Stäfa

«Eine Sage hat mehr Wahrheit als die Tagesschau»

Gleich zwei Redner traten dieses Jahr in Stäfa auf: Beim Schulhaus Kirchbühl Süd sprach Historiker und SVP-Politiker Christoph Mörgeli, beim Ritterhaus in Ürikon Richard Diethelm, der Präsident der Lesegesellschaft.

Christoph Mörgeli hat in Stäfa schon zum zweiten Mal eine 1.-August-Rede gehalten.

Christoph Mörgeli hat in Stäfa schon zum zweiten Mal eine 1.-August-Rede gehalten. Bild: Moritz Hager

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Viel Betrieb herrschte am Nationalfeiertag in den Restaurants und Bars rund um die Oetiker Haab. Auf dem eigentlichen Festplatz beim Schulhaus Kirchbühl Süd war etwas weniger los, die Stimmung war aber ebenfalls aufgeräumt. Die Laliburger Fasnachtszunft wirtete im Festzelt, und der Musikverein Verena spielte auf.

Christoph Mörgeli, von Gemeindepräsident Christian Haltner (FDP) als «Ur-Stäfner» vorgestellt, hielt die Festrede. Der SVP-Politiker und Historiker berief sich dabei auf Gottfried Keller, der die Bedeutung von Mythen und Sagen erkannt habe, und schloss daraus scherzhaft: «Eine Sage hat mehr Wahrheit als die ‹Tagesschau› und sogar mehr als die ‹Zürichsee-Zeitung›.»

Die Angst vor den Vögten

Den Bundesbrief von 1291, auf den Mörgeli zu Beginn seiner Rede verwies, würdigte er als Dokument, das über Jahrhunderte Substanz gehabt habe. Er zeige, wie «die Leute ihr Schicksal selber in die Hand nehmen». Den Erfolg und den Wohlstand der Schweiz wiederum führte er unter anderem darauf zurück, dass die Bürgerinnen und Bürger die Chefs in diesem Land seien.

Mörgeli rief zudem dazu auf, sich auf das Notwendige zu beschränken, sich auf die eigenen Grenzen zu besinnen und diese – etwa in Bezug auf die Klimapolitik – auch anzuerkennen. Sich von anderen abgrenzen fasste Mörgeli nicht negativ, sondern gar als notwendig auf. Er schlug den Bogen zum Rahmenvertrag mit der EU, der Übernahme fremden Rechts zur Folge habe, warnte – ganz im Sinne der Rhetorik seiner Partei – vor fremden Vögten und generell davor, die Unabhängigkeit sorglos preiszugeben. Denn: «Wer nicht für die Unabhängigkeit einsteht, ist kein Schweizer.»

Die Freiheit im Kleinen

Zwei Stunden zuvor hatte beim Ritterhaus in Ürikon auch Richard Diethelm eine Rede gehalten. Er ist Präsident der Lesegesellschaft, die dieses Jahr ihren 200. Geburtstag feiert. Der Stäfner zog denn auch Parallelen zwischen dieser und dem 1. August. Die Vorväter des modernen Bundesstaats hätten sich für Minderheitenschutz, Niederlassungsfreiheit, Pressefreiheit, Vereinsfreiheit und Gleichberechtigung eingesetzt, sagte der ehemalige Journalist. «Just für diese grundlegenden Freiheitsrechte sowie die Gleichberechtigung von Bürgern, ob sie nun auf dem Land oder in der Hauptstadt waren, kämpften die Gründer der Lesegesellschaft Stäfa.»

Er sei stolz auf jene Kräfte, die sich um den Zusammenhalt der Landesteile bemühten. Und er habe auch Achtung vor jenen Mitbürgerinnen und Mitbürgern, die sich aufnahmebereit gegenüber Einwanderern zeigten. Er sage dies im Wissen, dass die abscheuliche Tat im Frankfurter Hauptbahnhof, die nach bisherigen Erkenntnissen ein in der Region wohnhafter Ausländer begangen habe, viele Leute wütend mache. «Ich warne aber davor, die schlimme Einzeltat eines angeblich psychisch kranken Mannes zu verallgemeinern. Dadurch würde unterschwellig Fremdenfeindlichkeit geschürt und letztlich unser Zusammenleben mit einem Teil der Wohnbevölkerung vergiftet.»

Erstellt: 01.08.2019, 21:57 Uhr

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