Oetwil am See

Eine vielfältige Baumwelt soll den Patienten wohltun

Die Clienia Schlössli legt Wert auf ihren reichen Baumbestand. Mithilfe einer von ihr herausgegebenen Broschüre lässt sich ein Rundgang zu uralten, seltenen oder exotischen Bäumen machen.

Die Gestaltung des Gartens habe einen hohen Stellenwert bei der Clienia Schlössli Oetwil.

Die Gestaltung des Gartens habe einen hohen Stellenwert bei der Clienia Schlössli Oetwil. Bild: Martin Trost

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Mächtig thront die riesige Linde vor dem Neubau der Privatklinik für Psychiatrie, Clienia Schlössli in Oetwil. Ein paar einzelne Blätter haben sich bereits herbstlich verfärbt. Rund um den Baumstamm spriesst frischer Rasen.

«Wir haben bei den Bauarbeiten sämtliche Installationen rund um die Linde so geplant, dass der Baum nicht beschädigt wurde», sagt Klinikdirektor Martin Werthmüller. Die Gartengestaltung habe bei der Clienia einen hohen Stellenwert. «Wir sind überzeugt, dass Bäume eine wichtige Bedeutung für die Patienten haben.» Als ob sie seine Worte bestätigen wollten, spaziert gerade eine Gruppe Frauen und Männer über das Klinikgelände und hält Rast vor einigen der zahlreichen Bäume.

Ein markanter Punkt

Um die Vielfalt der Parkanlage herauszustreichen, hat Clienia die Broschüre «Baumwelt Schlössli» herausgegeben. Darin werden aus Dutzenden von Bäumen auf dem Schlössli-Areal 45 Exemplare vorgestellt. Auf einem Übersichtsplan im Heft ist eingezeichnet, wo sich die beschriebenen Bäume befinden. «So können sich Patienten, Besucher und Einwohner von Oetwil auf einen Baumrundgang begeben», sagt Melchior Lingg, Geschäftsleiter der Hinderer Liegenschaften, die Eigentümerin der Gebäude der Klinik Schlössli ist. Lingg ist Mitautor der Broschüre, die am Empfang aufliegt, und auch privat ein Baumliebhaber.

Wie viele Exemplare der Bestand auf dem Areal insgesamt umfasst, weiss er aber nicht. «Die Freude an Bäumen steht über einer Inventarisierung», sagt er mit einem Lächeln.

«Wir sind überzeugt, dass Bäume eine wichtige Bedeutung für die Patienten haben.»Martin Werthmüller, Direktor Clienia Schlössli Oetwil

Auf unserem Rundgang deutet er auf eine neu gepflanzte Blutbuche neben der Parkplatzanlage. «Das ist mein Lieblingsbaum.» Mit ihrer rötlichen Blattfarbe korrespondiere die Buche gut mit dem Bauernhaus im Hintergrund und sei aufgrund des pyramidenförmigen Wuchses eine Seltenheit. «Der Baum wird dereinst einen markanten Punkt darstellen.»

Die neu gepflanzte Blutbuche ist mit ihrem pyramidenförmigen Wuchs eine Seltenheit. Foto: MT

Auf der Wiese vor der Remise des Schlösslihofs steht ein weiterer Teil der Baumwelt: fünf noch kleine Walnussbäume (siehe Foto unten links im Hintergrund). Sie werden ausgewachsen eine Höhe von 15 Metern erreichen. «Dann sollen sie Schatten spenden und dem Bauernhof Nüsse bescheren», sagt Melchior Lingg. Zudem vertreibe die Ausdünstung des Laubes lästige Insekten.

Uralte Sorten

Bei der Parkanlage vor dem Neubau gedeihen nebst der geretteten Linde, deren Alter Lingg auf «zwischen 80 und 120 Jahre» schätzt, diverse andere riesige Bäume: Bergahorn, Feldahorn, Gemeine Esche und Eiche. Zum Teil könne die genaue Art nicht mehr eruiert werden, bedauert der Liegenschaften-Geschäftsführer. «Einzelne Bäume sind so alt, dass das Wissen darüber verloren gegangen ist.»

Dafür weiss Melchior Lingg etwas zu erzählen zu den drei Riesen-Mammutbäumen, die vor acht Jahren unterhalb des Klinikareals gepflanzt wurden. «Sie können 2500 Jahre und älter werden und wachsen zwischen einen bis drei Meter pro Jahr.» Noch sind die Stämme so schmal, dass eine Person sie locker umfassen kann. Das wird sich aber eines Tages ändern, denn die kegelförmigen Nadelbäume dürfen sich hier ungestört ausbreiten.

Clienia-Schlössli-Direktor Martin Werthmüller (links) und Melchior Lingg, Geschäftsleiter der Hinderer Liegenschaften, sind froh, dass die riesige Linde im Hintergrund die Arbeiten für den Neubau der Klinik überlebt hat. Fotos: Michael Trost

Auf dem Klinikhauptplatz befindet sich ein Zimtahorn. Leider riecht er aber nicht nach Zimt, wie es der Name vermuten lässt: Seine Bezeichnung verdankt er der zimtfarbenen, papierartig abrollenden Rinde. Dafür soll der Duft des riesigen Kuchenbaums neben dem Verwaltungsgebäude tatsächlich an Lebkuchen erinnern. «Mit viel Vorstellungsvermögen riecht man es», sagt Lingg mit einem Augenzwinkern.

Der Zimtahorn verdankt seinen Namen der zimtfarbenen, papierartig abrollenden Rinde. Foto: MT

Zu den Neuzuzügern der Schlössli-Baumwelt zählt die Nadelbaumgruppe beim «multifunktionalen Wohnhaus» neben der Bergstrasse. Neben der bekannten Fichte, Lärche und Föhre wachsen hier auch eine Koreatanne sowie eine Japanische Sicheltanne, deren Zapfen kugelrund sind. «Diese Baumarten findet man nicht oft in unserer Gegend», erklärt Melchior Lingg. Mit den unterschiedlichen Nadelbäumen wolle man Spannung erzeugen.

Trotz aller Baumliebe: Manchmal müssen einzelne Exemplare gefällt werden. Weil sie krank oder instabil sind oder schlicht am falschen Ort stehen. So geschehen etwa mit einem Japanischen Ahorn sowie einer 106-jährigen Eiche, die dem Neubau weichen mussten. Der Japanische Ahorn steht inzwischen im Baummuseum des Bäumesammlers Enzo Enea in Rapperswil. Die Eiche hingegen wurde gefällt. Aus ihrem Holz entstand ein langer Stammtisch für die neue Cafeteria. Dort lässt sich nach einem Baumrundgang gemütlich ein Kaffee trinken – mit Sicht auf die gerettete Linde.

Erstellt: 18.10.2019, 17:25 Uhr

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