70 Prozent der Trinkwasservorräte weltweit entfallen auf die Bewässerung in der Landwirtschaft.» Das sei problematisch, da dafür in vielen Gebieten Grundwasser verwendet werde – mehr, als nachkomme. Baier illustrierte dies, indem er Aufnahmen aus Libyen zeigte: kreisrunde grüne Inseln inmitten der Wüste, auf denen intensiver Getreideanbau betrieben wird. Das Wasser zur Bewässerung müsste von weit her geholt werden – mit den Folgen von Dürren ebendort.

Ein anderes bekanntes Mahnmal hierfür stelle der Aralsee in Usbekistan dar. Die Entnahme von Grundwasser zur Bewässerung von Baumwollfeldern rund um den See habe diesen auf einen Bruchteil seiner Ursprungsgrösse verlanden lassen. Die Thematik werde in wenigen Jahrzehnten immer mehr Weltgegenden beschäftigen, fuhr Baier fort.

Wasser nur ein Aspekt

Von globaler Tragweite sei das Problem ohnehin schon. Dies erörterte Baier mit dem Aspekt des Wasserfussabdrucks. Darunter verstehe man «die Gesamtmenge an Wasser, die zur Herstellung eines Produkts verwendet wird». So betrachtet, verbrauche die Schweizer Bevölkerung ihr Wasser in der Landwirtschaft im Ausland: durch den Import von Produkten aus bewässerungsinten­siver Landwirtschaft. Allerdings müsse differenziert werden. Ob eine Agrarkultur mit Grundwasser bewässert werde oder aber mit Regenwasser und auch, wie viel Süsswasser man benötige, um die Schadstoffbelastung auszu­gleichen. «Woher ein Produkt kommt, ist also entscheidend.» Und: «Wasser ist nur ein Aspekt.» Transportwege, politische Verhältnisse im Produktionsland und weitere Faktoren seien bei dieser Betrachtung nicht berücksichtigt.

Das war nur ein Hinweis dar­auf, wie vielschichtig und fern einer einfachen Lösung das Thema ist. Eine der rund 30 Zuhörenden wollte denn auch wissen, wie man als Konsument herausfinde, was wie wasserintensiv erzeugt wurde. Baier verwies auf Bio- und Fair-Trade-Labels – nicht ohne den Dschungel entsprechender Logos unerwähnt zu lassen. Ein anderer Gast gab zu bedenken, dass der Verzicht auf bestimmte Güter wegen der Wasserthematik Arbeitsplätze in den Produktionsländern gefährden könnte. Baier liess dies unbestritten, ebenso, dass Diktaturen oder Massenereignisse einzelne Wellen an verändertem Verhalten schnell zunichte machen könnten. Doch, so sein Fazit, dies solle uns nicht hindern, mit dem Kauf lokaler Waren oder der Unterstützung von Trinkwasserprojekten eine Welle im Kleinen loszutreten.

Erstellt: 16.01.2019, 09:10 Uhr

Weitere Veranstaltungen

Im Rahmen der Reihe Durst gibt es zwei weitere Abende, die den Durst im weiteren Sinn reflektieren. So referiert Fulbert Steffensky über den Durst nach Spiritualität in glaubenskargen Zeiten. Steffensky war Benediktinermönch, ehe er zur evangelischen Konfession konvertierte. Er ist Autor von Büchern über Spiritualität, Religionspädagoge und Universitätslehrer. Der Anlass findet am Montag, 21. Januar, im katholischen Pfarreizentrum St. Stephan in Männedorf statt.

Den dritten Abend gestaltet der Bündner Liedermacher Linard Bardill. Er singt und erzählt am Montag, 28. Januar im reformierten Kirchgemeindehaus Männedorf unter anderem von seinen Erfahrungen aus dem Alltag mit Sterbenden und als Sänger an Kinderbetten im Spital. Beide Veranstaltungen beginnen um 19.45 Uhr. (and)

Urs Baier, Dozent Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) Wädenswil.

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