Stäfa

Eine Liebeserklärung an Mozart

Das Stradivari-Quartett ist mit seinem Zyklus «Winterklänge am Zürichsee» mit befreundeten Musikern im Gemeindesaal Obstgarten aufgetreten. Gespielt wurde Mozart und gesungen aus seinen Opern.

Das Stradivari-Quartett machte im Stäfner Gemeindesaal Obstgarten halt.

Das Stradivari-Quartett machte im Stäfner Gemeindesaal Obstgarten halt. Bild: PD/Stradivari-Quartett

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Von so einem Publikum können Musiker nur träumen. Kaum haben die elf Streicherinnen und Streicher den letzten Ton im Allegro des ersten Satzes aus Mozarts Divertimento in D-Dur, KV 136, ausklingen lassen, braust ihnen stürmischer Applaus entgegen, zumal der Stäfner Obstgartensaal bis auf wenige Plätze ausverkauft ist.

Die anfänglich irritierten Blicke der Musiker weichen einem Schmunzeln, während sie sich für den nächsten Satz sammeln. Auch das lieblich melodiöse Andante, das einen umschmeichelt wie lauer Sommerwind, wird klatschend honoriert. Und natürlich ernten die Streicher nach dem tänzerisch rassigen Finale den ihnen gebührenden Beifall, denn ihr Spiel ist ein akustischer Hochgenuss.

Auf der Bühne spielt an diesem Nachmittag zunächst mal das Stradivari-Quartett, das in seinem Zyklus «Winterklänge am Zürichsee» zum ersten Mal in Stäfa konzertiert. Gegründet hat es 2007 die Zolliker Cellistin Maja Weber. Zu ihr gehören die beiden Violinisten Xiaoming Wang, der schon 2008 zum Ensemble stiess, und Sebastian Bohren sowie der Bratschist Lech Antonio Uszynski, ein Basler mit polnischen Wurzeln. Die vier haben sich mit zusätzlichen Streichern sowie vier Bläsern zum Stradivari-Ensemble zusammengeschlossen, um ihr Mozart-Programm zu präsentieren, das auch Opernarien beinhaltet.

Eine echte Stradivari

In Mozarts erstem Violinkonzert übernimmt der Primarius Xiaoming Wang den Part des Solisten. Der 37-Jährige stammt aus Peking, ist Konzertmeister an der Oper Zürich und lebt mit seiner Familie seit kurzem in Stäfa. Seine Violine ist eine echte Stradivari aus dem Jahr 1715. Ebenso hat der legendäre Geigenbauer aus Cremona das Cello von Maja Weber geschaffen, Instrumente, die den Musikern von der Stradivari-Stiftung Habisreutinger zur Verfügung gestellt wurden.

Der Solist entfaltet mit seiner 300-jährigen Geige eine facettenreiche Klangfülle, wechselt mit Leichtigkeit die Tempi und scheint die melodiösen Passagen auszukosten. Um dann seine geballte Ladung an Temperament ins abschliessende Presto zu legen, dass es eine Freude ist, ihm dabei zuzuschauen. Er muss mehrmals auf die Bühne treten, bevor ihn das stürmische Publikum entlässt. Wobei der Applaus dem gesamten Ensemble gilt: Es hat das Zusammenspiel der verschiedenen Tonlagen und komplexen Passagen immer wieder in eine Einheit münden lassen.

Apéro mit den Musikern

Die anschliessenden Liebesduette aus Mozarts Opern erweisen sich – ausser dem zuletzt vorgetragenen Duett aus «Così fan tutte» – als Arien, die die Sopranistin Keiko Enomoto und der Tenor Michael Mogl im Einzelauftritt interpretieren. Das tut ihren Stimmen keinen Abbruch, im Gegenteil, sie erfüllen auch allein und ohne Mikrofon den gesamten Saal.

Die Stimme der Japanerin Keiko Enomoto ist glasklar, rein und ohne Makel, sowohl in ihrem «Ach, ich fühls» aus «Die Zauberflöte» als auch im «Deh, vieni, non tardar» aus «Le nozze di Figaro».

Der gebürtige Deutsche aus Baden, Michael Mogl, steht seiner Kollegin stimmlich in nichts nach: Weich und sonor ist sein Tenor in «Konstanze, dich wiederzusehen» aus «Die Entführung aus dem Serail» und in «Un aura amorosa» aus Così fan tutte. Doch der Höhepunkt ist das mit der Sopranistin am Schluss vorgetragene Liebesduett «Fra gli amplessi» und vor allem das als Zugabe gelieferte «Andiam, andiam» aus «Don Giovanni» – da nähern sich die wunderbaren Stimmen nach anfänglichem Widerstand und vereinen sich in einer klangschönen Harmonie.

Im anschliessend offerierten Apéro – das ist bei Anlässen des Stradivari-Quartetts bereits Tradition – mischen sich die Musiker unters Publikum und schaffen damit eine Nähe, die man sonst vergeblich sucht.

Weitere Auftritte unter www.stradivariquartett.com. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 25.03.2019, 16:45 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben